Die Kirche gehört ins Dorf. Andreas Jakob setzt sich seit Jahren für die Sanierung des Gotteshauses in Muntscha ein

Andreas Jakob lebt für die Dorfkirche. Der Muntschaer hat wesentlichen Anteil daran, dass sie wieder in neuem Glanz strahlt. Die Uhr muss täglich aufgezogen werden.
 
Der Muntschaer Uhraufziehplan.
Auma: Dorfkirche | Andreas Jakob (41, verheiratet, zwei Kinder) ist Muntschaer mit Leib und Seele. Den verdienten Urlaub ausgeklammert, hat er noch nie daran gedacht, sein Dorf zu verlassen. Er ist auf dem Hof der Eltern groß geworden.

Dank ihm wissen auch die Muntschaer, was die Stunde geschlagen hat. Seit nunmehr vier Jahren hat die Dorfkirche wieder eine funktionierende Uhr und zeigt in vier Himmelsrichtungen die richtige Zeit an. Er und drei weitere Mitglieder des Gemeindekirchenrats teilen sich im wöchentlichen Rhythmus ein, täglich die 60 Stufen bis zum Uhrwerk zu erklimmen, um sie per Hand aufzuziehen. „Das ist wie der Gang ins Fitnessstudio“, scherzt Uhraufzieher Jakob.

Dabei ist die Uhr nur der kleinste Teil, auf den er und die Muntschaer stolz sein können. Mit dem ehemaligen Gasthof, der seit dem Mauerfall geschlossen ist, hat die 150-Seelen-Gemeinde bereits eine Ruine. Nein, mit der Kirche eine zweite Ruine sollte es nicht geben. Als gläubiger Christ ist Jakob seit 2004 Mitglied im Gemeindekirchenrat. Die Dorfkirche sah damals nicht rosig aus. Der Außenputz war abgefallen. Die absturzgefährdete Wetterfahne musste abgenommen werden. Die Uhr ging seit Jahrzehnten nicht mehr. Im oberen Bereich des Turmes war das Gebälk vom Hausschwamm befallen.

Gemeinsam mit dem Kreiskirchenrat Gera wurde 2005 ein Sanierungskonzept erstellt. Eines wusste Jakob damals genau: Nochmals einen Kredit für die veranschlagten 150.000 Euro wollte man nicht aufnehmen. Bereits anfangs der 90er Jahre hatte der damalige Gemeindekirchenrat eine Schwammsanierung veranlasst, die bis 2011 abgezahlt werden musste. So kümmerte sich Andreas Jakob darum, dass Fördergelder vom Städtebau, dem Land, der Gemeinde, dem Thüringer Denkmalamt und dem Kreiskirchenamt Gera nach Muntscha flossen. Eine weitere Geldquelle erschlossen sich die Muntschaer mit ihrem 2009 erstmals wieder durchgeführten Dorffest, bei dem Jakob neben dem halben Dorf auch in die Vorbereitung und Durchführung involviert ist. Und letztlich lassen sich Baukosten durch eigenes Handanlegen sparen. 650 Stunden hat die Kirchgemeinde unter Leitung von Jakob geleistet: Bauschutt entsorgt, Fenster gesichert, das Kirchenschiffdach gesichert, Nacharbeiten für Zimmerer und Maurer… „Toi, toi, toi! Wir sind mit den Kosten hingekommen“, freut er sich. Die Sanierung der Turmuhr hat er mit einem Bekannten unter fachlicher Anleitung selbst in die Hand genommen. Für selbstständig arbeitende Digitalwerke hätte man nochmals 12.000 Euro benötigt. Die standen nicht zur Verfügung. Davon abgesehen, würde dann auch keiner mehr auf den Turm gehen. Schließlich sieht Jakob das Uhrwerk auch als Wunderwerk der Technik. Dank Lottomitteln konnten noch neue Zifferblätter und die Wetterfahne in Auftrag gegeben werden.

Der unermüdliche Einsatz der Muntschaer und insbesondere Andreas Jakob für die Dorfkirche wurde im September mit dem Denkmalschutzpreis 2012 geehrt. Das heißt allerdings nicht, dass die Arbeiten an dem Gotteshaus bereits abgeschlossen sind. Derzeit wird der Außenputz erneuert und die Kirchgemeinde hilft dabei wieder. Das notwendige Geld fürs Dach konnte Jakob noch nicht auftreiben. Aber er ist guter Hoffnung, dass ihm das nächstes Jahr gelingt.
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5 Kommentare
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Karin Jordanland aus Artern | 30.10.2012 | 12:40  
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Joachim Kerst aus Erfurt | 30.10.2012 | 14:23  
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 30.10.2012 | 15:42  
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