Der Kaninchenexperte – Joachim Kapp zählt zu den erfolgreichsten Züchtern Deutschlands

  TRIEBES. Früher ließ er die Fäuste fliegen, heute hat er ein Händchen für die Kaninchen. Joachim Kapp gehörte in seiner Jugend zu den erfolgreichen Boxern der BSG Aufbau Zeulenroda und der BSG Wismut Gera. Seit über 60 Jahren züchtet er Kaninchen – auch das mit Erfolg. Unlängst überreichte ihm der Thüringer Landwirtschaftsminister in Erfurt zum wiederholten Mal die Preismünze für besondere Erfolge auf dem Gebiet der Rassekaninchenzucht. Der Allgemeine Anzeiger sprach mit dem 68-Jährigen in Triebes.

Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung! Was hat die Kaninchenzucht mit dem Boxen gemein?

Eigentlich gar nichts. Außer vielleicht die Herausforderung. Die habe ich früher beim Sport immer gesucht und die suche ich nun in der Kaninchenzucht von nicht ganz einfachen Rassen. Und natürlich die Faszination. So wie ich vom Sport begeistert war, ich war auch ein ganz ordentlicher Läufer und Wintersportler, haben mich schon immer die Tiere fasziniert. Als Schüler habe ich in einer Zeulenrodaer Schule das Terrarium betreut und als ich später einmal ein Marderkaninchen geschenkt bekam, war es um mich geschehen und der Grundstein für meine Kaninchenzucht gelegt.

Was fasziniert sie an der Kaninchenzucht?

Es ist ganz einfach die Freude, jedes Jahr die Jungtiere heranwachsen zu sehen. Es gibt doch nichts possierlicheres, als wenn kleine Kaninchen im Stall hoppeln. Und wenn die sich dann gut entwickeln und ihre volle Schönheit entfalten, fühlt man sich als Züchter bestätigt.

Welche Rassen züchten Sie?

Hauptsächlich Marderkaninchen. Hier vor allem Große Marder braun und blau, Marder braun und blau sowie Siamesen in gelb und blau, auch Gelbmarder genannt. Außerdem seit einigen Jahren lohfarbige Zwergkaninchen und seit nicht allzu langer Zeit auch Kalifornier.

Warum gerade diese Rassen?

Wie schon gesagt, auch als Züchter suche ich eine gewisse Herausforderung. Die Kalifornier zum Beispiel sind eher eine Außenseiterrasse. Sie sind recht schwierig zu züchten. Kalifornier verändern ständig ihre Farbe, die Tiere werden rein weiß geboren und zeigen das Phänomen der „Kälteschwärzung“. Diese farbliche Besonderheit von Ohren, Schnauzpartie, Blume (Schwanz) und Läufen wird die durch kühle Witterung gefördert und durch Wärme beeinträchtigt! Marderkaninchen wiederum werden bronzefarbig geboren, mit dem Fellwechsel erfolgt die Umfärbung zur rassetypischen Färbung, die bei späteren Fellwechseln wieder verwaschener wird. Was die Zucht von Marderkaninchen für Ausstellungszwecke schwierig macht.

Gerade mit den Kaliforniern und Mardern haben sie zahlreiche Auszeichnungen erhalten. Welche?

Eigentlich habe ich schon alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Beispielsweise zwei Europameistertitel, zwei Deutscher Meister, ein Deutscher Vizemeister, mehrere Bundesklubsiege und Bundessieger sowie etliche Landesmeistertitel.

Ist für Sie ehrenamtliche Vereinsarbeit wichtig?

Für mich persönlich ist eine aktive Vereinsmitgliedschaft sehr wichtig. Seit über 50 Jahren bin ich im Verein organisiert, zunächst in Zeulenroda, später in Triebes, wo ich auch Vorsitzender des Kaninchenzüchtervereins T 196 Triebes bin. Außerdem bin ich seit 1973 Vorsitzender des Thüringer Marderclubs sowie Rassesprecher für Marder, Siamesen, Kalifornier und Russenkaninchen im Zentralverband Deutscher Rassekaninchenzüchter. Darüber hinaus bin ich seit 1973 als Preisrichter deutschlandweit und darüber hinaus im Einsatz und Thüringer Schulungsleiter der Preisrichtervereinigung.

Welcher Stellenwert hat für Sie die Jugendarbeit?

Einen sehr hohen Stellenwert. Allerdings sind leider immer weniger junge Leute für die Kaninchenzucht zu begeistern. Waren vor einigen Jahren in unserem Kreisverband noch 20 Jungzüchter registriert, sind es heute nur noch fünf. Das Angebot hat sich für Jungzüchter neben der Zucht erweitert, indem auch Erzeugnisse und Bastelarbeiten ausgestellt werden können.

Also sieht es mit der Zukunft der Kaninchenzucht trübe aus?

Das würde ich so nicht sehen. Wir müssen verstärkt versuchen, das Interesse bei den Jugendlichen an unserem schönen Hobby zu wecken. Auch wenn man mit dem PC nicht züchten kann, so gibt es viele züchterische Dinge (Zuchtprogramme), wo der PC der für Jugendliche wichtig ist, unerlässlich ist. Außerdem hoffe ich auf die Älteren, die sich nach dem Berufsleben wieder verstärkt der Kaninchenzucht widmen. Die Kaninchenzucht wird es immer geben, in welcher Form auch immer. Künftig vielleicht noch mehr im ländlichen Raum, wo die Kaninchen als Fleischversorger gehalten werden.

Wie oft kommt bei Ihnen Kaninchenbraten auf den Tisch?

Nicht so oft, wie manche vielleicht denken! Als gelernter Fleischermeister verarbeite ich das hochwertige Kaninchenfleisch lieber zu Wurst. Man kann alle Wurstsorten aus Kaninchen herstellen, sogar Wiener und Roster. Überaus schmackhaft und gesund!

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin gute Zuchterfolge!
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