Kleinkunswerke der Konditorei: Süße Versuchungen im Unteren Schloss zu Greiz

Wann? 08.03.2015 10:00 Uhr bis 08.03.2015 17:00 Uhr

Wo? Unteres Schloss, Burgplatz 12, 07973 Greiz DE
 
Albert Ziegler (3.v.l.) stellt Ausstellungsbesuchern seine Konditor-Kunstwerke vor.
  Greiz: Unteres Schloss |

Wer beim Besuch der aktuellen Sonderausstellung im Museum im Unteren Schloss zu Greiz nicht unweigerlich Appetit auf etwas Süßes bekommt, dem ist nicht zu helfen. Oder er hat eine Zuckerallergie!

Denn die am 15. November eröffnete Schau mit dem Titel „Höfische Leckerei aus der Zuckerbäckerei“ thematisiert das süße Handwerk sowie die Techniken der gestalterischen Verarbeitung von Zucker, Schokolade, Marzipan und Eis. Die traditionelle Kunstfertigkeit des Konditorenhandwerks illustrieren Zuckerskulpturen von Albert Ziegler. Der Konditoreimeister und Produktionsleiter der Confiserie im traditionsreichen Café Luitpold in München fertigte Tier-, Weihnachts- und Blumenarrangements aus Zucker eigens für diese Sonderausstellung in Greiz.

Als "Höhepunkt der genussvollen Ausstellungen" schätzt Museumdirektor Rainer Koch die aktuelle Schau ein. Ist sie doch die vierte Ausstellung einer Reihe, die 2011 mit "Schokolade - Die Speise der Götter" ihren Auftakt nahm und mit der Sonderausstellungen über "Die märchenhafte Welt des Lebkuchens" (2012) und “Kaffee – ein Genuss für jedermann” (2013) ihre Fortsetzung fand. Seit vier Jahren währt auch die Zusammenarbeit mit Walter Poganietz vom Conditorei-Museum Kitzingen, der wohl größten Schokoladenschau Deutschlands. Der Experte der süßen Versuchungen nahm zur Eröffnung der Aktuellen Schau die Besucher der Vernissage mit seinem Vortrag mit auf eine Reise in die Geschichte des Zuckers und der Zuckerbäckerei. Dabei nahm der Profunde Kenner der Materie auch Bezug auf die Greizer Historie. Schließlich war hier unter Heinrich XI., dem ersten Fürsten Reuß Älterer Linie, im 18. Jahrhundert Carl Siegmund Heinrich Müller Hofkonditor tätig. Er gehörte zu den ersten Konditoren in Deutschland, die eine Konditorei für die bürgerliche Kundschaft eröffneten – in der Greizer Teichgasse. Müller hinterließ neben zahlreichen Formen auch ein Rezeptbuch, das er 1788 schrieb und das – wie auch die historischen Formen – in der Ausstellung zu sehen ist. Neben diesen Exponaten aus dem Bestand des Museums sind Objekte aus dem Conditorei-Museum Kitzingen und der Privatsammlung von Albert Ziegler ausgestellt.

Eindrucksvollstes Objekt der Schau ist ein Teich mit Wasserfontäne, Schwänen und Blumen, den Albert Ziegler exklusiv für die Schau vor einem Panoramabild der Greizer Schlösser gestaltet hat. Alles aus Zucker, versteht sich, und frappierend in seiner filigranen Ausführung.

Die Ausstellung ist bis zum 1. März 2015 zu sehen und täglich, außer montags, von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

Aus den Informationen des Museums zur Ausstellung:

Neue Sonderausstellung im Museum im Unteren Schloss Greiz:

Höfische Leckerei aus der Zuckerbäckerei

Die Zuckerbäckerei – ein vergessenes Handwerk

Der Zucker ist ein Werkstoff, der für künstlerische Gestaltungen hervorragend geeignet ist. Jedoch sind die vielfältigen Verarbeitungsmöglichkeiten kaum noch bekannt, weil der zeitliche Aufwand gemessen an der verhältnismäßigen Kurzlebigkeit der Produkte enorm ist.
Hingegen bilden Torten mit entsprechenden Zuckeraufbauten noch heute die Höhepunkte einer Hochzeitstafel.

Ziehen – Blasen – Gießen
Es ist kaum bekannt, dass Zucker den handwerklichen Verarbeitungsmethoden des Glases sehr ähnlich ist. Deshalb beeinflussten kunsthandwerkliche Entwicklungen der Glasbläserei auch die süßen Gestaltungselemente des Konditors.
Wird Zucker erhitzt, verändert er seine Konsistenz.
Bei Wärmezufuhr schmilzt er zu einer weichen, leicht formbaren Masse und wird schließlich flüssig, um bei Abkühlung zu erstarren und spröde zu werden. Durch diese Eigenschaften kann Zucker gezogen, geblasen und gegossen werden.

Zucker wurde bis zum 19. Jahrhundert ausschließlich aus Zuckerrohr der tropischen und subtropischen Klimazonen gewonnen. Die große Entfernung sowie wirtschaftspolitische Situationen zwischen Produzenten und Konsumenten bestimmten die Exklusivität des Zuckers im 16., 17. und 18. Jahrhundert.
Die Produkte der Zuckerbäckerei wurden als Luxus und Delikatesse angesehen.
In dieser Zeit fertigten die Konditoren ihre süßen Kunstwerke fast ausschließlich in den herrschaftlichen Küchen an den fürstlichen Höfen.
Die „Süße Kunst“ der Zuckerbäckerei zierte die fürstliche Tafel als Genuss für Auge und Gaumen.

Für die fürstlichen Tafelaufbauten und Schaugerichte aus Zucker entstanden ganze Parks, Schlösser und Häuser aus Zucker. Um diese Gestaltungselemente zu konstruieren wurden kunstvolle Ornamente und Figuren in Holzplatten gestochen.
Erst im 18./19. Jahrhundert wurden diese aufwendigen Tafeldekorationen der Zuckerbäcker von dauerhaft verwendbaren Tafelaufsätzen aus Porzellan abgelöst.

Solche Holzmodel (Gussformen für Zucker) aus dem 18. Jahrhundert für die Herstellung von Tafelaufbauten befinden sich in den Sammlungsbeständen der Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz und in der Dauerausstellung im Museum im Oberen Schloss.
Diese Holzmodel dienten der Ausformung von Bestandteilen eines Rokokogartens aus Zucker als Tafelaufsatz am fürstlichen Hof.
Sie stammen aus dem Nachlass des Fürstlichen Hofkonditors Carl Siegmund Heinrich Müller aus Greiz und sind in das 18. Jahrhundert zu datieren. Das Obere Schloss war bis 1809 das Residenzschloss der Fürsten Reuss Aelterer Linie und die künstlerische Tätigkeit des Hofkonditors war Bestandteil der fürstlichen Hofhaltung.
Diese musealen Sammlungsobjekte bildeten den Anlass und die Vorraussetzung für die kunstvolle Fertigung und Gestaltung einer einzigartig authentischen Parklandschaft aus Zucker durch den Münchner Konditoreimeister Albert Ziegler.
Dieser Greizer fürstlich-süße Miniaturzuckerpark ist seit 2013 dauerhaft im Museum im Oberen Schloss zu besichtigen.

Die Sonderausstellung „Höfische Leckerei aus der Zuckerbäckerei“ im Museum im Unteren Schloss, dem Greizer Residenzschloss der Fürsten Reuss Aelterer Linie im 19. Jahrhundert, thematisiert das süße Handwerk an fürstlichen Höfen sowie die Techniken der gestalterischen Verarbeitung von Zucker, Schokolade, Marzipan und Eis.

Die traditionelle Kunstfertigkeit des Konditorenhandwerks illustrieren Zuckerskulpturen von Albert Ziegler. Diese Tier-, Weihnachts- und Blumenarrangements aus Zucker fertigte er eigens für diese Sonderausstellung in Greiz. Der Konditoreimeister und Produktionsleiter der berühmten Confiserie im traditionsreichen Café Luitpold in München interessiert und begeistert sich vor allem für die vergessene Kunst des Konditoreihandwerks im 18. und 19. Jahrhundert. Er sammelt und erforscht in seiner Freizeit historische Techniken, Werkzeuge und Rezepturen. Viele Ausstellungsobjekte stammen aus seiner Privatsammlung und dem Conditorei-Museum Kitzingen. Durch die Wiederentdeckungen handwerklicher Techniken belebt Albert Ziegler museal überlieferte Kulturgeschichte zum Sehen, Anfassen und Schmecken.

Museumspädagogische Projekte um den Zucker ergänzen die Sonderausstellung für Schulklassen und Besuchergruppen. Info: Telefon 03661/703 410-413.
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1 Kommentar
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Hannelore Grünler aus Artern | 15.11.2014 | 20:26  
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