Ich wollte General werden, aber der Krieg war zu kurz – Jan Vičar auf Schloß Burgk

Wann? 17.05.2015 11:00 Uhr

Wo? Schloß Burgk, 07907 Burgk DE
Jan Vicar - Schaukel (Foto: Museum Schloß Burgk)
Burgk: Schloß Burgk |

Eine Ausstellung, die das Wort ‚Krieg‘ im Titel führt und dennoch ohne Kriegsgräuel, ohne Hass, ohne Rache auskommt – dazu lädt das Museum Schloß Burgk 70 Jahre nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs ein.

Dem 1967 in Mähren geborenen Künstler Jan Vičar gelingt solches. In seinem Zyklus ‚Ich wollte General werden, aber der Krieg war zu kurz‘ erzählt er die Geschichte von Josef K., die für ein paar Wochen direkt mit der seinen verknüpft ist und für die Geschichte Deutschlands und Böhmens von der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute steht.

Im April 2012 nahm Vičar eine Stelle als Hilfspfleger und Betreuer in Konstanz an, um neue Projekte finanziell zu sichern. Seine Aufgabe: er musste sich um Josef K. kümmern, der als SS-Angehöriger im Sudetenland und in Nordböhmen aktiv war und als Wehrmachtsangehöriger an der Belagerung Leningrads teilgenommen hatte. Mit Erfrierungen nach Hause gekehrt, litt K. noch 70 Jahre später unter der persönlichen Niederlage. „Ich habe immer noch diesen traurigen General und seine Sehnsucht vor Augen, einen Menschen, den es zu Tränen rührte, wenn er im Fernsehen marschierende deutsche Soldaten in einem Dokumentarfilm über den Zweiten Weltkrieg sah“ schreibt Jan Vičar in seinem Tagebuch. Heimliches Schreiben und Zeichnen hilft dem Künstler, die Wochen in Konstanz, die Beschimpfungen, auch seiner Herkunft wegen, und das Eingesperrtsein zu überstehen.
Wieder zu Hause, verband Jan Vičar seine Skizzen und Niederschriften mit einem Teil seiner bisherigen Arbeiten, griff Themen aus früheren Schaffensperioden auf und stellte auf geradezu zwingende Weise tiefe Einsichten her. In den großformatigen Hochdrucken, die den Hauptzyklus bilden, verknüpft der Künstler verschiedene Lebensstränge zu einem Ganzen – den des MöchtegernGenerals, seinen eigenen, wie auch den nachfolgender Generationen. Und unwillkürlich steht die Frage im Raum: Was bestimmt die eigene Lebenseinstellung, was die unserer Nachkommen? Wird der „Typ Josef K.“ jederzeit neu geboren und was prägt ihn womöglich heute? Die Namensgleichheit mit Kafkas Hauptfigur aus dem „Prozess“ liefert weitere Assoziationen. Jan Vičar gelingt es, auf dem Teppich einer phantastisch erscheinenden bildnerischen Erzählung, in die er Reales, Mythisches und Symbolhaftes gleichermaßen verwebt und einordnet, einen großen Bogen zu spannen, der uns ambivalent stutzen und staunen lässt und in einen Denkprozess schickt angesichts der poetischen Arbeiten, die ohne Kriegsgräuel, ohne Hass und ohne Rache auskommen.

Neben dem Zyklus ‚Ich wollte General werden, aber der Krieg war zu kurz‘ werden bis zum 9. August aktuelle Arbeiten des Künstlers – ‚Marokkanische Geschichten‘ gezeigt.

Die Vernissage ist zum Internationalen Museumstag am Sonntag, 17. Mai 2015, um 11 Uhr.
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