Zu schnell, zu rücksichtslos, zu egoistisch – „normaler Wochenendverkehr“ auf Thüringer Autobahnen

Nach dem Unfall bei der Anschlussstelle Sättelstädt. (Foto: Autobahnpolizeiinspektion Thüringen)
 
Nach dem Unfall bei der AS Sättelstädt. (Foto: Autobahnpolizeiinspektion Thüringen)
Über das Wochenende 8./9. Juni 2013 ereigneten sich insgesamt 38 Verkehrsunfälle auf den Autobahnen im Freistaat, teilt die Autobahnpolizeiinspektion Thüringen mit Stand vom Sonntag 14 Uhr, vor den einsetzenden Gewittern, mit. Dabei wurden insgesamt neun Personen so verletzt, dass sie sich einer ambulanten ärztlichen Untersuchung unterziehen mussten. Ernsthafte Verletzungen erlitt zum Glück keine der Beteiligten – sie konnten die Krankenhäuser sogleich wieder verlassen.

„Unfallursachen: zu schnell, zu rücksichtslos, zu egoistisch“, schätzt Polizeikommissar Steffen Piewak von der Autobahnpolizei ein und nennt als Paradebeispiel die Rangeleien zwischen zwei Fahrzeugführern am Samstag gegen 10.30 Uhr auf der A 38: "Wir erhielten die Information, dass ein Pkw Mercedes einen Pkw Nissan ohne ersichtlichen Grund ausgebremst haben soll. Der Fahrer fühlte sich durch dieses Fahrmanöver des Mercedes genötigt und wollte Anzeige wegen Nötigung im Straßenverkehr erstatten. Daraufhin wurde ein Funkstreifenwagen zur Klärung des Sachverhaltes entsandt. Beide Fahrzeuge wurden auf einen Autobahnparkplatz geleitet und es wurde Rücksprache mit beiden Fahrzeugführern geführt. Schließlich beschuldigten sich die Fahrzeugführer gegenseitig des Drängelns, Rechtsüberholens, Telefonierens während der Fahrt, absichtlichen Betätigens der Scheibenwaschanlage, sodass dem dahinter fahrendem Fahrzeugführer durch das Wischwasser kurzzeitig die Sicht genommen wurde und des ständigen gegenseitigen Ausbremsens."

Vor Ort konnte durch die Beamten nicht abschließend geklärt werden, wer, wann, wie oft gegen die Straßenverkehrsordnung und das Strafgesetzbuch verstoßen hatte. Auch der Fahrzeugführer des Pkw Mercedes erstattete Anzeige wegen Nötigung im Straßenverkehr gegen den Fahrer des Nissan.

„Das ist kein Einzellfall! Das ist fast normal“, kommentiert Steffen Piewak das geschehen.

Am Samstag Nachmittag ereigneten sich gleich zwei Unfälle an der Rastanlage „Altenburger Land“, zeitgleich und örtlich beieinander. Einer davon in Fahrtrichtung Dresden, der zweite Unfall in Fahrtrichtung Frankfurt. Dabei wurde zum Glück niemand ernsthaft verletzt. Die beiden Fahrzeuge jedoch sind stark beschädigt worden. Der Sachschaden wird auf insgesamt 15.000 Euro geschätzt. Klar ist, dass beide Fahrzeugführer jeweils nach dem Motto „Nur Fliegen ist schöner“ unterwegs waren, so Piewak. Die Begründung der Fahrzeugführer klang indes ganz anders: „…urplötzlich war da Regen
aufgetaucht ...“

Zu erwähnen sei hier insbesondere, dass die Rettungsleitstelle ein zusätzliches Feuerwehrfahrzeug einsetzten musste! Nicht zum Löschen, nicht zum Bergen und auch nicht zur Säuberung der Fahrbahn! Der Fahrer des Rettungswagens konnte nicht aus dem Fahrzeug aussteigen, weil die anderen Verkehrsteilnehmer trotz Blaulicht an einer weithin sichtbaren Unfallstelle ohne Rücksicht auf die Einsatzkräfte – „völlig verrückt vorbeihämmerten….“ (wörtlich)

Ähnliches auch im Bereich der Anschlussstelle Sättelstädt. Hier raste ein Fahrzeugführer in eine bereits gesicherte und sichtbare Unfallstelle mit zwei beteiligten Fahrzeugen hinein. Ein hinter der Unfallstelle bereits stehende Verkehrsteilnehmer auf dem Weg zum Flughafen Frankfurt /M. musste sein Mietfahrzeug als „Schrott“ abstellen und ein neues Mietfahrzeug nehmen. Die vier beteiligten Fahrzeuge mussten allesamt durch Abschleppdienste geborgen werden. Der Schaden beträgt zirka 20.000 Euro.

Polizeikommissar Steffen Piewak dankt hiermit ausdrücklich den Kräften vom DRK und Feuerwehr Gießen: "Auf dem Rückweg vom Hochwassereinsatz kamen sie sogleich den Kräften der Autobahnpolizei zu Hilfe."
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