Exklusiv zum Nachlesen: Laudatio zur Ehrung für Theo Kühnel

(Foto: Kai Dittmann)
Langenwetzendorf: Gemeinde | Am 5. Dezember fand die Seniorenweihnachtsfeier für Langenwetzendorf und seine Ortsteile statt. Musikalisch wurde die Feier von der Heimatgruppe Zeulenroda untermalt. Über 200 Besucher kamen und wurden noch mit einem Programmpunkt überrascht- Die Verleiung der Ehrenbürgerschaft an Theo Kühnel, einem ehemaligen Lehrer der Langenwetzendorfer Schule. Bürgermeister Kai Dittmann und Wilfried Pucher fand dazu die passenden Worte. Die Ehrung erfolgte auch durch einstimmigen GR- Beschluss.

Die Laudatio von Kai Dittmann finden Sie exclusiv hier zum nachlesen:

„ Die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes beginnt nicht in der Fabrikhalle oder im Forschungslabor. Sie beginnt im Klassenzimmer“

Mit diesen Worten von Lee Iacocca eines US-amerikanischer Manager in der Automobilindustrie, möchte ich, meine Damen und Herren, die heutige Veranstaltung zum Anlass nehmen, eine Ehrung vorzunehmen, die mir persönlich ein besonderes Bedürfnis ist.

Ganz besonders begrüße ich hierzu Sie, lieber Theo Kühnel, um den sich jetzt in meinen weiteren Ausführungen alles dreht.

Gleich werden Sie für ihr langes Wirken für das Wohl unserer Gemeinde als Lehrer die Ehrenbürgerurkunde erhalten.

Es freut mich sehr – auch weil es in meine Amtszeit fällt –, dass gerade Sie die höchste Auszeichnung verliehen bekommen, die die Gemeinde Langenwetzendorf zu vergeben hat.

Eine Laudatio zu halten, wie ich es jetzt vor mir habe, ist immer eine willkommene Aufgabe.

Darf man doch einen Menschen aus dem eigenen Umkreis würdigen und herausragendes Handeln nochmals ins Licht der Öffentlichkeit rücken.

Heute habe ich ein Schaffen zu honorieren, ein
beispielhaftes Engagement in unserer Gemeinde, für das wir Sie, lieber Theo Kühnel, nun zum Ehrenbürger ernennen.

Und da stellt sich für mich als Redner als Erstes die Frage nach der Auswahl. Welche Stationen deines reichen Lebens rufe ich in Erinnerung? Welche Verdienste beleuchte ich näher?
Deshalb vertraue ich dem Sprichwort, dass weniger mehr ist, und hebe an dieser Stelle nur ein paar Wegmarken hervor.

Sie haben die Grundschule in Naitschau besucht und danach die Aufbauschule, heute auch mit dem Gymnasium vergleichbar. Von dort wurden sie zum Krieg eingezogen.

Nach dem Krieg im Jahr 1946 begannen sie hier in Langenwetzendorf als sog. Junglehrer ihre Arbeit.


So kurz nach dem Kriegsende mussten Menschen rekrutiert werden die geeignet waren, zu unterrichten. Viele ehemalige Lehrer waren entweder im Krieg gefallen oder durch Vorbelastungen durch ihre Parteimitgliedschaft bei den Nazis ausgesondert worden.

Während ihrer Lehrtätigkeit absolvierten Sie in Berufsbegleitung ihr Lehramtsstudium in Jena.

Mit der Übernahme des Hauses vom Pensolds Otto, ihrem Schwiegervater, war eigentlich schon die Verwurzelung in Langenwetzendorf festgelegt.

In den vielen Jahren ihrer Lehrertätigkeit als Musik, Physik, English und Mathematiklehrer vermittelten sie nicht nur den Lehrstoff der vorgegeben war. Vielmehr vermittelten sie auch Werte; Werte wie Anstand, Achtung, Ehrlichkeit, Gründlichkeit und Genauigkeit.

Sie haben mehrere Generationen erzogen, erzogen auch durch ihr eigenes Vorbild, erzogen die Werte zu achten.

Man könnte sagen die Ehrung eines Lehrers ist nicht notwendig, denn er hat doch nur die Arbeit gemacht für die er bezahlt wurde. Nun, wenn es so wäre dann brauchten wir heute keine Ehrung vorzunehmen.

Aber es sind gerade diejenigen Menschen in unserer Gesellschaft, die sich über das normale Maß hinaus einsetzen und ihren Mitmenschen, unserer Gesellschaft, damit helfen.

Schauen sie heute in eine Schule; es klingelt zum Unterrichtsschluss und damit ist die Stunde zu Ende. Der Lehrer ist in Hast um in eine andere Schule zum weiteren Unterricht zu fahren.

Zeit für Fragen der Schüler ist nicht vorhanden. Der persönliche Bezug von Schüler und Lehrer geht verloren.

Das liegt auch daran dass immer mehr Lehrer nicht mehr am Standort der Schule ihren Wohnsitz haben.

Sie haben Angebote an höheren Schulen abgewiesen, sie stellten die Nähe zu ihren Eltern und zum Schwiegervater in den Vordergrund, sie wollten hier in Langenwetzendorf bleiben.



Theo Kühnel war immer ein Ansprechpartner und half jedem, der ihn brauchte, auch außerhalb der Schulzeit, auch sehr oft bei sich zu Haus.

Noch vor kurzer Zeit war er ein gefragter Nachhilfelehrer mit übervollen Terminkalendern. Und ich könnte mir vorstellen, das immer noch Anfragen kommen.

Erst später erkannte auch ich als ehemaliger Schüler von ihm, dass man ihn wirklich als Freund und nicht als Lehrer erkennen hätte müssen.

Aber diese Einsichten kommen erst mit der eigenen Lebenserfahrung.
Manchmal ist es mir so vorgekommen dass er gar nichts anderes sein konnte, als ein Lehrer, diese Aufgabe war ihm gegeben.

Wenn in unserer Gemeinde über Lehrer gesprochen wird, fällt meist in diesen Zusammenhang der Name Kühnel.

Er steht mit seiner Person für Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und vor allem mit einem großen Wissen.

Im Umgang mit den Schülern und den Lehrerkollegen förderte er den kollektiven Zusammenhalt und gegenseitigen Respekt.

Mit kleinen Anekdoten möchte ich aber auch den Schulalltag beleuchten, mit Dingen die manche wissen oder auch noch nicht wussten.

Einige haben mir erzählt dass es fatal war zu glauben man könnte die Mathematikhausaufgaben noch schnell vor der Unterrichtsstunde von Klassenkamerad abschreiben.

Beim morgendlichen Betreten der Schule wartete Herr Kühnel schon am Eingang und verlangte nach einen freundlichen Guten Morgen die Hausaufgaben. Schlecht gelaufen für die, welche noch die Abschrift vor hatten.
Jahre zuvor wäre bestimmt noch der Rohrstock die Belohnung für vergessene Hausaufgaben gewesen. Aber wie sagte Wolfram Weidner, ein Journalist und Aphoristiker : „ Fortschrittliche Schulen haben die Prügelstrafe durch die Mengenlehre abgeschafft.“

Auch hegte und pflegte er die alten Schulbänke im Mathezimmer der alten Schule. Sie wurden abgeschliffen und in Ordnung gehalten.

Denn sie hatten einen großen Vorteil zu den neunen Schultischen, sie waren fest mit dem Boden verbunden und kippeln nicht, auch das Tische schieben war unmöglich. Das brachte Ruhe in den Unterricht.



Seine Klassenfahrten oder Klassenausflüge waren bestens organisiert und immer unter heimatbezogene Themen gesetzt.

Gerade unsere Heimat unsere Geschichte, waren und sind ein großes Hobby von Theo Kühnel.

Seine vielen Interessen brachte es auch mit dass Herr Kühnel mit Jürgen Theilig den Zoo in Rostock besuchte.

Dort konnte Herr Kühnel unter Beweis stellen, dass im Zoo auch wilde Tiere leben, denn er wurde von einem Affen gebissen. Und das nicht nur sprichwörtlich.

Zur guten Sitte der Gesellschaft zählt auch der Tanz. Diese wurde auch von Herrn Kühnel bei einem Lehrerausflug in Gera gepflegt.

Nach Beendigung des Tanzes mit Bärbel Drechsler hob Herr Kühnel sie in die Luft, um dem Ende des schönen Tanzes einen akrobatischen Abschluss zu geben.

Anscheinend war aber die damalige Beinmode des Herren sehr eng konfektioniert, denn durch das Heben von Frau Drechsler öffnete sich ein Riss in der Hose.

Liebe Anwesende, sie sehen dass der Beruf des Lehrers nicht nur mit den ernsten Dingen des Lebens verbunden ist.

Auch persönlich kann ich von einer Episode berichten. Meiner Frau war in ihrer Firma die Aufgabe gestellt, eine neue Regelung zur Vergütung von Umsatzprämien zu erarbeiten.

Dabei war es erforderlich den Übergang einer linearen Funktion in eine progressive Funktion zu erstellen. Denn ein Computer macht auch nur das mit was man ihn füttert.

Leider ergab sich bei jedem Lösungsversuch immer ein kleines Säckchen beim Übergang der linearen zur progressiven.

So rief ich bei Herrn Kühnel an und erbat Hilfe.
Zusammen saßen wir im Wohnzimmer von Herrn Kühnel und erklärten unser Problem.

Die Lösung wurde uns nicht ohne weiteres gegeben, nein wir sollten doch einmal genau nachdenken, wie denn das so war, uns vielleicht mal mit einer Nullpunktbestimmung auseinander zu setzen.

Herr Kühnel holte seine Unterrichtsunterlagen von damals, sauber auf Millimeterpapier, und seinen Schulrechner SR 1, den auch wir heute noch benutzen.

Mit seinen Hinweisen brachte er uns dazu die richte Gleichung herzuleiten.

Das war so eine Episode wie sie bestimmt viele von ehemaligen Schülern berichten könnten.

Ich könnte noch viel über Sie erzählen, vieles was mir in den vergangen Wochen von ihren ehemaligen Schülern, ihren Kollegen, Freunden oder Verwandtschaft berichtet wurde.

In einem waren sie sich alle einig, diese Ehrung ist wirklich verdient.

Die Ehrung heute soll aber auch eine Ehrung für alle Lehrer sein, die uns allen und unseren Kindern und Enkeln und Urenkeln usw. den Grundstock für ihr weiteres Leben gaben und geben.

Hoffen wir dass die jetzigen Verantwortlichen der Schulpolitik endlich zur Vernunft kommen und sich zurück besinnen, was eine solide Schulbildung braucht. Sie braucht die Vermittlung von Wissen und Werten, und sollte nicht als Experimentenkabinett von sogenannten Bildungsexperten, die hier in Thüringen ihr Unwesen treiben, benutzt werden.

Lieber Theo Kühnel,

für ihr Schaffen hier in unserer Gemeinde, ob als Lehrer, als ehemaliger Leiter des Männerchores, oder auch einfach als Mitmensch und Freund, möchten wir Ihnen heute mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft ganz herzlich danken.

Diese Leistung findet heute in der Verleihung der
Ehrenbürgerschaft eine angemessene Würdigung.

„Die Welt ist die wahre Schule, denn da lernt man alles von selbst“ ;
ein Zitat von Johann Nepomuk Nestroy, sie lieber Theo Kühnel haben unsere Welt unseren Ort zur Schule gemacht.

Dafür zeichnen wir Sie heute aus und dafür möchte ich Ihnen, bevor ich gleich die Ehrenbürgerurkunde überreiche, meinen herzlichsten Glückwunsch aussprechen.

Vielen Dank.

Kai Dittmann
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