"Ich halte mich durchaus für mütterlich" – Alice Schwarzer in Greiz

Alice Schwarzer am 13. Mai 2013 in Greiz.
 
Humorvoll ...
Alice Schwarzer polarisiert wie kaum eine andere Frau in Deutschland. Entweder man hasst sie oder man liebt sie. Die Journalisten, Blattmacherin und Autorin zahlreicher Bestseller hat sich seit den 70er Jahren für die Rechte der Frauen eingesetzt. Tut sie heute noch. In ihrer Autobiographie »Lebenslauf« schreibt sie, was sie geprägt hat – und was sie daraus gemacht hat. Am 13. Mai las Alice Schwarzer Rahmen der 16. Thüringer Literatur- und Autorentage in Greiz aus ihrer Autobiographie »Lebenslauf«. Die Gemeinschaftsveranstaltung der Greizer Bibliothek mit Lese-Zeichen e.V. lockte hunderte Frauen – und einige einzelne Männer – in die Vogtlandhalle. Sie erlebten die bekannteste Feministin der Nation als unterhaltsame und humorvolle Leserin, die zunächst bekannte, noch nie etwas von Greiz gehört zu haben: "Da habe ich erst einmal auf der Karte nachgeschaut und freue mich, heute hier zu sein."

Sie wolle die Gelegenheit nutzen, um mit vielen Klischees und Vorurteilen aufzuräumen. Viel Unsinn sei in den vergangenen Jahrzehnten über sie geschrieben worden, beginnend von der "frustrierten Männerhasserin, die keinen abgekriegt hat" bis hin zur "Alt-Feministin an der Schwelle zum Greisentum". Eines der sich über die Jahre haltenden Zerrbilder sei die Behauptung, dass das schwierige Verhältnis zu ihrer Mutter Ursache für ihre Kühle in Bezug auf Familie und Kinder sei. Alles nicht wahr. "Ich halte mich durchaus für mütterlich", so Schwarzer, um gleich augenzwinkernd hinterher zu schieben: "Aber bitte sagen Sie das nicht weiter." In der Folge erfahren die Besucher der Lesung viel Privates und wohltuend wenig Politisierendes.

Geboren am 3. Dezember 1942 in Wuppertal-Elberfeld als Tochter einer ledigen Mutter, wächst Alice Sophie Schwarzer bei den Großeltern auf. Nach Bombenangriffen auf Wuppertal evakuiert die Familie nach Franken und lebt zehn Jahre auf dem Dorf. Als 14-Jährige kehrt Alice Schwarzer nach Wuppertal zurück und erlebt hier die Zeit des Rock'n'Roll. "Bill Haley, Wanda Jackson und vor allem Elvis Presley waren unsere Helden. Gehört hat die junge Alice diese Musik im BBC-Radio, wo DJ Chris Howland diese Musik aus Amerika präsentierte. Schwarzer mutiert "vom staksigen Mädchen zur strahlenden Blondine", die sich weniger für ihren damaligen Beruf als vielmehr für Musik und Selbstverwirklichung interessiert. Schwarzer geht nach Düsseldorf und arbeitet als Sekretärin. Anschließend siedelt sie nach München über, wo sie Büroarbeiten in einem Verlag erledigt.

Anfang der 60er Jahre zieht sie nach Paris um. Hier trifft sie ihren mehrjährigen Lebensgefährten Bruno und lernt die französische Frauenbewegung kennen. Mit Gelegenheitsjobs finanziert sie sich ein Sprachenstudium an der Alliance Francaise und an der Sorbonne in Paris. Ab 1970 engagiert sich Alice Schwarzer in der Frauenbewegung zunächst in Frankreich und transportiert diese in die Bundesrepublik. Dem Vorbild französischer Frauen folgend, initiiert sie im "stern" den Artikel "Ich habe abgetrieben", in dem sich 374 Frauen selbst der Abtreibung bezichtigen. Der Artikel führt zu einer breit angelegten Kampagne gegen den § 218 und wird als Anfangspunkt der Neuen Frauenbewegung in der Bundesrepublik angesehen.

In ihrem Buch "Der kleine Unterschied und seine großen Folgen" veröffentlicht Schwarzer 17 Interviews mit Frauen, die über ihre Beziehungen, ihre Arbeit, und ihre Sexualität sprechen. In dem Buch wird die Sexualität als Unterdrückungsmittel gegen die Frau herausgestellt. Das Buch wird in der Öffentlichkeit heftig kritisiert und die Autorin persönlich angegriffen. 1977 erscheint die erste Ausgabe der "Emma", Alice Schwarzer ist Mitbegründerin und Herausgeberin dieser bundesweit erscheinenden autonomen feministischen Zeitschrift. Für die rührt die 70-Jährige natürlich auch in Greiz die Werbetrommel, genauso wie für das gegenseitige Verständniss und die Gleichberechtigung der Geschlechter.

In ihrer Lesung verheimlichte Schwarzer nicht, dass sie jahrelang keine Bezugspunkte zur DDR hatte. Lediglich mit der Schriftstellerin Irmtraud Morgner verband sie eine Freundschaft, auf die sie in einem speziellen "Ost-Kapitel" ihrer Autobiographie »Lebenslauf« eingeht. Nach der Lesung schrieb Alice Schwarzer in ihr Buch geduldig zahlreiche Windmungen, die nicht nur bei den Frauen gefragt waren.
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5 Kommentare
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Corina Gutmann aus Zeulenroda-Triebes | 14.05.2013 | 09:56  
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Jürgen Wolf aus Zeulenroda-Triebes | 14.05.2013 | 10:45  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 14.05.2013 | 19:24  
Gerd Zeuner aus Zeulenroda-Triebes | 14.05.2013 | 20:17  
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Renate Jung aus Erfurt | 15.05.2013 | 02:07  
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