Kinderkirchentag: Sonnenschein am Himmel und im Herzen

Geschichten hören und erzählen im Weidendom
 
Outdooraktion "Weg ins Unbekannte" - auf der Slackline muss ich mich auf die helfende Hand verlassen können
Saalburg-Ebersdorf: Jugend- und Freizeitzentrum | Am 30. Juni war es soweit: das Gelände des Jugend- und Freizeitzentrums in Friesau öffnete seine Pforten zum 20. Kinderkirchentag des Kirchenkreises Schleiz. Gemeinsam feierten ca. 80 Kinder im Alter von 6 bis 12 Jahren mit den “alten Hasen” diesen Tag bei herrlichstem Sonnenschein. Seit der ersten Stunde waren ganze Familien in dieses großartige Event eingebunden. Eltern organisierten, Kinder erlebten und wuchsen mit zunehmendem Alter in ihr Mitarbeiterolle hinein. Und nach wie vor haben Groß und Klein ihren Spaß daran.

Los ging es um 10:00 Uhr mit der sogenannten Startstunde. Die musikalische Begeisterung von Christfried Kerst und Astrid Geisler riss die Kinder buchstäblich von den Bänken, um mit zu klatschen, mit zu tanzen und sich einfach mit zu bewegen. Ins Thema führte das kleine Theaterstück “Das verlorene Kind” der Kinder aus Kirschkau unter der Leitung von Maria Lins-Höhl ein. Gespannt saßen die Kinder auf ihren Bänken, um zu sehen und zu hören, wie die Geschichte um Johannes, der fast sein gesamtes Geburtstagsgeld von ca. 230,00 € auf dem Rummel mit seinen Freunden ausgab und sich dann nicht mehr nach Hause traute. Außerdem war da ja noch sein Bruder Robin, der schon ziemlich neidisch war, dass Johannes so viel Geld zum Geburtstag geschenkt bekam. Doch als am Ende die Eltern dann noch nicht einmal mit Johannes schimpften, da brach für Robin eine Welt zusammen. Er versuchte, immer vernünftig zu sein. Bekam er ein Lob dafür? Nein, niemals. Und jetzt das. Das kann doch nicht sein. Das ist doch ungerecht! Oder?

Mit dieser Geschichte im Hinterkopf ging’s für die Kinder an die verschiedenen Stationen. Da war die Geschichtenerzählerin, bei der man auch im Hufeisenwerfen sein Glück versuchen konnte, die Wutbude oder die Outdoorstation “Weg ins Unbekannte”, den man nur gemeinsam beschreiten konnte durch ein “Spinnennetz” oder über die Slackline. Außerdem warteten eine Station mit Wutbällen, Sorgenpüppchen und eine Klagemauer, an der man seine Sorgen, seinen Frust, eben all seine Klagen zurücklassen konnte. Es wurde gesungen, ein Comic gestaltet oder im Versöhnungstheater ausprobiert, wie man sich nach einem Streit wieder vertragen kann. In der “Spielhölle” schließlich hatten die Jugendlichen der Jungen Gemeinde aus Schleiz ein besonderes Glücksrad vorbereitet. Mit einem Zaubertrick wurden die Kinder empfangen, um dann ihr Glück zu versuchen. Denn es reizt schon, ohne große Mühen die Möglichkeit zu haben, seinen Geldbetrag - übrigens nur Spielgeld - einfach mal so zu verdoppeln. Aber pro Spielrunde kann immer nur eine Zahl gewinnen. Glück und Unglück oder Ungerechtigkeit können so nah beieinander liegen. Und wenn man nicht aufpasst, hat man ganz schnell alles, was man geschenkt bekommt, verspielt - wie Johannes aus dem Theater der Kirschkauer Kinder oder der “verlorene Sohn” aus dem Lukasevangelium.

In der Mittagspause wurde zuerst der Hunger gestillt mit Nudeln mit Tomatensoße aus der Fleischerei Pilz (Inhaber Fam. Sari) oder mit der berühmten Friesauer Pizza, die über die Jahre hinweg schon Kultstatus erlangt hat. Und dann ging’s ab auf die Hüpfburg oder das große Trampolin. Die eine oder andere Station vom Vormittag hatte noch einmal geöffnet. Als sich aber der Bonbonmann auf das Gelände schleichen wollte, gab es kein Halten mehr. Er wurde begraben von einer großen Kindertraube, die natürlich alle an die Bonbons ran wollten.

Den würdigen Abschluss dieses wundervollen Tages bildete der Familiengottesdienst in der Friesauer Kirche. Zu Gast aus St. Petersburg war auch Pfarrer Matthias Zierold, der lange Jahre als Ortspfarrer den Kinderkirchentag begleitete. Rund um die Geschichte des “verlorenen Sohns” aus dem Lukasevangelium wurde gesungen, Theater gespielt, getanzt und gebetet. Denn für so einen herrlichen Tag mit Sonnenschein am Himmel und im Herzen kann man Gott nur Danke sagen - jeder auf seine Weise. Und weil man gerade an einem solchen Tag spürt, wie gut es einem selber geht, wird im Familiengottesdienst des Kinderkirchentages seit Jahren eine Spende für ein Kinderhilfsprojekt gesammelt. In diesem Jahr geht die Kollekte von knapp 86,00 € an das Projekt “Himmelskinder” oder „Filhos do Céu“ in Brasilien. Jugendliche der Landesjugendkonvente der EKM (Evangelische Kirche in Mitteldeutschland) und der EJBO (Evangelische Jugend Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz) einigten sich für ihr gemeinsames Jugenddankopfer 2011/2012 auf dieses Projekt in der brasilianischen Kleinstadt Arraial d’Ajuda (http://www.ejbo.de/node/38 und http://www.evangelischejugend.de/ljkjudo.html). Da Kinder und Jugendliche dort wenig Zukunftschancen haben und in Drogenabhängigkeit und Kriminalität abrutschen, gründeten einige engagierte Frauen das Projekt mit dem Ziel, die Kinder aus Problemfamilien von der Straße zu holen, in ihrer persönlichen Entwicklung und sozialen Kompetenz zu stärken, beim regelmäßigen Schulbesuch zu unterstützen und ihnen eine bessere Zukunftsperspektive zu geben. Dazu bietet „Himmelskinder“ verschiedene Kurse an, in denen die Kinder und Jugendlichen ihre Fähigkeiten entdecken und sich ausprobieren. Der brasilianische Kampftanz Capoeira, Kunsthandwerk, Fußball, Gitarre, Trommeln, Keyboard, Stick- und Nähkurse oder Hausaufgabenhilfe werden zweimal pro Woche von ehrenamtlichen Helfern angeboten. Etwa 90 Kinder nehmen regelmäßig an diesen Kursen teil. Mit den Spenden aus dem Jugenddankopfer plant das Projekt die Nähwerkstatt und die Kursangebote für die Kinder weiter auszubauen. Vielen Dank an die kleinen und großen Spender!

Und großer Dank gilt natürlich auch den vielen fleißigen Köpfen und Händen der ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter dieses Kinderkirchentages. Ohne ihr Engagement und den Segen Gottes wäre es wohl kaum so ein gelungenes Fest zum 20. Kinderkirchentag des Kirchenkreises Schleiz geworden, an dem man sehen und erleben konnte, wie aus gefühlter Ungerechtigkeit ein neues Miteinander und aus Frust Freude werden kann.
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