Bahnhof Bernsgrün ade – Es war einmal

Zeulenroda-Triebes: Bernsgrün | Die Bernsgrüner Bürger sind verärgert. Hatten sie doch nie die Hoffnung aufgegeben, dass auf ihrem Bahnhof wieder einmal Züge zum Ein- und Aussteigen halten würden. Mit dem Abbau des Bahnwartehäuschens vor wenigen Tagen ist diese Hoffnung auf den Nullpunkt gesunken.
Dabei war die Freude am 13. November 2002 groß, als der Bahnhaltepunkt in Bernsgrün nach grundlegender Neugestaltung in Betrieb genommen wurde. Im Rahmen ihres Sofortprogrammes für die Verschönerung kleinerer und mittlerer Bahnhöfe hatte die Deutsche Bahn in Bernsgrün mit einem neuen Wetterschutzhaus, einem Informations- und Wegeleitsystem, der Anlegung von Grünflächen und der Pflasterung des Bahnsteiges diesem Haltepunkt ein völlig neues Aussehen gegeben. „Früher stand hier ein klassisches altes Holzhaus, an dem der Zahn der Zeit genagt hat. Nun wurde für rund 70.000 Euro ein Schmuckstück geschaffen, das den Reisenden schon am Bahnhof einen freundlichen Eindruck von der Oberlandgemeinde vermittelt“, so damals die Aussage des Bahnhofsmanagers Gerd Tucholka. Die Freude über den schönen Haltepunkt dauerte bis zum Sommer 2011. Von da an gab es keine Zughalte mehr in Bernsgrün, da nach Informationen der Bahn zu wenig Bernsgrüner Fahrgäste den Zug nutzten. Mit der Demontage des Wartehauses ist nun auch der letzte Hoffnungsschimmer auf die „Wiederbelebung“ des Bernsgrüner Bahnhofes geschwunden. Die Bahnanlage darf laut aufgestelltem Verbotsschild nicht mehr betreten werden.
Brigitte Härtel, Seniorin aus Bernsgrün, meint dazu: „Die Sanierung dieses Haltestellenstützpunktes hat so viel Geld gekostet, und jetzt das. Das ist schlimm. Ich hätte mir mehr Aktionen für dessen Erhalt gewünscht und dass wieder mal Züge in Bernsgrün halten. Das Leben auf dem Dorf ist so schwierig, kompliziert und teuer geworden. Muss ich zum Arzt, muss ich mir ein Taxi nehmen. Auf dem Land kann man nur noch existieren, wenn man ein Auto hat. Wer nicht fahren kann, muss wegziehen. So ist das“. Reiner Baumann, der den Abbau gesehen hat, erhielt auf seine Frage an die Monteure nach der Notwendigkeit die Antwort:“ Wenn ihr mit der Bahn fahren würdet, dann würden wir es nicht abbauen“. Für den Bernsgrüner Manfred Morgner ist es nicht nachvollziehbar, „dass der Haltepunkt wegen einer Minute Haltezeit in Bernsgrün aus dem Fahrplan genommen und die Haltestelle abgerissen wurde, obwohl diese teuer hier erbaut wurde. Die Leute wurden wieder mal vor vollendete Tatsachen gestellt. Dabei wird die Bevölkerung immer älter und ist von öffentlichen Verkehrsmitteln abhängig“.

Fotos: Die „Überreste“ des nun verwaisten Bernsgrüner Bahnhofes. Vorn links befand sich das schmucke Wetterschutzhäuschen. Die Bahnhofsuhr funktionierte seit längerem schon nicht mehr. Das Betreten der Bahnanlage ist nun verboten.
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Renate Jung aus Erfurt | 20.08.2014 | 01:11  
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