Als der Weihnachtsmann noch Knecht Ruprecht war - Historisches zur Weihnachtszeit

Knecht Ruprecht & Co. - die "Vorfahren" des Weihnachtsmannes, wie wir ihn heute kennen.
 
Moosweiber und Moosmänner waren in früheren Jahrhunderten typische Weihnachtsfiguren.
 
Blick in eine historische Puppenstube.
 
Der Brauch mit dem geschmückten Weihnachtsbaum bürgerte sich in Mitteldeutschland erst im 19. Jahrhundert ein.
Viele Bräuche unserer Heimat werden in diesen Wochen vor dem Weihnachtsfest wieder lebendig, vieles wurde von Generation zu Generation weitergegeben und hat sich dadurch in der Erinnerung erhalten. Doch es gibt natürlich in unserer schnelllebigen Zeit eine Vielzahl von Sitten und Bräuchen, die in Vergessenheit geraten sind, uns jedoch von der Geborgenheit früherer Großfamilien, von der Vorfreude und den Vorbereitungen im Advent sowie dem Höhepunkt des Jahres, dem Heiligen Abend, berichten können.

Einen kleinen Einblick in diesen reichen Schatz an Traditionen gibt nachfolgend die ehemalige Greizer Museumsleiterin Ellen Melzer, natürlich ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Obwohl die historisch jüngste Weihnachtsgestalt, der dem 19. Jahrhundert entstammende Weihnachtsmann, auch im Vogtland bekannt war, spielten in unserer Gegend andere weihnachtliche Gabenbringer eine Rolle. Zu diesen zählte der Rupperich, eher als Knecht Ruprecht bekannt, der zwar dem Nikolaus oder Weihnachtsmann ähnlich ist, dessen Namensdeutung jedoch verschiedene Schlüsse zulässt. Entweder sollte die Gestalt von dem vorchristlichen „Ruamprecht", dem „ruhmstrahlenden" Wotan herleiten, oder aber vom „rauhen Precht", einem bösen Geist, der als Kinderschreck umherging.

Mit den Jahrhunderten änderte sich jedoch der Charakter des Knecht Ruprecht vom Strafenden zum freundlichen Gabenbringer. Dr. Johannes August Ernst Köhler schrieb dazu 1867 in seinem Buch „Volksbrauch, Aberglauben, Sagen und andere Überlieferungen im Voigtlande": „Ruprecht meldete sich zuweilen an, besonders in der letzten Adventwoche. Da polterte er an der Thüre, und wenn die Kinder sich erschrocken in der Stube verstecken, wirft er Äpfel und Nüsse hinein. An einem der Abende sehen sie ihn auch; er kommt vermummt und mit einem gewaltigen Sacke ins Zimmer; er stampft mit dem Stocke auf die Dielen und die Kinder müssen ein Gebet oder Sprüchlein hersagen. Zitternd thun sie es, denn sie bemerken in der Hand des Gefürchteten und doch Geliebten eine lange Ruthe, zuweilen mit einem rothen Bande verziert. Haben sie ihn zufrieden gestellt, dann schüttet er seine Schätze aus oder er greift in den Sack und giebt jedem Kinde seinen Antheil. Auch läßt er sich vorher von den Kindern das Versprechen geben, gut zu folgen."

In vielen vogtländischen Dörfern kam allerdings der Ruprecht nicht allein, sondern in seiner Begleitung befand sich das „Bornkinnel", das uns jedoch heute im Zusammenhang mit der Vorweihnachtszeit kaum mehr bekannt ist. Im Volksbrauch war das Bornkinnel eine weiß gekleidete, einem Engel ähnliche Gestalt, mit goldener Krone auf dem Kopf und Tannenbäumchen in der Hand, die an das Christkind erinnerte und in der Adventszeit auch oft allein von Haus zu Haus ging, in die Fenster schaute oder Gaben verteilte. Die Herkunft des Wortes „Bornkinnel" ist teils immer noch umstritten. Es leitet sich aber mit großer Wahrscheinlichkeit aus dem Begriff des „neugeborenen Kindes" ab, aus dem sich in mundartlicher Umbildung im Erzgebirge und im Vogtland das „Bornkinnel" entwickelte.

Zu den vielen vorweihnachtlichen Verrichtungen gehörte natürlich auch im Vogtland das Backen. Von großer Bedeutung war die Herstellung des Weihnachtsstollens, dem Festtagsgebäck der Feiertage. Die Form des Stollens sollte ein Wickelkind darstellen. Die Vorbereitungen und das Stollenbacken selbst waren für die Hausfrau wichtige und aufregende Tätigkeiten, denn gelang das Gebäck nicht, bedeutete dies Unglück oder gar Tod in der Familie.

Eine schöne Tradition war in unserer Gegend das Backen von Zuckermännle als Tannenbaumschmuck. Die vogtländischen Bauern putzten ihre Tannenbäume, die wegen der niedrigen Stuben auch an die Zimmerdecke gehängt wurden, mit drei Dingen: Äpfeln und Nüssen aus dem eigenen Garten und Zuckersachen, eben das selbstgebackene „Zuckermännle". Dabei wurde jeder Ast in gleicher Weise vom Stamm nach außen behängt, je ein Apfel, ein Zuckermännle und eine Nuss, die auch vergoldet sein konnte. Dieses Nasch- und Zuckerwerk backte die Bäuerin selbst oder der Dorf- bzw. Stadtbäcker stellte es in der Vorweihnachtszeit aus Mehl, Eiern, Zucker, Milch und Hirschhornsalz her. Ursprünglich kommt dieser Brauch aus der Werdauer Gegend. Hier hatte der Schmuck des Baumes einen tieferen Sinn: der Apfel stellte die Sonne dar, die sich erneuert; die Nuss glich der Erde, die unter einer harten Decke aus Eis und Schnee das Leben birgt, das süße Männlein stand als Symbol für die Heimat.

Die Zuckermännle wiesen neben ihren bunten Glasuren einen besonderen Formenreichtum auf. Es gab unzählige Motive, von Männel und Weibel bis zum Reiter, aber es wurden auch Sterne, Herzen, Trompeten, Brezeln, Schlüssel und allerlei Getier geformt. Hier ein altes Rezept zum Ausprobieren: 1 kg Mehl, 400 g Zucker, 1 Ei, 70 g Hirschhornsalz, 0,17 l Wasser, 0,25 l Milch.

Ein weiterer schöner Brauch, der uns auch heute noch bekannt ist, ist das Schneiden der Barbara-Zweige. Am 4. Dezember, dem Barbaratag, wurden Zweige vom Kirschbaum, aber auch von der Weide oder dem Flieder, ins warme Zimmer geholt. Mit jedem Zweig war ein bestimmter Wunsch verknüpft, der in Erfüllung gehen sollte, wenn der Zweig bis Weihnachten grünte oder blühte.

Obwohl der Weihnachtsbaum schon erwähnt wurde, bürgerte sich die Sitte, eine Tanne oder Fichte aufzustellen, zu schmücken und mit Kerzen zu versehen erst relativ spät in unserer Region ein. Vielerorts war das Abholzen der Bäume - auch in waldreichen Gegenden – sogar verboten. Die reußischen Fürsten verboten noch 1803 streng den Kauf und Verkauf der so genannten „heiligen Christbäumchen".

Aus dem Wunsch heraus, Weihnachten grüne Zweige in die Stube zu stellen, entstanden im Vogtland daher die so genannten „Weihnachtsgestelle", die die Urform der späteren Pyramiden sind. Diese Gestelle, lange Zeit als weihnachtliche Lichterträger in Gebrauch, bestanden meist aus vier Stäben, die auf einem Brett befestigt waren und nach oben spitz zusammenliefen.
Der Brauch aus dem Erzgebirge, zur Weihnachtszeit Bergmänner, Engel und Räuchermännchen aufzustellen und Weihnachtsleuchter, -spinnen und Periemetts (Hängeleuchter aus Glasperlen) an die Decke zu hängen, übertrug sich auch auf das Vogtland.

Hier findet man auch als typische Weihnachtsfigur den Moosmann, früher aus Pappe gebastelt, mit Moos beklebt und oft einem Porzellan-Puppenkopfversehen, später durch volkstümliche Schnitzarbeit ersetzt. In diesen Moosmännern - aber auch bekannt als Moosweiber - spiegelt sich die alte Sage von den Moosleuten wider, die im Walde lebten und den Armen halfen. Die Kleidung aus Moos und Flechten brachte ihnen ihren Namen ein. Wie Dr. Köhler 1867 berichtete, bastelten die Kinder zu jener Zeit solche Figuren, die auch ein Licht in der Hand trugen, denn „wer keinen Baum, keine Pyramide oder keinen Stern erschwingen kann, ..., stellt doch einen Moosmann oder einen Bergmann mit einem kleinen Lichte auf."

Einen breiten Raum nahm in unserer Gegend auch die Gestaltung des Weihnachtsberges ein. Meist modellierte man nach dem Vorbild der heimatlichen Landschaft aus Papiermaché eine Art Terrassenstadt oder stellte die Krippe mit Christi Geburt dar. Später wurden diese Berge durch eine Mechanik aus Räderwerk und Antrieb beweglich. Zu den Dingen aus Pappmaché kamen solche aus Holz, Glas und Blech, es entstanden die verschiedensten Bauwerke - von Mühlen bis zu Stadthäusern - aber auch Figuren, Tiere und Fahrzeuge belebten das Bild.

Am Heiligen Abend besuchte die Familie auch in unseren Breiten die Christmette, die Bescherung erfolgte dagegen erst am Morgen des ersten Feiertages.

Ein alter Brauch war es, am Heiligabend in Küche, Stube und Hausflur Stroh auszubreiten und die größte Freude war es für die Kinder, wenn sie in dieser Heiligen Nacht „auf Hei un Stroh wie's kleine Bornkinnel" schlafen durften.

Eine ganz wichtige Rolle spielte zu Weihnachten das Essen.

Früher kam am Heiligabend das „Neunerlei" auf den Tisch, dies waren Gerichte, die der Familie in Zukunft Gutes bringen sollten. In manchen Haushalten wird dieser Brauch auch heute noch gepflegt, so dass die Bedeutung, die von Ort zu Ort abgewandelt sein kann, noch bekannt ist. Unter dem „Neunerlei" waren zu finden: Hirsebrei - als quellendes Essen, das zum Wohlstand führen sollte; Brot und Kartoffeln - als wichtigstes Nahrungsmittel des ganzen Jahres; Schweineknochen und grüne Klöße oder Wurst und Sauerkraut - damit keine Krankheit ins Haus käme; Saures in Form von Gurken oder Heringen - die Köpfe der Heringe wurden getrocknet und später den Kühen gegeben, dies sollte ihnen das Kalben erleichtern; Semmelmilch und Stollen durften ebenfalls nicht fehlen.
Mehr zum "Neunerlei": http://www.meinanzeiger.de/zeulenroda-triebes/ratg...

Vom Heiligen Abend bis zum 6. Januar dauerten nach alter Überlieferung die 12 Unternächte (eigentlich Inter- oder Zwischennächte), in denen es, wie man glaubte, draußen nicht geheuer zuging, denn in dieser Zeit zog ein wilder Jäger mit seinem Gefolge durch die Lüfte. Was man in diesen zwölf Nächten träumte, das sollte im kommenden Jahr in Erfüllung gehen und zwar in dem betreffenden Monat - also der Traum in der sechsten Nacht im sechsten Monat des Jahres. Für die Unternächte wurden regelrechte Verhaltensregeln aufgestellt, an die man sich zu halten hatte, um kein Unglück heraufzubeschwören. So durfte keine Wäsche gewaschen werden, am Weihnachtsabend sollte kein schmutziges Wasser stehen bleiben und keines ausgeschüttet werden, der Ofentopf musste frisch gefüllt sein usw., usf., da der Familie ansonsten ein tränenreiches Jahr bevorstand.

Dies kann nur ein kleiner Einblick in das reiche Weihnachtsbrauchtum des Vogtlands sein. Wer mehr darüber lesen und erfahren möchte, dem sei das Buch „Weihnachten im Vogtland - Weihnachten daheim" von Curt Röder, Vogtländischer Heimatverlag Neupert, Plauen, empfohlen.
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Uwe Zerbst aus Gotha | 16.12.2011 | 19:49  
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