Von der Zukunftsvisionen in die Katastrophe

Der Beginn eines neuen Lebensabschnittes
Wer kann sich nicht noch an seine erste Schulzeit erinnern. Auf die riesige Zuckertüte, gefüllt mit Leckereien und allerlei nützlichen Dingen, folgte der ernüchternte Alltag. Es wurde mit stundenlanger Präzision, Geduld und immer wiederkehrenden Rhythmus jeder Buchstabe des Alphabetes und die ersten Worte geübt, bis sie in gekonnter Schönschrift geschrieben und stolperfrei vorgelesen werden konnten.

Heute ist das Schema ein anderes, welches von Schule zu Schule unterschiedlicher nicht sein könnte und das bereits in einem Umkreis von ein paar Kilometern. Den Eltern obliegt es nun die richtigen Entscheidungen in ihrer Schulwahl zu treffen, denn jede Lehranstalt darf nun ihren eigenen Weg wählen, ihren Schützlingen das Lesen und Schreiben beizubringen.

Allen voran ist ein besonderes Merkmal dieses neuen Wandels, die heiß diskutierte Druckschrift welche die Schreibschrift, die einst noch mit viel Gefühl die Handschrift eines jeden prägte, in den Hintergrund drängt. Ebenso die Steckenpferde der deutschen Philosophen die Grammatik und Orthographie, verlieren immer mehr an Priorität in den ersten Schuljahren der heutigen jungen Generationen.

Recheriert man näher, findet man heraus, dass die Schreibschrift seit 2010 aus dem Thüringer Lehrplan des Unterrichtsfaches Deutsch in den Grundschulen gestrichen wurde und nun durch die Druckschrift ersetzt wird, auf welche die Kindern von heute alltäglich treffen. Vorallem zu verdanken ist dieser Wandel dem Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur Herrn Christoph Matschie, der es in das Ermessen der Lehrer und der Schule legt, ob überhaupt und wann die Schreibschrift gelehrt werden soll.

Die Kinder von heute lernen also in der Schuleingangsphase, sprich den ersten beiden Schuljahren, eine Menge Schriften und sollen daraus später ihre Handschrift formen können. Meist kommt hierbei eine Mischform zustande, welches allem in allem beinhalten sollte, leserlich zu sein.
Zu ernsten Problemen kann dies dann in den fortführenten Schulen kommen, in welchem die Kinder in Aufsätzen und Klassenarbeiten eine Formnote, auch auf die Leserlichkeit der Schrift, erhalten. Viele Lehrer sind jedoch der Ansicht dies gelinge mit der Schreibschrift deutlich besser, auch hier spalten die Meinungen darüber eindeutig Lehrerkollegschaften und Elternschaften in zwei Lager.

Stark in den Hintergrund tritt die Grammatik und Ortographie und Rechtschreibfehler sind praktisch im heutigen Lehrplan schon inbegriffen. Warum? Weil die Kinder schreiben sollen wie sie es hören, dass sich dies auf Dauer wohl auch einprägt, ist zweifelohne nachvollziehbar.
Es wird den Grundschülern seit der Jahrtausendwende das Schreiben erlernen indes schmackhaft gemacht, indem man die altbewerde Wortbildmethode dem Untergang weiht und den Kindern die Möglichkeit einräumt mit Sprache umgehen zu lernen, mit ihr spielen zu können und auch gerade durch Rechtschreibfehler eher ihre eigene Kreativität wahrnehmen lernen, indem sie sich Worte einfach zusammenbasteln mit Hilfe einer Anlauftabelle, dem "Buchstabentor", auf welche das Alphabet eingetragen ist. Man ist der Meinung die Kinder so fürs Schreiben zu begeistern, ihnen die Angst vorm Schreibenlernen nehmen zu können und den Einstieg in die Schule zu erleichtern.

Ein vom Schweitzer Reformpädagogen Jürgen Reicher inspirierter Gedanke sei es, dass die Kinder seiner Meinung nach selbst bestimmten dürften, welchen Buchstaben sie aus dem Alphabet zu Beginn erlernen möchten. So gibt es heute vielerlei Formen der Arbeitsmaterialien des Schreibenlernens, welche man unter den Titeln "Tinto", "ABC-Lernlandschaft", "Konfetti" ergooglen kann. Nur um den Eltern zukünftiger ABC- Schützen einmal einen kleinen Vorgeschmack auf das baldige Schulleben geben zu können.
Jede Schule kann so individuell ihre Fibel und die dazugehörigen Arbeitshefte wählen, jene können also auch von Schule zu Schule, innerhalb einer Kommune, variieren. So kann es natürlich auch für die Kinder schwieriger werden, mit benachbarten und befreundeten Kindern, insofern sie auf unterschiedliche Schulen auch in der selben Gemeinde gehen, schreiben & lesen zu lernen.

Ein Einblick, gerade in das angegebene Video der "ABC-Lernlandschaft" lohnt alle mal. Hier wird deutlich, dass es kein einengendes, stures Lernkonzept mehr gibt, welches sich an älteren Strukturen orientiert, sondern eine neue Strategie in welcher Grundschüler mit Vorkenntnissen bereits ihre Mitschüler unterstützen, um den Lehrern die Zeit zu geben sich individuell der schwächeren hilfsbedürftigeren Schüler anzunehmen.
Ob hier der Zweck die Mittel heiligt, nämlich den Kindern die Verantwortung des Schulablauf selbstständig in die Hände zu geben und sich darauf zu berufen, dass diese sich gegenseitig schulen, um den diffentialen Lehrermangel in Deutschland Herr zu werden, bleibt abzuwarten.
Fakt ist, dass die Kinder so schon im frühen Stadium lernen eigenständig zu handeln und sich Sachen zu erarbeiten, um den Lehrkräften so die Möglichkeit zu bitten flexibler auf Klassengrößen einzugehen.

Es hat, wenn man das nun näher betrachtet schonden Anschein, als wolle sich der Staat in diesem Experiment nicht in die Karten schauen lassen und sichert sich gegen ein Scheitern gleich dreifach ab. Er gibt seine Bildungsverantwortung, durch Gesetzte und Beschlüsse, an die Schulanstalten weiter. Jene wiederum übertragen ihren Lehrkräften die Eigenverantwortung des Lehrplan, indem sie diese wählen lassen: was, wie, wo, wann gelehrt werden soll. Die Lehrer wiederum versuchen ihrerseits sich in dem Durcheinander an Konzepten einen Überblick zu verschaffen, indem sie die Verantwortung mit den leistungsstärksten Schülern der Klasse teilen, welche sich dann neben ihrem Eigenerlernen, noch um die Schwierigkeiten ihrer Mitschüler kümmern und jene im Lerndurchschnitt so mitziehen.
Gelingt dieses Verantwortungsdebakel jedoch nicht, liegt es nicht an der staatlichen Fürsorgepflicht, sondern an den Schulen und ihren Lernmethoden.
Es scheint als habe man die Bildungspolitik wohl der Kreativität unserer Kinder zugeschrieben und der Schlüsselstein des Erfolgs liegt nicht mehr im staatlichen Intresse, sondern der korrekten Aufteilung innerhalb der zentralen Schulstruktur.

Das Wort ABC- Schütze erhält so eine neue Bedeutung und vollzieht dadurch mit ihrer Motivation, einen gewissen Wandel in der Gesellschaft und hoffentlich auch dem künftigen Arbeitsmarkt, in welchem nicht nur die Lust zum Lernen vorherrscht, sondern auch gewisse Regelakzeptanz zugrunde liegt.

Doch Eltern, Wissenschaftler und auch Schüler schlagen Alarm, denn mit der Gedächtniserforschung wurde belegt, dass die verharmlosenden Behauptungen der Staatsinstitute für Schulqualität und Bildung, es bestünde keinerlei nachwirkende Gefahr, nicht der Wahrheit entspreche und sich dieses bewußte erste falsch einprägen, tatsächlich auf das spätere Rechtschreibverhalten lege und für große grammatische Probleme im weiterführenden Schulverlauf sorgen kann.

Trotz ernüchternder Feststellungen, dass mit dieser Schreiblernmethode nicht der erhoffte Erfolg kam, hält man auch weiterhin an dieser fest und verweist auf die Sicherung der Selbstständigkeit der Schüler, welche hierdurch aufgebaut und gefördert werden könne.

Experten warnen vor einer regelrechten Rechtschreibkatastrophe und die leidtragenden dieser Reformrevolte, welche junge kreative Sprösslinge heranziehen möchte, sind die Kinder welche zich Wörter nach dem erstmaligen falschen einprägen ein zweites Mal neu erlernen, die Legastheniker und ausländische Kinder, die hier eine Zweitsprache erlernen müssen. Es wird befürchtet, dass sich diese Kinder in einem Wirrwarr an möglichen Wortkostellationen nicht mehr zurechtfinden und der deutschen Rechtschreibung so nicht mächtig werden könnten.

Die so bereits schwächeren Schüler scheinen am Ende nicht den rechten Anschluss zu finden, verstrickten sich durch diese Rechtschreibreformexperimente derart in ihre Fehler, dass sie am Ende auf dem Arbeitsmarkt kläglich scheitern. Denn noch heute ist eines der Einstellungskriterien auf dem Arbeitmarkt ein ordentliches Sprach- und Schreibvermögen beherrschen zu können und kein verspieltes Wörterchaos erfinden zu wollen, um mit Kreativität und Lust & Laune glänzen zu wollen. Was sich wohl auch in Zukunft im Binnen- und Weltmarkt wiederspiegeln wird.

Die Folgen, so sagen Experten würden in Laufe der Zeit noch weit verherrende Ausmaße annehmen können, als es bereits jetzt schon der Fall zu sein scheint, wenn sich laut ihrer Meinung nach, nicht in Zukunft etwas am derzeitigen Bildungssystem ändern sollte.

Einen wirklich bindenden Rahmen, in welchem die Kinder so verantwortungsvoll auf ihr späteres Dasein vorbereitet werden, scheint es heute nicht mehr zu geben und die missglückte Pisa-Studie ist nur ein trauriger Anfangsbestandteil dieses Experimentes.



Es ist die dauernde Unterstützung und die stetige Bemühung der Eltern, den Erfolg ihrer Kinder aufzubauen. Wer hilft zu lernen und zu verstehen, hilft eine Zukunft zu schaffen.
Den Beginn eines neuen Lebensabschnittes nicht nur zu versüßen, sondern auch zu etablieren... Dieser Grundstein, sollte also mit in jede Zuckertüte wandern.
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10 Kommentare
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Antje Hellmann aus Jena | 18.03.2014 | 16:57  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 18.03.2014 | 17:57  
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 18.03.2014 | 18:53  
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Renate Jung aus Erfurt | 18.03.2014 | 23:47  
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Antje Hellmann aus Jena | 19.03.2014 | 13:32  
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Renate Jung aus Erfurt | 20.03.2014 | 00:27  
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Antje Hellmann aus Jena | 21.03.2014 | 14:02  
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Antje Hellmann aus Jena | 21.03.2014 | 14:05  
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Simone Guhr aus Zeulenroda-Triebes | 21.03.2014 | 15:29  
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Antje Hellmann aus Jena | 21.03.2014 | 17:46  
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