Mittelalterliche Folter- und Hinrichtungsmethoden

Wann? 15.08.2013 09:00 Uhr

Wo? Städtisches Museum , Aumaische Straße 30, 07937 Zeulenroda DE
Marter- oder Bedenkstuhl - wer hier drauf sitzt, gesteht alles! (Foto: Städtisches Museum Zeulenroda)
 
Auch am Pendel wurden Geständnisse erwirkt. (Foto: Städtisches Museum Zeulenroda)
Zeulenroda: Städtisches Museum | Mit zwei neuen Sonderausstellungen lädt das Städtische Museum Zeulenroda ab Mitte August in seine Räumlichkeiten ein. Die informativen und teilweise recht spektakulären Exponate werden den Besuchern die Rechtssprechung und Wahrheitsfindung in früheren Zeiten vor Augen führen.

Unter dem Titel „WAN ICH DAS SCHWERT THUN AUFHEBEN“ gibt es vom 15. August bis 27. Oktober Wissenswertes aus der Geschichte Zeulenrodaer Gerichtsbarkeit.

Bis zum Stadtbrand von 1790 war das Rathaus Gerichtsort für Zeulenroda. Die Marterkammer befand sich in einem Kellergewölbe desselben. An seiner Marktfront waren Pranger und Halseisen angebracht. In der Regel sprach Urteil und Recht allein das herrschaftliche Amt auf Grund der eingereichten Rügeregister. Peinliche Fälle und solche Wider die Herrschaft wurden vom herrschaftlichen Amt als Obergericht über Hals und Hand untersucht und verhandelt. Beispiele solcher Gerichtstagungen zeigen z.B. die Verhandlungen gegen den Mörder Jobst Röhler oder den Dieb Georg Eckart. Die letzte öffentliche Hinrichtung in Zeulenroda geschah 1829. Der wegen Raubmordes angeklagte Joh. Nicol Grieser wurde mit dem Richtschwert in der Nähe des oberen Friedhofes gerichtet, worüber in den Prozessakten ausführlich berichtet wird. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde im Jahr 1879 als letzte die Mörderin Johanna Sophie Strobel mit der Guillotine hingerichtet.

Die Sonderausstellung im Städtischen Museum (in Zusammenarbeit mit dem Stadtarchiv Zeulenroda) gibt einen Einblick in die Gerichtsbarkeit der Stadt in der Zeit des 17. bis 19. Jahrhunderts, anhand von Gerichtsakten, einer Hördokumentation und Ausarbeitungen aus der Geschichte der Stadt Zeulenroda des F.L. Schmidt und wird ergänzt durch die Ausstellung

„Mittelalterliche Folter- und Hinrichtungsmethoden“
von Dieter und Dorit Fox aus Neukirchen.

Gewaltige Anziehungskraft hatte die Ausstellung "Mittelalterliche Folter- und Hinrichtungsmethoden" schon, als sie im Schloss Schwarzenberg, dem Museum Auerbach/Vogtland und der Burg Mildenstein vor einigen Jahren gezeigt wurde. Rund 5.000 Besucher wollten in 8 Wochen Ausstellungszeit in Schwarzenberg sehen, was die Ausstellungsgestalter Dorit und Dieter Fox über das dunkle Kapitel der mittelalterlichen Geschichte zusammengetragen haben. Nun ist die Ausstellung in Thüringen angekommen. Im Museum Zeulenroda eine gelungene Ergänzung zu den bereits vorhandenen Ausstellungsstücken, wie z.B. das Richtschwert, welches zur Dauerausstellung gehört.

In der Sonderausstellung ab 15. August geht es in erster Linie um die verschiedenen mittelalterlichen Methoden, ein Geständnis zu erzwingen. Texttafeln und verschiedene Abbildungen geben darüber Auskunft. Großgerätschaften, wie Streckbank, Marterstuhl, Garotte oder Galgen sind Anschauungsobjekte, die beeindrucken.

Während der Zeit der Inquisition kam es zu regelrechten Exzessen methodisch erzeugter Tortur. Man unterschied – der Schwere nach – drei Grade der Folter, mit dem dritten Grad als grausamste Folterstufe. Bei „ausreichendem Verdacht“ war jedem Richter die so genannte „peinliche Befragung“ gestattet, und die Inquisitoren nutzten dieses Recht aus, wann immer sie konnten. Die Tortur entwickelte sich regional unterschiedlich. Die erste reichseinheitliche Halsgerichtsordnung Kaiser Karl V. von 1532 bestätigte den Einsatz der Folter (die „Constitutio Criminalis Carolina“). Sie war das erste deutsche Strafgesetzbuch. Zusätzlich enthielt sie konkrete Zeichnungen der Gerätschaften, sowie ausführliche Anleitungen der „Peinlichen Befragung“. Die „Constitutio Criminalis Carolina“ diente als Vorlage dieser Ausstellung, die nicht abschrecken, sondern informieren soll.

Die Sonderausstellung zeigt nicht nur Folter- und Hinrichtungsmethoden des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Sie berichtet auch über Hinrichtungen im nahe gelegenen Sachsen. Im Jahr 1356 wurde z.B. der zu Werdau residierende Untervogt auf Befehl Vogt Heinrich von Reuß lebendig in seiner Scheune in der Nähe von Leubnitz verbrannt, weil er im vogtländischen Krieg die befestigte Stadt Werdau übergab.

Die Ausstellung informiert ebenso über milde Strafen zur Schändung der Ehre. Ein Bäcker wurde wegen zu kleiner Brote im Teich oder Fluss getaucht, streitsüchtige Weiber wurden auf dem Marktplatz in eine Schandgeige gesteckt, bis sie sich wieder vertrugen, Trunkenbolde und notorische Wirtshaushocker kamen in ein Fass und wurden herumgekugelt, und bei Ehebruch musste der Ehemann seine Ehefrau auf einem Esel durch die Stadt führen, auf der die Frau verkehrt herum zu sitzen hatte.

Die Ausstellung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und soll zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema Gerichtsbarkeit dienen, sowie einen Teil Mittelaltergeschichte anschaulich vermitteln.

Öffnungszeiten: Di. – Fr. von 9 – 16 Uhr, Do 9 – 18 Uhr und So. von 13 – 16 Uhr.
Kontakt: Städtisches Museum Zeulenroda, Tel. 036628/64135.
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