Auf dem kältesten Berg der Erde

Jürgen Landmann auf dem Gipfel des Mount McKinley, den die Einheimischen Denali nennen. (Foto: Jürgen Landmann)
 
Abstieg vom kältesten Berg der Welt. (Foto: Jürgen Landmann)

Bergsteiger Jürgen Landmann im Gespräch über seine bisher spektakulärste Gipfelbesteigung.

Einen Beinahe-Absturz mit nachfolgendem Rettungshubschrauber-Einsatz, einen eisigen Orkan bei minus 37 Grad, ein eingeschneites Zelt – all das und noch viel mehr hat der Thüringer Jürgen Landmann bei seiner Besteigung des höchsten Berges Nordamerikas erlebt. Jetzt ist der Bergsteiger vom Mount McKinley, den die Einheimischen Denali nennen, zurück in der Heimat. Ich sprach mit dem 45-Jährigen.

Der Mount McKinley gilt als kältester Berg der Erde. Welche Temperaturen herrschten auf dem Gipfel?
Als wir den 6194 Meter hohen Gipfel erreicht hatten, zog gerade die Sonne auf und es war gar nicht so schlimm. Viel extremer war der Orkan, der uns eine Stunde zuvor beim Anstieg überraschte. Eisiger Sturm bei minus 37 Grad – wir mussten uns mit beiden Händen am Felsen festkrallen, damit wir nicht aus der Wand geblasen werden. Das hatte ich noch nicht erlebt.

Wieviel Personen nahmen an der Gipfelbesteigung teil?
Gestartet sind wir vom Basislager aus zu sechst. Am Gipfel angekommen sind dann nur unser Guide Robert Durnell und ich.

Also verlief die Expedition nicht so wie geplant?
Expeditionen in diesen Bereichen verlaufen generell nicht immer so wie geplant! Beim Höhenbergsteigen kommt es oft zu unerwarteten Ereignissen.

Was waren diesmal die unerwarteten Ereignisse?
Während der vier Wochen gab es Schlecht-Wetter-Perioden mit Stürmen, Schnee und Eis. Dadurch kam es immer wieder zu Zeitverschiebungen. Die drei Mädels aus unserer Seilschaft waren dem Ganzen körperlich nicht gewachsen und mussten den Aufstieg vorzeitig abbrechen. Ganz schlimm war es nach dem dritten Hochlager, als unsere letzte Bergsteigerkameradin auf dem Weg nach oben plötzlich ohne Vorwarnung zusammenbrach und abstürzte. Das Sicherungsseil, in dem sie zwischen Robert und mir hing, verhinderte eine größere Katastrophe und rettete ihr das Leben. Sie zurück ins Lager zubringen war schwierig, da sie aus eigener Kraft kaum gehen konnte und immer wieder zusammenbrach. Sie wurde schließlich mit einem Rettungshubschrauber ins Tal gebracht.

Wie ging es dann weiter?
Wir haben uns innerhalb einer halben Stunde entschieden, weiter zu machen. Robert und ich haben dann unsere Sachen zusammen gepackt und sind in das letzte Hochlager gestiegen. Von dort aus haben wir am nächsten Morgen den Gipfel erklommen, den wir am 30. Juni um 15.47 Uhr Ortszeit – hier war es schon der 1. Juli 1.47 Uhr – erreichten.

Welches Gefühl hatten Sie auf dem Gipfel?
Glücklich, endlich oben zu sein! Man hatte uns ja im Basislager prognostiziert, dass der Aufstieg zum Denali das Härteste sei, was wir jemals zu bewältigen haben. Ich glaubte das nicht, schließlich hatte ich bereits zwei Achttausender bestiegen. Doch den höchsten Berg Nordamerikas zu besteigen war zumindest genauso schwer wie die beiden Achttausender.

Wie lange blieben Sie oben?
Etwa eine halbe Stunde. Robert meldete per Satellitentelefon unsere Gipfelbesteigung ins Tal, während ich meine Gipfelfahne entrollte und einige Fotos machte. Zum Glück hatte es gerade, als wir oben angekommen waren, aufgezogen! Wir genossen das prächtige Panorama. Das war wohl die Belohnung, dass wir uns durchgekämpft hatten.

Der Abstieg war dann wohl auch nicht ganz problemlos?
Zum obersten Hochlager gelangten wir in zwei Stunden. Dort übernachteten wir und wollten am nächsten Tag soweit hinab, wie es geht. Dabei sind wir in einen 24-Stunden-Schneesturm gekommen. Robert ist zweimal in eine Spalte eingebrochen, dann haben wir unser Zelt aufgebaut, das nach 20 Stunden komplett zugeschneit war!

Würden Sie diese Denali-Expedition als die Ihre spektakulärste einschätzen?
Auf jeden Fall. Vom Schwierigkeitsgrad mit den Achttausendern gleichwertig, aber auf Grund der äußeren Begleitumstände ungleich spektakulärer!

Die Gipfelbesteigung stand unter dem Motto „Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit – Für alle Völker der Erde“. Eine entsprechende Flagge haben Sie auch auf dem Denali entrollt. Wie kam das bei Ihren Bergsteigerkollegen in Alaska an?
Unglaublich gut. In den Lagern kamen wir mit Bergsteigern aus Brasislien, Indien, Südafrika und natürlich den USA zusammen. Alle waren begeistert von dem Motto, vor allem, weil ein Deutscher damit für internationale Verständigung wirbt.

Welches wird Ihr nächster Gipfel sein?
Im Frühjahr kommenden Jahres möchte ich den Mount Everest besteigen.

Welche Fahne nehmen Sie dann mit?
Die Fahne meines Heimatortes Langenwetzendorf, die mir unser Bürgermeister nach meiner Rückkehr aus Alaska überreicht hat!

ZUR PERSON
Jürgen Landmann ist Klempner und Installateur in einem Zeulenroda-Triebeser Unternehmen. Er hat zwei Kinder und lebt mit seiner Lebensgefährtin in Langenwetzendorf. Seit über zehn Jahren hat er sich dem Höhenbergsteigen verschrieben. Mit seiner Kamera hält er die Eindrücke seiner anspruchsvollen Expeditionen im Bild fest. Info: http://www.abenteuer-outdoor.eu/
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