Pfeffer im Kuchen? Ausstellung "Die märchenhafte Welt des Lebkuchens" klärt auf

Wann? 03.03.2013 10:00 Uhr bis 03.03.2013 17:00 Uhr

Wo? Unteres Schloss, 07973 Greiz DE
Die Zwillinge Felix und Fabian (4 1/2) haben schon mal vom Pfefferkuchenhaus Besitz ergriffen und kosten das "Baumaterial". Sie versichern: "Kein Pfeffer drin!"
 
Auch Niklas (10, links) und sein Kumpel Fabian (8) finden das begehbare Pfefferkuchenhaus toll.
 
Märchenhafte Musik zur Ausstellungseröffnung: Countertenor Markus Dietzsch (l.) und Pianist Gunnar Dietze.
Greiz: Unteres Schloss | Wer kennt sie nicht, die Märchen unserer Kindheit? Mit großen Augen haben wir den Eltern oder Großeltern zugehört, wenn sie uns aus den Büchern der Gebrüder Grimm vom Schneewittchen, dem Rotkäppchen oder dem tapferen Schneiderlein vorgelesen haben. Heute sind wir selbst Eltern oder gar Großeltern und lesen unseren Kindern und Enkelkindern die gleichen Märchen vor, die vor genau 200 Jahren erschienen sind.

Im Jahre 1812 veröffentlichten die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm erstmals ihre „Kinder- und Hausmärchen“, die sie nach alten, überwiegend mündlich überlieferten Geschichten niedergeschrieben hatten. Zu den faszinierendsten Märchen der Sammlung gehört zweifellos die Geschichte von „Hänsel und Gretel“. Diese gar gruselige Mär der herzlosen Eltern – die Mutter wurde erst in einer späteren Fassung durch eine Stiefmutter ersetzt –, die ihre Kinder im dunklen Wald aussetzen, hat ganzen Generationen Schauer über die gejagt. Vor allem, wenn die Hexe ruft „Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?“ ist die Spannung kaum noch auszuhalten … Dass am Ende alles gut ausgeht, ist das schöne an den Märchen, die allerdings über die Jahrzehnte hinweg immer etwas dem Zeitgeschmack angepasst wurden.

Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums des Ersterscheinens der Grimmschen „Kinder- und Hausmärchen“ hat das Museum im Unteren Schloss zu Greiz seine diesjährige Weihnachtsausstellung unter das Motto „Knusper, knusper, knäuschen … Die märchenhafte Welt des Lebkuchens“ gestellt. In der Exposition geht es nicht nur um die Märchen, sondern vielmehr um das märchenhaft weihnachtliche Gebäck. Wobei die Attraktion der Ausstellung zweifellos das begehbare Pfefferkuchenhaus aus echtem Lebkuchen ist.

Doch was ist eigentlich ein Lebkuchen? Und ist in dem Pfefferkuchen tatsächlich Pfeffer drin? Besucher der Ausstellung erfahren die ganze Wahrheit über das traditionelle Weihnachtsgebäck. So beispielsweise, dass in das Festtagsgebäck nicht weniger als neun Gewürze aus der ganzen Welt hinein gehören. Und dass die Pfefferkuchenherstellung ohne die Süße des Honigs undenkbar wäre – bis in das 19. Jahrhundert war der Bienenhonig das wichtigste Süßungsmittel für das leckere Gebäck.

Die Weihnachtsausstellung macht die Geschichte der Lebkuchenbäckerei mit allen Sinnen erlebbar. So können die Ausstellungsbesucher bei einem „Riechspiel“ die Zutaten des Lebkuchens mit der Nase erkunden. Werkzeuge einer historischen Pfefferküchlerei machen die Traditionen dieses Handwerks augenscheinlich fassbar. Manche Städte standen im Mittelalter ganz im Zeichen des Lebkuchens, Nürnberg und München sind nur zwei Beispiele dafür. In Mitteldeutschland war Pulsnitz ein Zentrum des Pfefferkuchens. Am 1. Januar 1558 erhielten die Pulsnitzer Bäcker erstmals das Recht, auch Pfefferkuchen zu backen. Danach gab es in dem sächsischen Städtchen bis zu 100 Pfefferküchlereien, heute sind es noch acht. Aber auch in Greiz wurden Pfefferkuchen gebacken, wie das ausgestellte Rezeptbuch des fürstlichen Hofkonditormeisters Müller aus dem Jahre 1768 beweist.

Ein Pfefferkuchenhaus allerdings wurde höchstwahrscheinlich erstmals auf einer Theaterbühne aufgebaut. Zur Premiere der Märchenoper „Hänsel und Gretel“ von Engelbert Humperdinck am 23. Dezember 1893 am Hoftheater in Weimar erschien im dritten Akt das Knusperhäuschen – über und über mit Kuchen und Zuckerwerk bedeckt. So hat sich das Bild des Pfefferkuchenhauses dann im kollektiven Gedächtnis über Generationen festgesetzt.

Seit dem 1. Advent nun lädt die Weihnachtsausstellung 2012 in Greiz mit einem echten Pfefferkuchenhaus in das Unteren Schloss ein. Die Ausstellung „Knusper, knusper, knäuschen … Die märchenhafte Welt des Lebkuchens“ ist bis zum 3. März 2013 zu sehen.

SERVICE: Geöffnet hat das Museum im Unteren Schloss täglich, außer montags, von 10 bis 17 Uhr.
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Hier die Informationen des Museums zur Ausstellung:


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„KNUPER; KNUPER; KNEISCHEN; WER KNUPERT AN MEINEM HÄUSCHEN?“
„DER WIND; DER WIND; DAS HIMMLISCHE KIND“

Hätte die Hexe diese sinnreiche Antwort nicht akzeptieren können?
Genau 200 Jahre ist es her, dass die Niederschrift der Gebrüder Grimm dazu führte, dass die herzlosen Eltern und die gruselige Hexe durch die Kinderzimmer spuken.
Seitdem dürfen die liebevollen Eltern des Nachts bei den lieben Kleinen sorgsam die Träume bewachen und böse Schatten aus der heilen Welt der Kleinen verscheuchen.
Und alles nur für die Allgemeinbildung?
Oder sind das die Momente, welche für die Eltern so unentbehrlich sind, weil sie die Eltern so unentbehrlich machen?
1812 veröffentlichten die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm die Urfassung des Märchens in den „Kinder- und Hausmärchen“. Diese Märchensammlung wurde von ihnen nach alten, überwiegend mündlich überlieferten Geschichten niedergeschrieben sowie bearbeitet.
Übrigens ist die Überschrift kein Schreibfehler, denn Ludwig Bechstein änderte diese Passage erst 1856 in: „KNUSPER; KNUSPER; KNEISCHEN; WER KNUSPERT MIR AM HÄUSCHEN?“

PFEFFERKUCHEN – LEBKUCHEN – GEWÜRZKUCHEN – INGWERBROT - HONIGKUCHEN – LABEKUCHEN

Die Bezeichnungen sind genauso regional und individuell geprägt wie die Rezepturen des würzig-süßen Gebäcks.
Doch die Süße des Honigs und der Duft sowie Geschmack der orientalischen Gewürze ist allen Gebäcken dieser Art immanent.

In unserer Region wurde die Bezeichnung PFEFFERKUCHEN verwendet.
Erst die Beliebigkeit der industriellen Lebensmittelproduktion ließen diese regional geprägten Bezeichnungen zugunsten der Omnipräsenz des Lebkuchens in den Hintergrund treten.
Der PFEFFER im KUCHEN ist natürlich in diesem Kontext ein Synonym für die Vielzahl orientalischer Gewürze, welche im Mittelalter umgangssprachlich nicht näher differenziert wurden.

ZIMT – NELKEN – ANIS – KORIANDER – MUSKAT – INGWER – KARDAMOM – PIMENT – VANILLE

Diese Gewürze waren in vergangenen Jahrhunderten eine Rarität.
Für viele Menschen war deren Beschaffung nicht möglich.
Die Herstellung und Verbreitung des Pfefferkuchens ging deshalb auch lange Zeit von den entsprechenden Handelszentren aus. Daraus erwuchs eine Exklusivität und Besonderheit – auch im Preis.

KLEIN – KOMPAKT – HALTBAR – NAHRHAFT – WOHLSCHMECKEND

Die sehr lange Haltbarkeit und Lagerfähigkeit ermöglichte weite Transporte und war mit Sicherheit auch ein Aspekt für die weite Verbreitung.
Das würzig-süße Gebäck war Bestandteil der Fastenküche und bei Pilgern sehr beliebt.
Diese wurden aber auch als Festtagsgebäck zu Ostern oder zu anderen Kirchen- und Familienfesten verzehrt, übrigens auch mit Starkbier.
Heute verbinden sich die interessanten, fremdartigen Gerüche des Pfefferkuchens für die meisten von uns mit den Geheimnissen der Weihnachtszeit.
Nur besondere Feinschmecker wissen, dass diese gut gelagert zur Osterzeit am leckersten sind.

Die Pfefferkuchenherstellung ist ohne die Süße des Honigs undenkbar.
Bis in das 19. Jahrhundert war der Bienenhonig das wichtigste Süßungsmittel.
Das zweite Produkt der Bienen, das Wachs, war von ähnlich großer wirtschaftlicher Bedeutung.
Die Wichtigkeit dieser Produkte ist auch eng mit der Pfefferkuchentradition verknüpft, denn Pfefferküchler gingen vielerorts gleichzeitig dem Handwerk des Wachsziehers nach.
Das lag einerseits an der naheliegenden Weiterverarbeitung aller Bienenprodukte aus einer Hand und andererseits an der Mehrfachverwendung der Holzmodells (Formen) und der Arbeitsgeräte.

Die Ausstellung folgt der Kulturgeschichte des Lebkuchens durch 10 Ausstellungsräume und verknüpft diese mit der Vorstellung handwerklicher Traditionen des Imkers, Pfefferküchlers und Wachsziehers.
In unserer Nähe ist Pulsnitz seit 450 Jahren ein Zentrum des Pfefferkuchens. Authentische Werkzeuge einer historischen Pfefferküchlerei vermitteln diese Traditionen.
Sie werden durch Gerüche erlebbar – durch Objekte fühlbar.
Bei einem „Riechspiel“ zu den Zutaten des Lebkuchens können Jung und Alt ihre „feinen Nasen“ prüfen.

Die historischen Puppenstuben zieren wieder die prunkvollen Räume des Unteren Schlosses und laden zum Entdecken des Alltagslebens vergangener Jahrhunderte ein.
Natürlich erstrahlen alle Räume im weihnachtlichen Glanz.

Für Kinder- und Jugendgruppen, Vereine und Firmen sind wieder besondere Angebote geplant:
Wird noch ein kleines Weihnachtsgeschenk benötigt?
Dann kann man im Museum im Unteren Schloss zum Zuckerbäcker werden!
Lust auf ein süßes Hexeneigenheim zum mitnehmen?
Oder wie wäre es mit einem persönlichen Lebkuchenherz für die Liebsten?
Das Museum bittet um vorherige Anmeldung unter der 03661/703411.
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