Auf die Angst folgt der Horror! Schreibtrainer Ronny Ritze aus Stadtilm lässt das Blut gefrieren

Der schreckliche Ronny Ritze lädt zum schaurigen Schreibworkshop ein. (Foto: Ronny Welscher)
Saalburg-Ebersdorf: ... |

Sie wollte sich mit ihm im Mondschein treffen, nun hängt sie tot in einem kahlen Baum. Dem jungen Mann gefriert das Blut, als er in die weit aufgerissenen Augen blickt. Das ist der Stoff für gute Gruselgeschichten. Schreibtrainer Ronny Ritze zeigt, wie man Spannungsbögen aufbaut und den Leser bei gruseliger Laune hält.

Der Gedanke, sich mit dem hübschen Mädchen am Thüringer Meer zu treffen, erschien dem jungen Mann bei Tageslicht äußerst reizvoll. Doch sie wollte ihm unbedingt im Mondenschein begegnen. Jetzt ist er auf dem Weg zu ihr und wenn der Mond nicht schiene, wäre es stockfinster. Schließlich stehen im Wald keine Straßenlaternen. Einsam geht er seines Weges. Es ist still. Nur unter seinen Füßen knackt es. Über das Feld ziehen Nebelschwaden, auf der fernen Landstraße kämpft sich ab und an ein Scheinwerferpaar durch die Suppe. Endlich ist er da, doch wo steckt das Mädchen? Er blickt sich suchend um. Plötzlich lichtet sich der Nebel, das Mondlicht fällt auf einen kahlen Baum. Und dort hängt, mit blutdurchtränktem Kleid und weit aufgerissenen Augen, eine Gestalt...
"Stopp!", ruft Ronny Ritze. "Das geht viel zu schnell. Ein guter Horrorautor zeigt die Angst Stück für Stück, ein schlechter beschreibt das Ungeheuer unter dem Bett." Man kann es auch philosophisch ausdrücken: "Die Kunst ist wie ein Messer im Kopf. Derjenige, der es führt, sollte sorgsam damit umgehen, damit es ihn nicht schneidet." Ronny Ritze weiß, wie man mit Stichwaffen im Kopf umgeht. Der Mittdreißiger aus Stadtilm ist Journalist, Buchautor, Verleger und Schreibtrainer. In der dunklen Jahreszeit kann er sich eine Horror-Schreibwerkstatt gut vorstellen. Aber wo macht man so etwas?

Für Horrorgeschichten braucht man die richtige Umgebung

"Zoppoten im Saale-Orla-Kreis ist wie geschaffen dafür", weiß Ritze. "Der Ort liegt im Tal, es gibt einen Stausee, ringsum Felder, verträumter Wald. Doch wenn es Nacht wird, sind die Bauernhäuser verlassen. Eisige Nebelschleier ziehen aus dem Unterholz und kriechen über die Straßen. Gleich ist es Mitternacht. Zeit für eine letzte Geschichte..."
Im Kopf entstehen Bilder, die - je nach Horroraffinität - angenehme oder unangenehme Emotionen erzeugen. Wobei wir auch schon beim Handwerkszeug für eine gute Horrorgeschichte sind. "Über reale Ängste wie vor Spinnen, Höhe oder Enge gelangt man zu den paranormalen Ängsten: Wiederkehr, Dunkelheit, Geister." Horror funktioniert nicht ohne Einsatz der Sinne. Teilnehmer seiner Horrorwerkstatt müssten ihre Hände in Substanzen tauchen, die sie nicht sehen. "Das fühlt sich an, als würde man in einer Leiche wühlen. Dabei tropft Blut - natürlich kein echtes", beruhigt der Schreibtrainer.

Horror geht auch ohne Blut


Es muss aber nicht immer Blut fließen. "Das Schaurige kann auch in einem Windhauch lauern", sagt Ritze und erinnert wieder an die Sinne. "Es riecht nach Moos, feuchter Erde. Ringsumher klingen Spieluhren, Schneekugeln drehen sich. Aus dem Wald ertönt ein Schrei, Turmglocken läuten. Und wer will, nimmt einen Schluck Augapfelbowle - für den Geschackssinn."
Nach dem theoretischen Teil des Workshops - Biografien realer Serienmörder - wird eine Nachtwanderung durch den Wald ihre Wirkung kaum verfehlen. Taschenlampen hat nur der Meister - für den Fall, dass da wirklich eine Leiche liegt. Natürlich müsste man als Horror-Gastgeber einiges organisieren. Noch während die Gruppe fröhlich plappert, um das Angstgefühl zu übergehen, könnte eine maskierte Gestalt mit einer Kettensäge aus dem Gebüsch brechen. "Die Säge sollte schon funktionieren", empfiehlt Ritze. "Sonst ist das ja wie gewollt und nicht gekonnt. Dann heißt es nur noch: lauf weg, wenn du kannst."
Wer diese Grundängste kennt, weiß, wie Stephen King seine Bücher geschrieben hat, sagt der Schreibtrainer, der den Horrorschriftsteller zu seinen Lieblingsautoren zählt. "Horror muss voller Phantasie sein, darf aber nicht ins Lächerliche abgleiten. Dieser Spagat ist schwierig, aber erlernbar. Nehmen Sie zum Beispiel Hannibal Lecter - ein hochintelligenter Mann, der Menschen verspeist. Das finden die Leute nach 30 Jahren noch spannend."

Irrer Glanz in seinen Augen


Nach diesem Terror für die Sinne wäre es nun Zeit für eigene Geschichten. Spannungsbögen müssen aufgebaut, Charaktere herausgearbeitet werden. Schließlich sollen die geistigen Ergüsse irgendwann mal Leser finden. Mitten in den Unterricht platzt eine weißgewandete Frau mit weißen, wirren Haaren, die ihr Kindelein sucht. Darüber sollte man sich aber keine Gedanken machen. Auch nicht über den Arzt im blutbefleckten Kittel auf dem Stuhl neben dem Fenster. "Seit seine Klinik abbrannte, sitzt er dort mit seiner Kamera und fängt die Seelen der Menschen ein", erklärt Ritze und schafft es, einen irren Glanz in seine Augen zu zaubern. Der furchteinflößende Doktor ist ein Fotograf, der die Bilder später entsprechend bearbeiten wird. Schließlich sollen die Teilnehmer Ronny Ritzes Horror-Schreibwerkstatt in lebendiger Erinnerung behalten.

Informationen und Anmeldung:
www.ronnyritze.de

Diese "Spaziergänger" könnten auch euren Weg kreuzen....

https://www.youtube.com/watch?v=VWSa5S6Jn9o
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