Festtagsgedanken in einer Konsumwelt

Wir gehen in einen Supermarkt, das Angebot ist vielfältig und breitgefächert. Man könnte sagen es gibt kaum etwas, das man nicht bekommen könnte, um sein Leben so angenehm wie möglich zu gestalten.
Wir ertrinken förmlich in der reichhaltigen Fülle an Konsumgütern und ersetzen gnadenlos Altes durch innovatives Neues. Feste werden für Kinder zu einem kommerziellen Super-Gau, wenn nicht schon im Kindergartenalter ein Handy im Osternest zu finden ist. Es mutet scheinbar trivial an und doch ist`s ein winziges Leiden der modernen Weltanschauung.

Fragen wir uns was für unsere Kinder das Beste ist, sind sich alle Mütter und Väter einig: Nur das Beste vom Besten für unsere Kinder! Auf jener Seite der Medaille freilich, doch was ist auf der anderen zu finden. Was erwartet uns jenseits unseres heilen Konsumrausches, in welchem Ausmaß sind wir bereit über unseren selbsterfundenen Tellerrand hinaus zu spähen? Könnten wir den Anblick des Zerfalls industriell geborener Strukturen ertragen, oder würde unser selbstgestricktes Bild vom Verbraucheridol dahinschmelzen, wie die Polarkappen unserer Welt und sei es nur durch ein Gespräch, mit jemanden der den Blick hinüber gewagt hat.

Am Freitag betrat ich nach eben solch einem Gespräch den Supermarkt, mit gemischten Gefüllen. Ich betrachtete die Vielzahl an hungerstillenden Variationen von Lebensmitteln, die verlockenden Angebote an neuerfundenen Lebensweisheiten, den stetigen Appetit an konsumgerechten Marktlücken und fragte mich, ob diese doch oberflächliche gestrickte Welt einen schockierenden Aufprall an Realität überleben könnte.

Natürlich möchte ich als Mutter von zwei Kindern ebenfalls nur das Beste für meine Kleinen, doch was ist mit den Müttern in fernen Ländern die nicht einfach in einen Supermarkt gehen und den Hunger ihrer Kinder mit Lebensmitteln stillen können, die sauberverpackt in diversen Regalen auf ihren Abnehmer warten.
Was ist mit den Müttern die ihren Kindern grausame Dinge antun, nur um den Rest der Familie am Leben erhalten zu können. Was ist mit den Kindern die auf Straßen leben und "arbeiten" müßen, um an einem nächsten Morgen erneut aufwachen zu dürfen.

Schon von Kindesbeinen an wird auf eine "Markengerechte Ausstattung" unserer Kinder geachtet, jene Kinder auf der anderen Seite der Medaille haben selten noch eine Kindheit. Ihre Augen leuchten bei einer Mahlzeit, während unsere Kinder geschmacklich mit immer neueren Lebensmittelanimationen geköttert werden müßen, um dem Konsumanforderungen gesundheitsbewußter Eltern gerecht zu werden.

Meist beginnt schon im Supermarkt, der Kern der Aussage: " wenn Ostern und Weihnachten zusammenfallen", neue Dimensionen zu entwickeln und die Verlockungen nach berauschenden Festlichkeitsverstärkern hat hier bereits Monate zuvor ihre Geburtsstätte und dem damit verbundenen Höhepunkt erreicht, hier finden Angebot und Nachfrage zusammen, hier wird Konsumwahn geboren und hier befindet sich der beste Ort, um sich über die unschönen Facetten der Realität hinwegzutrösten. Nur hier kann man sein was man möchte, eine Marionette der Industrie, ob unbedacht oder ungewollt spielt längst keine Rolle mehr. Zu sehr sind wir bereits diesem Muster verfallen und vehement wählen wir, wie unsere Ahnen stetig dasselbe Schema.

Menschlicherweise möchte sich keiner angesprochen füllen und doch sollten auch wir gerade an solchen Tagen, eben diese Blick hinüber wagen und ein Stück weit, auch an andere Kinder und nicht nur an die unseren denken. Wäre es solch ein Verlust in unseren Geldbörsen den Kindern einen Zufluchtsort zu ermöglichen, wo wir doch auch mit seligen Gesichtern Gelder für lebensbejahende Therapien opfern.

Warum sollten nicht ALLE Kinder das sein können, was sie ohnehin sind- freie Gedankenträger, mit in Frohmut getauchten, ungescholltenen Seelen. Ob nun in anderen oder in unserem Land, stets ist diese Problematik allgegenwärtig. Hausgemacht ist`s ohne wenn und aber, eingebetet in unseren Ansichten ruht es auf gesprochenen Floskeln undurchsichtiger Philosophien.

Der Punkt der Dramaturgie hingegen scheint ungeklärt, wenn unsere Kinder statt eines Handys, das Bild eines Patenkindes in ihren Osternestern wiederfinden würden, welches satt und ohne Angst in die Kamera lächeln kann. Welches ein Dach über dem Kopf und einen Ort gefunden hat, an welchem es ohne Angst einschlafen und erneut erwachen darf, an welchem die Hoffnung geboren und der Mut zum Weiterleben seinen Raum finden könnte.

Nun, liegt es nicht doch ein Stück weit in unserer Verantwortung die Fäden einmal mehr selbst in die Hand zu nehmen und eingepferchte, altbewerte Wege neu zu dirigieren.
Was denken Sie, wie wird das Osternest ihrer Kinder in diesem Jahr aussehen?
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3 Kommentare
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Silke Dokter aus Erfurt | 14.03.2013 | 08:56  
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Simone Guhr aus Zeulenroda-Triebes | 14.03.2013 | 19:26  
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Silke Dokter aus Erfurt | 14.03.2013 | 23:16  
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