"Man kann wirklich etwas erkennen!"

Wann? 11.08.2013 10:00 Uhr bis 11.08.2013 17:00 Uhr

Wo? Schloß Burgk, Ortsstraße 16, 7907 Burgk DE
Eine Ausstellungsbesucherin lichtet ein unbetiteltes Werk Alfred Ehrhardts ab.
 
Eine Ausstellungsbesucherin betrachtet in der Ausstellung ein unbetiteltes Bild, das Ehrhardt 1930 in Tempera auf Holz gemalt hat.
 
Alfred Ehrhardt im Atelier, um 1930/32. (Foto: Alfred Ehrhardt Stiftung)
 
Dr. Christiane Stahl, Leiterin der Alfred Ehrhardt Stiftung
Burgk: Schloß Burgk | .

„Alfred Ehrhardt Malerei, Zeichnung, Grafik 1927 - 1931“: Ausstellung im Museum Schloß Burgk vom 11. Mai 2013 bis 11. August 2013


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Ob Alfred Ehrhardt, der am 5. März 1901 im nur 20 Kilometer entfernten Triptis geboren wurde, jemals auf Schloß Burgk war und hier vielleicht sogar die Silbermann-Orgel gespielt hat, ist nicht überliefert. Doch „möglich wäre es“, räumt Museumsleiterin Sabine Schemrich ein, und dem Künstler hätte das sicher gefallen. Denn bevor Ehrhardt als Fotograf, Dokumentarfilmer und Filmproduzent bekannt wurde, war er als Organist, Chorleiter, Komponist, Maler und Kunstpädagoge tätig.

Dem vielseitigen Künstler widmet das Museum Schloß Burgk jetzt erstmals in Thüringen eine Personalausstellung. „Alfred Ehrhardt – Malerei, Zeichnung, Grafik 1927 - 1931“ zeigt eine Facette des Künstlers, die nur eine relativ kurze Zeit seines Lebens bestimmte. Und doch legte die Malerei „die Basis für seine späteren Fotografien und Filme“, schätzt die Leiterin der Alfred Ehrhardt Stiftung, Dr. Christiane Stahl, ein. Ehrhardt habe in der Tradition von Expressionisten wie Paul Klee und Oskar Schlemmer gemalt und die Abstraktion als „Mittel der Befreiung von allem Unwesentlichen betrachtet“, so Christiane Stahl. Sie ist von den Bildern Ehrhardts begeistert, da man auf ihnen trotz aller Abstraktionen und den Reminiszenzen an den Kubismus "wirklich etwas erkennen kann". Nicht nur die Elemente Wasser, Luft und Erde, sondern tatsächlich auch figürliche Darstellungen wie Fische, Berge oder Vögel. Wobei der Künstler mit Vorliebe erdnahe Naturfarben wie Ocker, Umbra oder Olivgrün eingesetzt hat. „Lassen Sie die Bilder auf sich wirken“, lädt Dr. Christiane Stahl ein, „und sie werden immer neue Details sehen.“

Zu sehen sind im Museum Schloß Burgk derzeit 60 bildnerische Arbeiten von Alfred Ehrhardt. Genauso viele, wie der Kunstverein Hamburg im Jahre 1931 in einer Einzelausstellung des Künstlers gezeigt hat. Es sollte die einzige Ausstellung zu Lebzeiten Ehrhardts bleiben. Obwohl die Bilder fast nur „Wohlwollen und positive Kritiken erfuhren“, wie nachzulesen ist. Nach der Hamburger Ausstellung habe Ehrhardt nie wieder einen Pinsel angefasst. Er arbeitete danach unter anderem als Kunst-Dozent in Dänemark und als Organist in Cuxhaven. Nach dem 2. Weltkrieg wurde Alfred Ehrhardt als Fotograf, Dokumentarfilmer und Filmproduzent bekannt. Sein zweiteiliger Film „Ernst Barlach“ wurde auf der XI. Biennale in Venedig mit dem 1. Preis ausgezeichnet. 1984 starb er in Hamburg. Sein Sohn hat 2007 Alfred Ehrhardts Geburtshaus in Triptis erworben und hier eine Erinnerungsstätte an seinen Vater eingerichtet.

TIPP: Die Ausstellung „Alfred Ehrhardt Malerei, Zeichnung, Grafik 1927 – 1931“ wird bis 11. August 2013 im Museum Schloß Burgk gezeigt. Geöffnet ist täglich, außer montags, von 10 bis 17 Uhr.


Vita von Alfred Ehrhardt:

1901 - 1921
Alfred Franz Adolf Ehrhardt wird am 5. März 1901 in Triptis geboren. Seine Mutter erweckt mit ihrer Klavierleidenschaft das musikalische Interesse ihres Sohnes. Er besucht die Volksschule Triptis, die Realschule Weida und das Realgymnasium in Gera. Abschluss des Musikstudiums am Seminar Weißenfels, das ihn zur Ausübung des Organistenamtes befähigt. Ehrhardt wird wegen Nierenproblemen vom Wehrdienst befreit.

1922 - 1924
Gesangsunterricht an der Birkenhainschule in Gera. Ehrhardt führt einige Orgelkonzerte im norddeutschen Raum auf. Als Ausdruck seiner großen Bach-Verehrung nennt er sich nach Bachs ältestem Sohn mit Vornamen „Friedemann“. Freies Studium der bildenden Künste in Gera und Hamburg.

1924 - 1930
Ab 1. Mai 1924 pädagogische Tätigkeit am Landerziehungsheim des Reformpädagogen Dr. Max Bondy auf Gut Marienau in Dahlenburg bei Lüneburg (vor 1929 als Schulgemeinde Gandersheim im Harz). Ehrhardt lehrt die Fächer Kunst, Musik, Gymnastik und Leichtathletik. Er unterrichtet im Sinne von Rudolf von Laban das Künstlerisch-Tänzerische und richtet in Anlehnung an Mary Wigman mit einigen Schülern einen „Bewegungschor“ ein.

1926 - 1927
Alfred Ehrhardt wird auf Betreiben des damaligen Gemeindepfarrers Dr. Friedrich Gatzemeyer mit der Ausmalung der Klosterkirchenkrypta zu Lamspringe betraut. Die Darstellungen zeigen Szenen aus der Lebensgeschichte des Klostergründers Graf Ricdag von der Winzenburg sowie Darstellungen aus dem Leben des irischen Märtyrers Oliver Plunkett, deren Grabdenkmäler sich in der Krypta befinden. Unter den Nationalsozialisten wurde die Krypta weiß getüncht. Finanziert durch die Alfred Ehrhardt Stiftung, wurden ab Sommer 2007 mehrere Gewölbemalereien freigelegt und restauriert.

November 1928 - April 1929
Ehrhardt geht als Student und Hilfslehrer ans Dessauer Bauhaus. Er absolviert den von Josef Albers geleiteten Vorkurs, hospitiert in der Theaterwerkstatt Oskar Schlemmers und hält im Kreis von Kandinsky, der seine Arbeiten schätzt und mit dem er eine freundschaftliche Beziehung pflegt, mehrere Vorträge. Als er danach seine Lehrtätigkeit am Landerziehungsheim wieder aufnimmt, überträgt er das kunstpädagogische Konzept der Bauhaus-Vorkurse auf die Arbeit mit seinen Schülern.

Oktober 1930 - April 1933
Ehrhardt wird von Max Sauerlandt als Dozent für Materialstudien an die Landeskunstschule Hamburg berufen. Sauerlandt nimmt in dieser Zeit eine Unterrichtsreform im Sinne des Bauhauses vor und stellt Ehrhardt als Leiter eines neu eingerichteten Vorkurses ein, dem ersten außerhalb des Bauhauses. Seine Orgelkonzerte in der Reformierten Kirche Ferdinandstraße finden große Beachtung.

1931
Der Kunstverein Hamburg organisiert eine Einzelausstellung seiner Gemälde, Zeichnungen und Drucke, die die einzige zu Lebzeiten bleiben soll. Heirat mit seiner Schülerin Marie Burchard, die der Warburg-Familie entstammt.

1932
Veröffentlichung seines Buches Gestaltungslehre. Die Praxis eines zeitgemäßen Kunst- und Werkunterrichts. Geburt des ersten Sohnes Klaus Ludwig, der später den Namen Tom Burchard tragen wird.

1933
Ehrhardt wird durch die Nationalsozialisten aufgrund seiner als „kulturbolschewistisch“ geltenden Bauhaus-Nähe entlassen. Scheidung von seiner ersten Frau.

1933 - 1934
Dozent an der Pole-Hoege-Kunsthochschule in Asco, Dänemark. Mehrere Kirchenkonzerte in Norddeutschland. Er unternimmt verschiedene Versuche, nach Deutschland zurück zu kehren.

1934 - 1936
Ehrhardt nimmt eine Stelle als Organist und Chorleiter in Cuxhaven an, die er nach zwei Jahren aus politischen Gründen wieder kündigt. In diese Zeit fallen seine ersten Fotoexkursionen ins Watt zwischen Scharhörn und Neuwerk. Im Sommer 1934 unternimmt er eine Fotoexkursion in die Kurische Nehrung.

1936
Im Mai wird seine erste, vom Hamburger Kunstgewerbeverein organisierte Ausstellung mit über 100 Wattfotografien im Haus am Zoo eröffnet. Die zum Verkauf angebotenen Bilder reisen im Verlauf des folgenden Jahres durch mehrere deutsche Städte und der Hamburgische Staat erwirbt einige Fotografien. Beteiligung an der Ausstellung Deutschland in Berlin. Im Sommer lernt Ehrhardt auf der Insel Neuwerk seine zukünftige Frau Lieselotte Dannmeyer kennen.

1937
Im März Eröffnung der Ausstellung Wind und Sand im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg mit Aufnahmen der Kurischen Nehrung. Auch diese Ausstellung reist weiter in andere Städte Deutschlands. Im Geraer Kunstverein werden die Wattaufnahmen in einer Gemeinschaftsausstellung mit dem Asienforscher Sven Hedin gezeigt. Publikation des ersten Bildbandes Das Watt. Beginn der ersten Filmarbeit im Watt.

1937 - 1944
Seine Fotografien werden in diesen Jahren in London, Paris, Stockholm und Kopenhagen gezeigt. Parallel zu seinen Ausstellungen in Deutschland hält er Diavorträge. Bis Kriegsende erscheinen nach dem ersten Buch noch insgesamt 13 Bildbände und annähernd 30 zum Teil selbst verfasste Artikel mit seinen Fotografien.

1938
KdF-Fahrt nach Norwegen, verbunden mit einem Auftrag für nordische Landschaftsaufnahmen. Seine erste Frau emigriert mit dem Sohn nach Australien. Heirat mit Lieselotte Dannmeyer. 2-monatige Foto- und Filmexkursion in Begleitung seiner Frau nach Island.

1939
Uraufführung seines Wattfilms Urkräfte am Werk und des Islandfilms Wasser und Feuer im Nordmeer im Waterloo-Theater Hamburg.

1940
Ehrhardt bereist Flandern, wo er die Filme Leinen aus Kortrijk und Flanderns germanisches Gesicht dreht und Fotos für den Bildband Ewiges Flandern anfertigt.

1941
Ehrhardt fährt für einen Auftrag der Deutschen Kulturfilmzentrale nach Böhmen und Mähren und fertigt nie veröffentlichte Aufnahmen an. Ursprünglich war der Film Deutsche Kultur in Böhmen und Mähren geplant, der jedoch nie fertig gestellt wird. Er beendet den Tobis-Kulturfilm über Island Nordische Urwelt.

1942
Ehrhardt entkommt seiner Einberufung wohl durch einen unerklärlichen bürokratischen Irrtum. Wenige Wochen nach der Geburt seines Sohnes Jens wird das Hamburger Haus bombardiert. Er erhält von Georg Hartmann, dem Besitzer der Bauerschen Gießerei in Frankfurt am Main, das Angebot, dessen Landhaus in Burgjoß im Spessart zu nutzen, wo die Familie bis zur Wiederherstellung des Hamburger Hauses 1947 wohnt. Im Auftrag Georg Hartmanns fotografiert er dessen Sammlung (Alte Kunst, lebendig und Gotische Gesichter).

1943
Ehrhardt fertigt vor der Zerstörung Aufnahmen des mittelalterlichen Frankfurts für den Bildband Alt-Frankfurt an, der nach dem Krieg veröffentlicht wird.

1948
Gründung der eigenen Filmproduktionsfirma Alfred Ehrhardt Film. Sein von der britischen Besatzung unterstützter zweiteiliger Film Ernst Barlach wird auf der XI. Biennale in Venedig trotz des noch großen Vorbehalts im Ausland gegen deutsche Filme zu einem großen Erfolg und mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

1948 - 1974
Produktion von annähernd 60 mit zahllosen nationalen und internationalen Filmpreisen ausgezeichneten Kultur- und Dokumentarfilmen, darunter 4 Bundesfilmpreise. Ehrhardt fotografiert immer parallel zur filmischen Hauptbeschäftigung und veröffentlicht, daraus resultierend, 2 weitere Bildbände. Sein Vorhaben, die im Krieg angefertigten Fotografien von Böhmen und Mähren sowie ein beträchtliches Konvolut Fotografien über Tilman Riemenschneider als Buch zu veröffentlichen, kann er nicht umsetzen.

1952
Industrieaufnahmen im Auftrag der Hamburger Handelskammer für die Veröffentlichung Industrieplatz Hamburg.

1967 - 1968
Neuveröffentlichung seiner Bücher Wattenmeer (Das Watt) sowie Geprägte Form (Muscheln und Schnecken), für die er neue Abzüge herstellt.

1984
Alfred Ehrhardt stirbt am 28. Mai in Hamburg.
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