„irgendwie anders“ – der Greizer Theaterherbst 2015

Wann? 20.09.2015

Wo? ., Carolinenstraße, 07973 Greiz DE
Puppen und Pop: Die Berliner Performerin Bridge Markland gastiert mit ihrer schrägen Inszenierung von Büchners Komödie „Leonce und Lena“ beim Theaterherbst. (Foto: Manuela Schneider)
 
Proben für die Premiere: Mitwirkende der Schauspielwerkstatt „Nichts ist Etwas!“, Leitung Stefan Kreißig, Berlin, proben in der ehemaligen Post in Greiz, einem von mehreren außergewöhnlichen Spielorten des diesjährigen Theaterherbstes. (Foto: Karsten Schaarschmidt)
Greiz: . |

Das sozio-kulturelle Festival "Greizer Theaterherbst" lädt vom 11. bis 20. September zu eigenen Produktionen und Gastspielen in die Ostthüringer Kreisstadt ein.

Von Karsten Schaarschmidt

Nicht alles, aber einiges ist in diesem Jahr „irgendwie anders“ beim Greizer Theaterherbst vom 11. bis zum 20. September. Zumindest, wenn es nach dem so lautendem Leitmotiv der 24. Auflage des Festivals geht. Das dem gleichnamigen Kinderbuch von Kathryn Cave entlehnte Motto versteht der neue künstlerische Leiter, der Berliner Schauspieler Martin Heesch, als Einladung, „unvoreingenommen auf das andere zuzugehen, ohne es gleich zu bewerten“. Insofern sei das Programm „ein kleiner Beitrag, um toleranter und wertfreier dem anderen zu begegnen “, so Heesch.

Heute, am 1. September, stellte er in der Vogtlandhalle Greiz das Programm des in seiner Art bundesweit einzigartigen Festivals vor. Mit sieben eigenen Produktionen und elf Gastspielen sowie Konzerten und Lesungen warte es mit einem anspruchvollen wie ansprechenden und abwechslungsreichen Programm auf. Zu den Gastspielhöhepunkten für das Familienpublikum gehöre die märchenhafte und zugleich detailverliebte Aufführung des Wandertheaters „Ton und Kirschen“, das „Hans im Glück“ in einer Fassung von Bertolt Brecht als Open-Air-Spiel zeigt. Heesch empfahl aber ebenso das Gastspiel der Berliner Performerin Bridge Markland, die Büchners „Leonce und Lena“ als Ein-Frau-Playback-Theater neu interpretiert und ihre Satire nach Kräften mit Titeln von bekannten Popgrößen befeuert. Fans des außergewöhnlichen Figurentheaters würden bei der Passauer Gruppe „Die Exen“ voll und ganz auf ihre Kosten kommen, versichert der Künstler. Ihrer für Kinder nicht geeigneten Inszenierung „Das Märchen vom guten Ende“ liegen sieben unbekannte, aber umso blutrünstigere Märchen der Gebrüder Grimm zugrunde. Aus ihnen stricken die drei Spielerinnen mit Figuren von der Spielzeugpuppe bis zur überlebensgroßen Gestalt die Geschichte von drei Ärzten, die blutige Selbstversuche unternehmen.

Aber auch aktuell-ernste Themen finden Eingang in das Theaterherbst-Programm. So hob Heesch die dokumentarische Inszenierung „Asyl-Monologe“ der Berliner Bühne für Menschenrechte hervor und den Monolog „Bald ruhe ich wohl – Eichmanns letzte Nacht“, in dem sich das Neue Schauspiel Köln in einem fiktiven Spiel mit der letzten Nacht des Naziverbrechers Adolf Eichmann vor seiner Hinrichtung beschäftigt. Zu sehen sei außerdem das Gastspiel „Subway to Heaven“ des bekannten Berliner Theaters Thikwa, in dem Künstler mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten.

Im Zentrum der Festivalwoche würden jedoch unverändert die eigenen Produktionen des Theaterherbstes stehen, so Heesch. Unter Leitung renommierter Theaterleute aus ganz Deutschland haben gut 100 Teilnehmer im Alter zwischen sieben und 94 (!) Jahren ihre Stücke erarbeitet. Darunter traditionell auch wieder das Eröffnungsspiel des Festivals. In der Greizer Eishalle wird die Geschichte vom „Irgendwie Anders“ nach dem Bilderbuch von Kathryn Cave lebendig, Regie führen Dominik Schiefner und Anna Katharina Winkler. Erstmals ist eine Improtheater-Werkstatt am Start. Geleitet wird sie von dem in Berlin lebenden gebürtigen Greizer Thomas Jäkel, der einst seine ersten Bühnenerfahrungen beim Theaterherbst sammelte. Neu sei ebenfalls die Dunkeltheater-Werkstatt „Der Faden ist gerissen“, sagt Heesch. Die von den Berlinern Heiko Michels und Fabian Larsson geleitetet Inszenierung werde den Zuschauern in absoluter Dunkelheit präsentiert, so dass zur Orientierung in Raum und Zeit einzig das Gehör gefordert sei. Fernerhin proben eine weitere Schauspielwerkstatt „Nicht ist Etwas!“, Leitung Stefan Kreißig, Berlin, die Medien- und die Gestaltungswerkstatt. Bereits Premiere feierte die Schauspielwerkstatt für Kinder „Herr Dunkel und Ich“, Leitung Sarah Mehlfeld, Essen, die aber in der Festivalwoche eine zweite Aufführung haben wird. Den Theaterherbst bezeichnete Heesch in Anspielung auf den früheren Slogan der Stadt Greiz als „eine der Perlen in der deutschen Theaterlandschaft“. Ein Festival, das in diesem Jahr wieder ein breites Spektrum an Bühnenkunst biete, die so nur selten zu erleben sei, ist Heesch überzeugt.

Nähere Informationen zum Programm: www.theaterherbst.de
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