VERGÄNGLICHE KULTUR

Aufgeben oder erhalten? Das bis dato noch einzig überlebende kommunale Kino in Wurzbach.
Es sind die Bilder der Vergangenheit, die immer noch in der Erinnerung mancher schweben.

Der Duft nach frischem gesüßten Popcorn, das langsame Dimmen des Lichtes. Der unvergleichliche Geschmack eines einfachen Eises, der zu neuen unbekannten Weiten lockt und die unbändige Freude auf ein tolles Filmerlebnis, welches sich mit wolligen Schauer im gesamtem Körper ausbreitet. Ja man könnte schon sagen, es fühlt sich berauschend an, wie es jeden Zentimenter des Seins in Besitz zu nehmen vermag.

Dann der Moment in welchem sich ein jeder dem anderen verbunden fühlt, wenn sich eine lustige Szene den Weg bahnt, getragen von dem Lachen unzähliger Personen. Wie das Entsetzen von einer Reihe zur nächsten kriecht und eine Welle der Furcht den Raum durchweht, am Höhepunkt eines Gruselfilms. Wenn man das geräuschvolle Atmen des Hintermannes im Nacken zu spüren glaubt und die romantischen Szenen einer Liebestragödie alle Gesichter zu Tränen rührt.

Und da ist er, der Moment des Happy Ends, der beglückende Ausgang einer Never- Ending- Story. Das Licht erleuchtet, erst schemenhaft und sanft wagt es die Menschen aus Ihrer Phantasiewelt zu bergen, dann hell und voll mit prächtigen Glanz blüht der Saal in seiner stetigen Pracht auf und gibt so manches stilles Geheimnis preis, welches in rotwangigen Leuchten erstrahlt. Man sieht sich um im Raum, blickt in die Gesichter der anderen und erkennt sein eigen Spiegelbild. In jedem schimmert dieselbe Emotion, während die Musik im Nachspann die Leute noch ein wenig zum Träumen verführt und Jacken, Mützen,Taschen ihren angestammten Platz einnehmen. So nah und doch so fern, kann man nur hier dem anderen sein, Seite an Seite gegen Ungerechtigkeiten bangen und unterjochte Menschen befreien, sich von dem Herzschmerz gemeinschaftlich aufnehmen und tragen lassen und das Kribbeln des anderen spüren. Die Anonymität der Dunkelheit lies einen schützenden Mantel ausbreiten und doch war das Band der Gemeinschaft ungebrochen, wenn der Strom des Lachens die Menschen mit sich riss. Wenn auch nur einen Augenblick lang, war man dem unbekannten Fremden auf intimste Weise nahe und doch geht ein jeder nach diesem Erlebnis zurück in seine eigene geschaffene Realität ..

Einen kurzen Moment ist man versucht, die anderen in seine Gemeinschaft einzuladen, man lacht gedankenverloren in sich, wenn die nachgesprochene Szenen aus dem Munde einer unbekannten Person im eigenen Ohr verglühen, rekonstruiert vor dem geistigen Auge erscheinen und das Gefühl der Glückseligkeit weicht noch eine Sekunde dem unausweichlichem, kaltherzigen Dasein, wenn man die Reise zum nicht allzu fernen Ausgang anzutreten vermag.

Ein jeder hat es schon erlebt groß wie klein. Man wurde förmlich von der Magie des Kinos oder Filmtheaters beseelt und so soll nun eben jene gloreiche Ära aus dem Leben unserer heutigen Gesellschaft verschwinden. Sie wird als nicht trag- und stützfähig verteufelt und doch ist Sie so viel mehr. Kaum eine andere Kulturepoche schaffte es, die Gemüter so vieler unterschiedlicher Leute zu bewegen und diese in eine neue, aus Phantasie geborene Welt zu entführen.

Kaum mehr einer wird heutzutage wissen, wie viele Kinos und Filmtheater es gab und wie viele schon dem Zerfall unserer Gesellschaft zum Opfer fielen. Kaum mehr ein Kind weiß, wie der Filmprojektor diese vielen, einzelnen Bilder in solch einer Geschwindigkeit auf Leinwände zaubert und was sich hinter dem Vorhang unzähliger Filmgeburten verbirgt...

Die Digitalität hält Einzug in Theatern, in gesellschaftlich hochwertigen Gebäuden, in Staatsopern, selbst in den heimischen vier Wänden ist sie nicht mehr von der Hand zu weisen. Sie ist Segen wie auch Fluch zu gleich, man erlebt gestochen scharfe HD Bilder in überragenden Dolby Digital Surround und selbst der schwarzweiße Stummfilm erhält hier Dank Blu- Ray ein neues, unvergleichliches Leben. Fernseher lassen sich unkompliziert per Web-Browsern und Swipe & Share mit Internet und Smartphones verbinden und sind in 3D- Qualität für ein soziales Netzwerk offen. Der Gang vom Sofa erfolgt also heutzutage meist nur noch zum Kühlschrank, während der Pauseknopft, dass Gesicht eines Actionhelden ohne weitere Komplikationen einzufrieren weiß.
Vorbei das aufmerksame studieren von Filmplakaten und die damit verbundene Entscheidungsfindung, welcher Film es wohl mit dem dazugehörigen Spannungseffekt in die engere Auswahl schafft, dies kann man sich heute dank neuster Technologie, wie dem Twin Triple Tuner, in seinem eigenen Home- Kino ersparen und doch...

Wo bleibt das Herz und das uralte Wissen der Ahnen, welche uns den Weg in solche Abenteuer fern ab unserer Realität bahnten. Wo die Erfahrung und das Gefühl, mit welchen sich einfache Filmvorführer zu stillen Helden einer ganzen Generation machten.

Nun ist alles klar, ohne Fehler, ohne Tadel und man hat das Gefühl, als lege sich der bleierne Schatten auch auf die Gemüter plötzlich unerreichbarer Marionetten einer geldverschlingenden Film- und Kulturindustrie. Es sind nicht mehr die zarten Berührung der Seelen, die die Leute ins Kino locken, sondern eher gleicht es der versuchten Massenabfertigung verlorener Gemüter einer stummen, erkalteten Gesellschaft.

Aufzuhalten ist der Wandel der Zeit wohl kaum und mit unseren Kindern wächst der Wissensdurst nach immer neueren Technologien und Fortschritten in alle Richtungen. Doch sollten wir auch unsere Kultur pflegen, denn wenn diese nicht mehr ist, wird es wohl kaum noch etwas geben, auf welche eine neue Saat zu gedeihen weiß.
Es sind die kleinen Festungen die wir unseren Kindern erhalten sollten, in welchen sie sich fernab von Handys, Computern und ähnlichen selber finden und fühlen können, denn keine noch so neue Technologie kann den sozialen Umgang unserer Kinder fördern und deren Umfeld stützen. Es ist auch für diese wichtig, sich in einem Raum mit anderen zu erleben und deren Reaktion auf andere auszutesten. Warum sollen auch sie nicht den Duft und Geschmack frischen Popcornserleben dürfen und das Gefühl mit einer Gesellschaft zu einem Ganzen zu verschmelzen und sei es nur für einen Augenblick..
Ist nicht auch für sie gepflegte Konversation nötig, um sich später in der Welt behaupten und ihren Platz im Leben finden zu können.. Und ist es nicht auch für Eltern sicherer, wenn sich ihre Kinder mit realen Freunden zum Kinobesuch treffen, als in sozialen undurchsichtigen Netzwerken abzuhängen..

Ich habe für mich beschlossen, dass ich dies für meine Kinder, meine Familie und für mein Ich als sehr wichtig empfinde, gegen eine Schließung weiterer auch kommunaler Kino zu sprechen und für deren Erhalt zu plädieren. Für mich ist der Gedanke kulturelles Gut zu erhalten wichtiger, als sich vom geldgierigen Sog neustem Wandels mitreißen zu lassen..Doch..

Doch diese Entscheidung muss jeder für sich selbst treffen, denn ein Kino ist auch immer ein Umschlagplatz kultureller Ideenfindung und sozialen Engagements, desen Bedeutung man mehr als nur einem Hauch Wagemuts beimessen sollte. Es ist ein Stück Leben für alle von allen, desen Erhalt es zu bestreiten lohnt..
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