Vom Sterben einer Kultur – Emotionen der Melancholie aus Siebenbürgen

Wann? 29.04.2014 10:00 Uhr bis 29.04.2014 18:00 Uhr

Wo? Bibliothek, Kirchplatz 4, 07973 Greiz DE
Heuernte in Siebenbürgen. Die beiden ließen sich erst ablichten, nachdem die Frau Haare und Kleidung gerichtet hatte.
Greiz: Bibliothek | Jede der großformatigen Schwarz-Weiß-Fotografien fesselt den Blick des Betrachters. Dem offenbaren sich melancholische Sichtweisen über weite Landschaften, verwinkelte Straßenzüge und in die Jahre gekommene Bauwerke. Einige der Bilder sind sparsam handkoloriert, aber alle mit Bedacht komponiert und in Szene gesetzt. "Sie zeigen das Sterben einer Kultur", sagt Andreas Berner, "der deutsch-rumänischen Kultur." Zu sehen sind die Fotografien derzeit in der Greizer Bibliothek.

Berner hat die Aufnahmen, von denen zahlreiche in dem Rumänien-Band "Mehrfachbelichtung" des Lesezeichen e.V. Jena erschienen sind, in Siebenbürgen und der Bukowina – der rumänischen Moldauregion – fotografiert. Hinter jedem dieser Bilder verbirgt sich eine Geschichte. So wie hinter der beeindruckenden Panoramaaufnahme des Innenraumes einer Kirche. Erst beim zweiten Hinsehen fällt auf, dass in dem Kirchenschiff die Orgel fehlt. "Die Orgelpfeifen sind als Altmetall verkauft worden", weiß der Fotograf.

Emotionen der Tristesse vermitteln auch die Märkte, leere Dorfstraßen, halbverfallene Häuser und Bauernkaten, die Berner in Rumänien abgelichtet hat. Anders die Menschen. Die Porträts zeigen stolze Männer und Frauen, die offen und in einer Art in sich ruhender Gelassenheit in das Objektiv der Kamera schauen. "Ich fotografiere Leute nie heimlich oder mit Teleobjektiv, sondern frage immer vorher, bevor ich jemanden ablichte", versichert Andreas Berner. So auch das alte Ehepaar, das er in Siebenbürgen bei der Heuernte traf. "Die beiden waren sicher um die 70 und kamen erschöpft von der Feldarbeit. Auf meine Bitte, sie fotografieren zu dürfen, bejahten sie. Aber erst, nachdem die Frau ihre Schürze gerichtet und das Kopftuch neu gebunden hatte, durfte ich den Auslöser betätigen", erzählt der Fotograf. Das Bild zeigt nun zwei bejahrte Menschen, die ihr schweres Tagewerk verrichtet haben und nun sichtlich müde, aber in Würde, den Heimweg antreten.

Andreas Berner fertigt in seinem Atelier in Wurzbach seit mehr als 20 Jahren bibliophile Bücher in Kleinstauflagen sowie Holzdrucke, Gemälde, Grafiken und großformatige Fotografien. In seinen Bildern - egal ob gemalt oder fotografiert - thematisiert er oftmals die zeitlosen großen Themen: Freundschaft, Liebe und Tod. Die Fotografien für das Buch "Mehrfachbelichtung", in dem zehn Autoren in Lyrik und Prosa sowie literarischen Reportagen ihre Eindrücke aus Rumänien schildern, entstanden in den Jahren 2009 und 2010. In jenen Jahren nahm Berner an den vom Jenaer Verein Lese-Zeichen organisierten Künstlerexpeditionen in das Karpatenland teil. Eine Auswahl der dabei entstandenen Fotografien ist unter dem Titel "Ansichtssachen" bis zum 30. April in den Räumen der Stadt- und Kreisbibliothek Greiz zu sehen.
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