Weihnachten wird plüschig: Zum Oberländer Adventsmarkt öffnen fünf Werkstätten für Basteleien zum Fest

Marianne Graf hat ihren Plüschwald schon aufgebaut. Am Wochenende können Besucher die Bäumchen verschönern.
 
Auch solche hübschen Patchworksterne können Besucher zum Adventsbummel im HandarbeitsKorb gestalten.
Saalburg-Ebersdorf: ... |

Geschichte entlang der Wäscheleine. Textilien im Wandel der Zeit. Fußpflege, Hochzeitsausstellung, Kaffeetrinken und diverse Nähkurse. Im "HandarbeitsKorb" Zoppoten gibt es viel zu sehen. Am Wochenende ist Gelegenheit für einen Besuch, denn das Erlebnishaus ist eine von fünf Werkstätten, die zum Oberländer Adventsmarkt öffnen.

Fremde zögern mitunter einen Augenblick, den Erlebnishof "HandarbeitsKorb" im kleinen Ort Zoppoten zu betreten. Nicht, dass er nicht einladend wirkt. Im Gegenteil: Die erleuchteten Fenster und der Vorgarten strahlen Behaglichkeit und Geborgenheit aus. Aber wenn am Eingang nicht das Schild mit den Öffnungszeiten in Augenhöhe prangte, würde man den HandarbeitsKorb glatt für ein Wohnhaus halten. In gewissem Sinne ist er das ja auch - nur eben öffentlich zugänglich.
Das Dorfmuseum steckt voller Geschichte. Junge Besucher staunen, dass es ein Leben vor Geschirrspüler und Waschvollautomat gab und schlucken gelegentlich, wenn ihnen Museumschefin Marianne Graf zeigt, wie unsere Altvorderen das Waschbrett bedienten. In der kleinen Küche - gegenüber einer reizenden gelben Anrichte aus Urzeiten - hängen Klammerkleidchen und -säckchen, die der geübte DDR-Bürger aus einem Land vor unserer Zeit kennt. "Diese praktischen Helfer erleben gerade ihre Renaissance", erzählt Marianne Graf. Sie muss es wissen, denn sie leitet jeden Donnerstagabend den Nähkurs der Fortgeschrittenen und kennt daher die Trends.

Verflixt und zugenäht: Manchmal ist Handarbeit gar nicht so einfach


Das Nähzimmer liegt in der ersten Etage am Ende einer schmalen Holztreppe, die an bestickten bäuerlichen Unterhosen und einer Reihe alter Glätteisen vorbeiführt, die laut Marianne Graf insbesondere Kinder immer wieder in Erstaunen versetzen. Sie nennt es "Textilien im Wandel der Zeit" und "Geschichte entlang der Wäscheleine".
Drinnen rattern Nähmaschinen. Eine Frau beugt sich über ihre Näharbeit und versucht, den goldenen Rand der Weihnachtsdecke zu bändigen, bevor sie unters heiße Bügeleisen kommt. Eine blonde zierliche Frau stopft Stoffgänse und die große Frau mit Brille gleich am Eingang müht sich an der Nähmaschine mit einem Stoffblatt.
Marianne Graf hilft, wo sie kann. "Mein Kurs ist zwar nicht mehr am Anfang, aber die Frauen haben erst im September begonnen." Da klemmt es natürlich noch hier und dort, vor allem in den Nähmaschinen. Eine ist gerade ausgestiegen. Für Reparaturen ist jetzt aber keine Zeit, die Damen arbeiten unter Zeitdruck. "Wir bereiten Bastelmaterialien für unseren Adventsbummel vor", erläutert Graf. Eben schleppt sie einen Wäschekorb mit plüschigen grünen Weihnachtsbäumen herein, die am bevorstehenden Wochenende von den Besuchern mit einer Bordüre verziert werden können. "Kinder haben es etwas leichter: Sie füllen kleine Weihnachtsbäume und stecken sie auf eine Holzscheibe. Viele wissen nicht, was sie ihren Eltern zu Weihnachten schenken sollen", weiß Marianne Graf.
Der HandarbeitsKorb ist eine von fünf Werkstätten, die zum 4. Oberländer Adventsmarkt geöffnet haben. "Ich glaube, es gibt mehr zum Anschauen und Mitmachen als zu essen und zu kaufen. Wir sind Macher, keine Händler", erklärt Graf lächelnd.

Ich dachte, vielleicht kommen ein paar Leute zum Kaffee. Doch dann wurden es immer mehr.


Während der Arbeit erzählt sie von der Gründung des HandarbeitsKorbes im Jahr 2012. "Ich dachte, dass an den Wochenenden ein paar Leute zum Kaffee kommen, doch dann wurden es immer mehr Besucher. Seit Ende 2014 führe ich Statistik. Allein im November waren es rund 200 Besucher."
Beigebracht hat sie sich das Nähen selbst. Die Begabung liegt wohl im Blut. "Schon meine Großmutter und Mutter nähten für die Leute im Dorf", erzählt Marianne Graf. Handarbeiten sind offenbar wieder in. "Die Leute stricken und häkeln, junge Mütter schneidern für ihre Kinder. Es gibt wunderbare Stoffe und die Anleitung findet man im Internet."
Nun könnte sich jede der Frauen auch zu Hause hinsetzen, aber erst in Gemeinschaft macht das Nähen Spaß. Außerdem hat Teamwork einen praktischen Nutzen: "Die Schnittmuster funktionieren oft nicht oder sind zu schwierig. Davon lassen sich viele Menschen entmutigen und legen die Arbeit schnell wieder weg." Das kann die Frau mit dem Stoffblatt nur bestätigen. Zwei Rippen hat sie bereits erfolgreich vernäht. "Manchmal sind die Schnitte wirklich schwierig, da sind wir schon froh, dass wir unsere Marianne haben", gesteht sie. Und die Gelobte erwidert augenzwinkernd: "Natürlich macht es uns auch Spaß, ein wenig zu wetteifern." Wenn der Ehrgeiz sie packt, ist es manchmal sogar mit der Nachtruhe vorbei. "Wenn ich mit einer Arbeit nicht zufrieden bin, stehe ich nachts auf und bringe sie ordentlich zu Ende. Erst dann habe ich Ruhe", erzählt sie und lacht ein klein wenig über sich selbst.


Zur Sache:
4. Oberländer Adventsbummel am 12./13. Dezember, 13 bis 18 Uhr.
Werkstätten: Tischlerei und Drechslerei Rainer Mewes, Eliasbrunn (Gedrechseltes, Gehobeltes, selbstgemachter Punsch); Kräuterstube Birgit Grote, Remptendorf (Anregung für alle Sinne); Vepima-IPM Schmuckkartonagen Schönbrunn (Handwerkermarkt, Bastelei, Glöckchenstube); Zweirad Gemeinhardt Bad Lobenstein (wollig und heimlich); Erlebnishof HandarbeitsKorb Zoppoten (Basteln, Nähen, Adventsmusik).
Für die "amerikanische Weihnacht" der Theatergruppe zwischen HandarbeitsKorb und Feuerwehr in Zoppoten (Ortsteil von Saalburg-Ebersdorf) werden noch Leuchtkörper (Figuren, Lichterketten etc.) gesucht. Nach dem Wochenende erhalten die Besitzer ihre Leihgaben umgehend zurück.
Im Erdgeschoss des HandarbeitsKorbes ist eine Ausstellung von Hochzeitsbildern zu sehen. Ebenso eine Dauerausstellung von Schneekugeln und Spieluhren der Sammlerin Steffi Eckert.
Für Kaffeegäste ist sonntags 15 bis 18 Uhr geöffnet.
Kontakt: 036647/22931 (Marianne Graf).
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