Folter, Marter, Hinrichtungen

Wann? 27.10.2013 08:00 Uhr

Wo? Städtisches Museum , Aumaische Straße 30, 07937 Zeulenroda DE
An den Pranger gestellt: Was auch immer dieser Mensch verbrochen hat - in früheren Zeiten waren die Gerichte bei der Wahrheitsfindung nicht gerade zimperlich!
 
Ute Arnold und Christian Sobeck blättern in alten Gerichtsakten.
Zeulenroda: Städtisches Museum | :

Aus der Geschichte der Zeulenrodaer Gerichtsbarkeit

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„Wir wollen nicht das Gruseln lehren, sondern Interesse und Verständnis über die geschichtlichen Hintergründe der früheren Gerichtsbarkeit wecken“, sind sich Museumsleiterin Ute Arnold und Stadtarchivar Christian Sobeck einig. Unter diesem Aspekt haben das Städtisches Museum und das Archiv der Stadt Zeulenroda ihre zweite gemeinsame Ausstellung konzipiert, zusammengestellt und in diesem Monat eröffnet. Unter dem Titel „Wan ich das Schwert Thun aufheben“ lädt das Museum bis zum 27. Oktober ein, in seinen Räumlichkeiten in die Geschichte der Zeulenrodaer Gerichtsbarkeit einzutauchen.

Mit dem Stadtrecht erhielt Zeulenroda 1438 auch größere Freiheit und Selbstständigkeit in der Rechtssprechung verliehen. Die Bürgerschaft der Stadt durfte die niedere Gerichtsbarkeit ausüben. Bis hin zu den Hinrichtungen von Schwerverbrechern. Bei der Wahrheitsfindung und zur Erlangung von Geständnissen gingen die Untersuchungsbeamten nicht gerade zimperlich vor. Folter und Tortur waren durchaus gängige Rechtsmittel. Wobei der Folterknecht die Tatverdächtigen nicht nach Belieben „bearbeiten“ durfte. „Für die Ausübung von hochnotpeinlichen Befragungen gab es genaue Anweisungen über die Verfahrensweisen“, sagt Christian Sobeck. War der Delinquent der Tat überführt, erfolgte die Bestrafung recht schnell. Das galt auch für Hinrichtungen. Unter dem Geläut des Armesünderglöckchens wurde der Verbrecher zum „hochnotpeinlichen Halsgericht“ geführt, das streng nach von der fürstlichen Landesregierung genehmigten Formeln abgehalten wurde. Zu denen gehörte auch das Brechen des Stabes über dem „Armesünder“ als Zeichen für dessen Schuld. Nach diesen Förmlichkeiten ging es zum Richtplatz.

Über die Hinrichtungen in Zeulenroda wird in diversen Quellen der Stadt zum Teil recht detailliert berichtet. Wurde der Mörder Jobst Röder 1575 noch „mit dem Rade vom Leben zum Tode“ befördert, erfolgten im 18. und 19. Jahrhundert die Hinrichtungen mit dem Schwert. So auch die letzte öffentliche Enthauptung in Zeulenroda: Johann Nicol Grieser hatte seinen Freund umgebracht und ausgeraubt. Dafür wurde er am 20. Februar 1829 mit dem Richtschwert enthauptet und sein Kopf anschließend auf dem Richtplatz an einen Pfahl genagelt. 50 Jahre später schlug in Zeulenroda für die letzte Mörderin das letzte Stündlein. Johanna Sophie Strobel hatte mit ihrem Sohn ihren Pflegevater umgebracht und wurde 1879 im Innenhof des Stadtvogteigerichts, dem heutigen Bauamt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit durch die Guillotine enthauptet.

Ein halbes Dutzend weitere Dokumentationen über Hinrichtungen in Zeulenroda sowie die letzte Hinrichtung auf deutschem Boden, die der Marie Rosine Strauß 1864 in Greiz-Dölau, haben der Stadtarchivar und die Museumsmitarbeiter für die aktuelle Ausstellung aus dem städtischen Archiv, der „Sturmschen Chronik“ und dem Thüringer Staatsarchiv Greiz zusammengetragen. Dabei handelt es sich in der Regel um die „originalen Regierungs-Acten“, deren Inhalte in großen Bannern für die Museumsbesucher anschaulich und leicht verständlich reflektiert werden. In das hochnotpeinliche Halsgericht über den Raubmörder Grieser können Interessenten sogar an einer Hörstation akustisch eintauchen.

Ergänzt wird die Ausstellung durch die Präsentation „Mittelalterliche Folter- und Hinrichtungsmethoden“ von Dieter und Dorit Fox aus Neukirchen.

Die beiden Sonderausstellungen mit den informativen und teilweise recht spektakulären Exponaten führen den Besuchern die Rechtssprechung und Wahrheitsfindung in früheren Zeiten vor Augen.

Mehr unter dazu unter http://www.meinanzeiger.de/zeulenroda-triebes/kult...

Öffnungszeiten: Di. – Fr. von 9 – 16 Uhr, Do 9 – 18 Uhr und So. von 13 – 16 Uhr.
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