Ansichtssachen in Wort und Bild

 
Bibliothekschefin Corina Gutmann eröffnet die Ausstellung.
Mit einer Vernissage der ganz besonderen Art hat die Greizer Bibliothek am 30. Januar ihre aktuelle Ausstellung "Ansichtsachen" eröffnet: Anders als die sonst übliche musikalische Begleitung zur Ausstellungseröffnung gab es diesmal eine Lesung. Genau genommen zwei Lesungen, denn mit Nancy Hünger und Marius Koity lasen gleich zwei Autoren aus dem Band „Mehrfachbelichtung“. In diesem Buch über Rumänien reflektieren zehn Autoren in Lyrik und Prosa sowie literarischen Reportagen Eindrücke aus dem Karpatenland. Illustriert ist das vom Lese-Zeichen e.V. Jena mit Unterstützung der Kulturstiftung Thüringen herausgegebene Buch mit Bildern aus Siebenbürgen des Fotografen Andreas Berner.

Berners großformatige Siebenbürgen-Impressionen, dazu Aufnahmen aus dem rumänischen Moldaugebiet, sind es auch, die unter dem Titel "Ansichtssachen" bis zum 30. April 2014 in der Stadt- und Kreisbibliothek Greiz ausgestellt sind. Mehr dazu: http://www.meinanzeiger.de/zeulenroda-triebes/kult...
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Die Akteure

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Andreas Berner: Es gibt Künstler, die bewusst das Fremde und Exotische suchen, um sich selbst nah zu kommen. Es gibt Künstler, die ihren Aktionsradius bewusst einschränken, und die Welt in ihr Werk hineinholen. Und es gibt Andreas Berner, der das Beste aus beiden Welten vereint: die Offenheit für Neues und die Konzentration auf das Wesentliche, das Hinausgehen und das Sich-Zurückziehen, Nähe und Ferne. In Andreas Berners Atelier in Wurzbach – ein eigenes Universum namens Hinterwælt – entstehen seit mehr als 20 Jahren Holzdrucke, Gemälde, Grafiken, bibliophile Bücher in Kleinstauflagen und großformatige Fotografien. In seiner Malerei reflektiert er – oft angeregt durch literarische oder biblische Texte – über große archaische Themen: Liebe, Tod, Freundschaft. Dabei setzt er auf eine allegorische Formensprache, die deutlich in den Avantgardeströmungen der klassischen Moderne wurzelt, im Kubismus und dem das Unbewusste erkundenden Surrealismus. Die kaleidoskopartig aufgesplitterte Vervielfältigung des Blicks sorgt dafür, dass man diese Bilder über lange Zeit betrachten kann, ohne jemals mit ihnen „fertig“ zu werden.
Auch die Fotos sind Dokumente eines wachen, neugierigen, aber immer hoch konzentrierten Blicks auf die Welt: Ansichtssachen. Die auf Andreas Berners Reisen nach Estland, Finnland, Frankreich, Rumänien, Island, und Sizilien entstandenen Bilder sind alles andere als »Schnappschüsse« – hier ist alles mit Bedacht komponiert und in Szene gesetzt. Besonders Rumänien hat Andreas Berner in der vergangenen Jahren zu zahlreichen Fotoreisen inspiriert: Empathisch, aber auch mit kühler Ratio dokumentiert er die schwindende Kultur der Siebenbürger Sachsen und ihre dinglichen Repräsentanten: Märkte, Treppenhäuser, Bauernkaten, Kirchenburgen. Seine Porträts zeigen echte, unverstellte Menschen, die den Betrachter direkt anschauen und ihm ihre Geschichte erzählen – wenn man genau hinsieht.

Nancy Hünger studierte Freie Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar. In der Edition Azur sind mehrere Bände von ihr erschienen, außerdem eine CD mit einer Auswahl an Gedichten. Sie hat zahlreiche Stipendien erhalten, u. a. vom Thüringer Kultusministerium (2008) und ein Hermann-Lenz-Stipendium (2008), zuletzt ein Stipendium der Kulturstiftung Thüringen (2010). Sie lebt als freie Autorin in Erfurt.

Marius Koity wurde 1966 in Großsanktnikolaus (Rumänien) geboren, Schule in deutscher und rumänischer Sprache, 1984 deutsches und rumänisches Abitur in Temeswar (Rumänien), 1984 -1986 Wehrdienst, u. a. Bergbausoldat unter Tage in einer Steinkohlengrube, 1986 bis 1988 Hilfsarbeiter, 1988 bis 1992 zunächst Redakteur der deutschen Tageszeitung „Neue Banater Zeitung“ in Temeswar, dann der Wochenzeitung „Karpatenrundschau“ in Kronstadt; ab 1990 gelegentliche freie Mitarbeit für Medien in Deutschland, 1987 bis 1992 Fernstudium der deutschen und rumänischen Sprache und Literatur an der Universität Bukarest, 1986 Adam-Müller-Guttenbrunn-Förderpreis und 1987 Adam-Müller-Guttenbrunn-Literaturpreis in Temeswar,1992 Einwanderung nach Deutschland, lebt seit 1994 in Gera und ist seit 1993 für die „Ostthüringer Zeitung“ tätig, Lokalredakteur in Greiz, 1996 Staatliche Prüfung für Übersetzer in Berlin.
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