110 Jahre Familienbäckereibetrieb in Arnsgrün

Das Ehepaar Mandy und Achim Becher in ihrem Verkaufsladen.
  Landbäckerei Becher in vierter Generation

„Oh es riecht gut, oh es riecht fein“ – wer kennt nicht das bekannte Weihnachtslied. Aber nicht nur zur Weihnachtszeit riecht es in der Landbäckerei Becher Arnsgrün gut und wird Teig zu Brot, Semmeln, Kuchen und Torten verarbeitet. Seit nunmehr 110 Jahren besteht dieser Familienbetrieb, wo täglich nach dem Leitfaden „Natürlich frisch und lecker vom Arnsgrüner Bäcker“ gearbeitet wird und Backwaren den Kunden aus nah und fern angeboten werden.
Angefangen hat alles im Jahre 1903, als Paul Richter die ehemalige Schmiede übernahm, Brot und Kuchen selbst backte sowie Kolonialwaren handelte und die Postagentur betrieb. Ab 1932 führte Richters Tochter Elsa das Geschäft mit ihrem Ehemann, Bäckermeister Walter Becher, weiter. Es erfolgten Um- und Anbauten an das Gebäude. Und schon damals wurden Backwaren an Nachbarortschaften ausgeliefert, die keinen Bäcker hatten. Dies geschah anfangs mit hunde- bzw. pferdebespannten Wagen und ab 1935 mit einem Opel P4. Um einen Dampfbackofen zu setzen, wurde 1951 die Bäckerei umgebaut. 1950 begann dann Sohn Gerhard Becher seine Bäckerlehre in Greiz, legte 1956 seine Meisterprüfung als jüngster Meister der Handwerkskammer Gera ab und übernahm 1972 die elterliche Bäckerei. Um den ständig steigenden Backwarenbedarf zu sichern, wurde wieder gebaut: der Dachboden zum Mehllager, ein Sackaufzug, ein Tagesmehlsilo, zwei neue Etagenbacköfen. 1982 trat Gerhard Bechers Sohn Achim ins Geschäft ein, legte seine Meisterprüfung 1991 ab und übernahm schließlich im Juni 2001 das Geschäft. Sein Schwiegervater gab ihm damals die Worte „Schaffe und strebe, aber lebe“ mit auf den Weg. Dies versucht der Sohn jeden Tag aufs Neue umzusetzen. Mit seinen Mitarbeitern verbindet ihn deshalb nicht nur gemeinsames Arbeiten, sondern auch gemeinsames Erleben bei Ausfahrten und Feiern. Und auch Achim Becher investierte und modernisierte viel, um die Arbeit zu erleichtern. Die Backstube wurde mehrmals vergrößert für den Öl beheizten Etagenofen, die 16 Tonnen fassenden Mehlsilos mit der computergesteuerten Dosieranlage, der Semmellinie, den neuen Teigknetern, der Ausroll- und Schlagmaschine, dem Stikkenofen. Durch den Ankauf eines Nachbargrundstückes entstanden zwei neue Garagen für die Auslieferungsfahrzeuge mit Laderampe zum Be- und Entladen auf einer Ebene mit der Backstube, sodass schweres Heben und Tragen entfällt. Auch in eine Tiefkühlzellenanlage zum Einlagern von Obst wurde investiert, um die Kuchenpreise stabil zu halten. Tatkräftig unterstützt wird der Bäckermeister von Ehefrau und Bäckergesellin Mandy sowie sechs Mitarbeitern und einem Lehrling. Seit 1986 wurden bei Bechers über 20 Lehrlinge zu Bäckergesellen und Fachverkäuferinnen ausgebildet, zwei von ihnen erhielten eine Festanstellung. Fünf Verkaufswagen sind in Thüringen und Sachsen, von Zeulenroda bis Greiz, von Elsterberg bis Mühltroff, in vielen Orten unterwegs, um die Backwaren an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Zum Backwarensortiment zählen die verschiedensten Brot- und Brötchensorten, über 20 Kuchen, Torten inklusiver Hochzeitstorten. 2000 Semmeln werden täglich im neuen 360 Stück fassenden Ofen im 18-Minuten-Takt gebacken. „Unser Brot wird noch herkömmlich in der Drei-Stufen-Sauerteigführung nach Großvaters Rezept gebacken“, berichtet stolz Achim Becher. Und für den leckeren Heidelbeerkuchen pflückt Ehefrau Mandy selbst frisch die Beeren auf dem Feld bei Leubnitz. Während Mutter Liane Becher noch zeitweise im Laden aushilft, kümmert sich Vater Gerhard um Haus und Hof. Ob die Familientradition auch in fünfter Generation einmal fortgeführt wird, entscheiden Achim Bechers Kinder Carina und André. Gegenwärtig arbeitet Carina als Verwaltungsfachangestellte im Landratsamt Plauen und André absolviert eine Tischlerlehre in Zeulenroda. Für den KSV-Pausa-Ringer wäre aber ein späterer Einstieg in das Bäckerhandwerk durchaus denkbar.
In seiner eng bemessenen Freizeit war Achim Becher jahrelang bis 2012 in der Wehrleitung der FFw Arnsgrün tätig. Sein Sohn trat nun als Nachwuchs in seine Fußstapfen. Denn der Bäckermeister ist seit vergangenem Jahr im geschäftsführenden Vorstand der Thüringer Bäckerinnung in Erfurt tätig sowie im Vorstand der Kreishandwerkerschaft Zeulenroda. Außerdem ist er Mitglied des Arnsgrüner Feuerwehrvereins. Mandy Becher engagiert sich im Reit- und Fahrverein Arnsgrün.
Für ein erfolgreiches Weiterbestehen des Familienbetriebes wünscht sich der 51-jährige Bäckermeister für alle Gesundheit und immer zufriedene und treue Kunden. Und „Gott segne unser Bäckerhandwerk“.
Anlässlich des 110-jährigen Jubiläums veranstaltet die Bäckerfamilie mit Unterstützung der FFw Arnsgrün und Müllers Gasthaus einen bunten Nachmittag in und um die Bäckerei. Alle kleinen und großen Kunden sind herzlich eingeladen, am Sonntag, dem 1. September, ab 14 Uhr, bei der Besichtigung der Backstube, den Ausstellungen „110 Jahre Bäckerei“ und „Ortsansichten früher und heute“ von Klaus Frotscher, der Schauvorführung der Feuerwehr Arnsgrün, der Zweiradausstellung, dem gemütlichen Beisammensein mit Kaffee und Kuchen mit musikalischer Unterhaltung mit dem Elsterberger Duo Andreas und Fred dabei zu sein. Und für die Kinder sind sicherlich die Kinderbackstube mit Plätzchenbacken und die Rundfahrten mit dem Feuerwehrauto der Hit.
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3 Kommentare
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Gunter Linke aus Saalfeld | 19.08.2013 | 13:17  
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Renate Jung aus Erfurt | 19.08.2013 | 16:45  
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Hannelore Grünler aus Artern | 19.08.2013 | 22:53  
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