Ein Jahr in Afrika. Was für viele Thüringer undenkbar, ist für zwei junge Sächsinnen eine Herausforderung

Im besten Einvernehmen: Für den ostthüringer Verein "Kinderhilfe Westafrika" gehen Tabea (rechts) und Karin für ein Jahr nach Ghana.
 
Blühende Landschaften sind in Ghana eher selten - die jungen Frauen lassen sich überraschen.
Mohlsdorf-Teichwolframsdorf: ... |

Alexandra Häckel vom Verein "Kinderhilfe Westafrika" ist ratlos. Für die Freiwilligendienste in Ghana, Benin und Burkina Faso, die der Verein organisiert, erhält er Anmeldungen aus ganz Deutschland. Nur in Thüringen, wo er zu Hause ist, scheint das Interesse marginal. Dabei werden für dieses und kommendes Jahr noch Helfer benötigt, die sich auf den weiten Weg in die große Hitze machen.

Für Tabea Heck und Karin Gräßer aus dem sächsischen Plauen - einen Steinwurf von der thüringischen Landesgrenze entfernt - ist Hilfe in der Not ein Selbstverständnis. Die 18-Jährigen haben gerade Abitur gemacht. Im September ziehen sie aus, um in Ghana innerhalb ihres Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) etwas Sinnvolles zu tun, bevor sie sich daheim ihrem Psychologie- beziehungsweise Landwirtschaftsstudium widmen. AA-Redakteurin Jana Scheiding hat die beiden christlich geprägten jungen Frauen getroffen.

Mit 18 ein Jahr in Afrika zu verbringen, ist ziemlich mutig.
Tabea Heck: Das ist Abnabelung auf krassem Weg, aber ich denke, dass wir an dieser Aufgabe wachsen werden.
Karin Gräßer: Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt. Während des Studiums und danach werden wir nicht mehr so unbeschwert sein.

Was werdet ihr in Ghana tun?
Karin: Innerhalb des Förderprogramms „Extra Classes“ erteilen wir Waisenkindern Nachhilfeunterricht. Wir werden dabei viel Freiraum für eigene Projekte haben. Auch müssen wir ein Gespür dafür entwickeln, womit man die Kinder motivieren kann. Das wird nicht einfach werden – wir kommunizieren auf Englisch und es gibt in Ghana viele Dialekte.
Tabea: Wir werden uns neu organisieren, strukturieren und eigene Ideen realisieren – vielleicht klappt die Kommunikation über Musik – Karin nimmt ihre Gitarre, ich nehme meine Geige mit.

Habt ihr Angst vor einem Kulturschock?
Tabea: Nein, der Verein bereitet uns sehr gut auf den Einsatz vor. Ich bin gespannt auf das Gefühl, wenn rundherum alles anders ist. Und an den Kulturschock glaube ich eher bei unserer Rückkehr in die Überflussgesellschaft. Ich hoffe, dass ich nicht frustriert nach Hause zurückkehre, sondern das, was ich hier habe, mehr wertschätze.
Karin: Viele Freiwillige vor uns haben ihren Einsatz verlängert, weil sie Teil der Gesellschaft dort geworden sind. Ich bin gespannt, was uns erwartet.
Tabea: Ich denke, dass wir in Ghana gut empfangen werden, wenn wir nur offenen Herzens hinkommen.

Nehmt ihr deutsche Tugenden mit, zum Beispiel Pünktlichkeit?
Karin: Ich denke, dass wir uns in vielem umstellen müssen. Mal sehen, wie weit wir mit der deutschen Pünktlichkeit kommen.

Habt ihr Angst vor Krankheiten, wie Malaria?
Tabea: Wir schlafen unter dem Moskitonetz. Und wenn etwas passiert, dann gehen wir zum Arzt. Man kann im Leben nicht vor allem und Jedem Angst haben.

Wie stehen eure Lehrer, Eltern, Freunde zu eurem Vorhaben?
Karin: Meine Lehrer glauben, dass der Einsatz gefährlich sei, doch mich würde es nicht weiterbringen, wenn ich beispielsweise in den USA meinen Lebensstandard weiterlebe. Was meinen Freund betrifft, so denke ich, dass eine Beziehung über die Entfernung tiefer werden kann. Er wird während dieser Zeit auch im Ausland sein, worüber ich sehr froh bin. Ich finde es schwierig, zurückzubleiben. So haben beide Partner neue Eindrücke, die sie miteinander teilen können.
Tabea: Meine Familie sorgt sich, lässt mir aber die Freiheit der Entscheidung. Schwierigkeiten können überall auftreten, auch wenn ich Work & Travel oder einfach nur Urlaub machen würde. Mein Freund verbringt ein Jahr in Australien. Er ist der Mensch, mit dem ich zusammenleben möchte und ich glaube, dass dieses Jahr die Beziehung auf eine andere Ebene heben wird.

Werdet ihr euch in Afrika auf euren Glauben verlassen?
Karin: Wir sind Christen und wir nehmen unseren Glauben mit, weil wir auch in eine Gesellschaft kommen, die durch den Glauben verbunden ist.
Tabea: Mir gibt der Glaube Halt, ich bin daran gewachsen. Und in kritischen Situationen fühle ich mich davon getragen.


Zur Sache:
Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) bietet jungen Menschen die Möglichkeit, ein Jahr lang ein spezifisches Berufsfeld kennenzulernen, sich zu orientieren oder sich im Ausland zu engagieren.
Der Verein "Kinderhilfe Westafrika" aus dem ostthüringischen Kahmer steht für christliche Wertevermittlung und organisiert innerhalb des "weltwärts-Programms" Freiwilligendienste nach Ghana und Benin für junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren möchten. Gefördert wird dieser entwicklungspolitische Freiwilligendienst vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.
Innerhalb des "Kinderhilfe-Freiwilligendienstes" entsendet der Verein junge Menschen nach Burkina Faso. Für beide Programme sucht er Freiwillige, denen er ein fachlich-pädagogisches Begleitprogramm inklusive Vor- und Nachbereitungsseminare bietet.
www.kinderhilfe-westafrika.de
Telefon: 03661/612281
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3 Kommentare
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Bruni Rentzing aus Sondershausen | 22.06.2017 | 16:02  
Jana Scheiding aus Arnstadt | 22.06.2017 | 16:44  
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Bruni Rentzing aus Sondershausen | 27.06.2017 | 01:17  
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