Bei Rudolf Wimmer aus Dobia sieht man die Engel singen. Und Sinn für Satire hat er auch

Die hässliche Fratze der Politik - kreiert von Rudolf Wimmer.
 
In einen ausgehöhlten Baumstamm baute Rudolf Wimmer einen Engelchor. Die Leiterin hat sogar Noten bekommen.
Zeulenroda: ... |

Vom Auftritt des Weihnachtsmannes hat Rudolf Wimmer ganz eigene Vorstellungen: Infolge Schneemangelns ist der Schlitten out - also schnallt der Rotbemantelte seine Geschenke auf ein Drachenfluggerät und fliegt mittels moderner Funktechnik durch die Welt.

Der 63-Jährige aus Dobia bei Zeulenroda fackelt nicht lange, solche Ideen umzusetzen. Am liebsten tut er das mit Holz, und zwar seit über 20 Jahren. Zu diesem lebenden, wohlriechenden und nachhaltigen Rohstoff hat er die größte Affinität: "Mein Vater war Zimmerermeister und ich arbeitete viele Jahre lang in der Forstwirtschaft."
Weihnachten und Ostern sind die Höhepunkte des Jahres , erzählt der geschickte Handwerker, während er einige seiner Schätze zu Demozwecken vorsichtig aus Plastikfolie pellt. Ohne diesen Schutz würden Holzarbeiten wie der Engelchor oder die hüfthohen Osterhasen verstauben.
Ideen für seine Holzfiguren und -szenen sammelt Rudolf Wimmer das ganze Jahr über. Leider bewahrt er die Notizen nicht in seiner mustergültigen Werkstatt auf und so kommt, was kommen muss: "Wenn ich sie brauche, finde ich sie nicht mehr und muss doch alles aus dem Kopf ziehen", erzählt er und lacht. Mit Zeichnungen verschwendet Wimmer keine Zeit: "Wie die Arbeit wird, so wird sie", sagt er. Vielleicht sieht er sich aus diesem Grund nicht als Holzkünstler, sondern -gestalter.

Rudolf Wimmer lebt im umgebauten Dorfkonsum


Für sein Hobby hat Wimmer in seinem Haus viel Platz. Das Haus selbst ist auch ein Produkt seiner Arbeit. Bis zur Wende fungierte es als Dorfkonsum. Wimmer kaufte es, baute es um. Heute ist der ehemalige Kaufladen ein moderner Flachbau mit Kaminzimmer und interessanter Raumverschachtelung. So führt der Weg durch einige Zimmer und Flure zu Wimmers Schatzkammer. Was er dort aufbewahrt, nimmt er mit zu Ausstellungen. Bis zur ersten Präsentation am 10. Dezember in Greiz ist zwar noch Zeit, doch Rudolf Wimmer hat schon mal vorsortiert. Der Engelchor kommt natürlich mit. Und die Weihnachtsmänner, die seit der letzten Saison dreidimensionale Bärte tragen. Vielleicht auch einige der Engel mit den verschmitzten Gesichtszügen.
In seiner Werkstatt - ein paar Schritte über den gepflegten Rasen vom Haupthaus entfernt - demonstriert er eindrucksvoll, wie aus einem Stück Holz ein Weihnachtsmann entsteht. Vieles wird Wimmer an Familie und Freunde verschenken. Er liebt es, Dinge zu verschenken, die er selbst gebaut hat. Den Engelchor und den zwei mal ein Meter großen Schwibbogen wird er wohl behalten. "Natürlich habe ich meine Lieblingsstücke, von denen ich mich nicht trennen will", gibt der ehemalige Forstmann zu.

Wimmers vier Jahreszeiten aus Gummi


Zurück im Kaminzimmer mit den geschmackvollen Sichtwänden und der gemütlichen Polstergarnitur erzählt Rudolf Wimmer, dass sein Ideenfluss zur 650-Jahrfeier von Dobia vor wenigen Wochen erstmals ins Stocken geriet. "Das Motto lautete 'Stroh ist out, Dobia gibt Gummi' und ich wusste beim besten Willen nicht, was ich mit Autoreifen anfangen sollte. Außer, sie mit Blumen zu bepflanzen." Doch dann stellten die Nachbarn ihre Erzeugnisse vor die Tür und der Holzmann staunte, was alles möglich ist.
"Davon inspiriert entwickelte ich meine vier Jahreszeiten - und zwar aus Gummi und Holz", berichtet Rudolf Wimmer und ist schon wieder auf den Beinen. Die fünf Reifen hängen gut sichtbar am Zaun vor der Vorgartentür. Fünf? "Vier Jahreszeiten und ein Protestreifen", erläutert Rudolf Wimmer. "Als ich neulich meine Werkstatt aufräumte, hielt ich plötzlich dies hier in den Händen", macht er es spannend und zieht ein kinderkopfgroßes Stück Holz aus russischer Kiefer hervor, dessen Maserung an ein Gesicht erinnert. "Ich brauchte nur noch den Mund auszuschneiden, die klebrige Zunge einzusetzen, einen Euro als Ohrring zu platzieren und die hässliche Fratze der Politik war fertig." Den Hintergrund für diese sarkastische Kreation erklärt der Reifen: innen ein Windrad, außen schwarz angemalt mit einem roten Fragezeichen, das für Ungewisses steht. Wimmer zeigt auf die beinahe unberührte Natur, die das Dörfchen Dobia umgibt und erklärt: "Dort soll ein Windpark entstehen. Keinen Kilometer vom Dorf entfernt. Das hier ist mein Protest." Bleibt abzuwarten, was der Reifen bei der demnächst anstehenden Versteigerung der Jubiläumsexponate einbringt.
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