Greizerin Annett Wagner auf Weltreise

Bananenschiff noch unbeladen (Foto: Alle Bilder Annett)
 
Meine Kapitänskabine
Mit einem Bananenschiff ging es gleich am nächsten Tag weiter. Diese Fahrt werde ich wohl nie vergessen, denn es sollte eines der schönsten, aber auch weniger angenehmen Erlebnisse zugleich werden!
Zu den schönen Erlebnissen an Bord gehörten eindeutig die Kontakte zu den Einheimischen, vor allem zu den Kindern. Kaum hatte ich das Schiff betreten, stand schon eine fröhliche Horde vor meiner Kabine, die mich neugierig beäugten. Ich habe mich schnell mit ihnen angefreundet, Karten gespielt und Englischunterricht erteilt.
An unzähligen Dörfern am Ufer, die oft nur aus einem Haus bestehen, hielten wir, um Bananen und Menschen einzusammeln, bis das Schiff krachend voll war. Von allen Seiten kamen Einbäume angepaddelt, die mit Bananen beladen, fast untergingen. Diese wurden von den armen Bauern für " `nen Appel und `n Ei" abgekauft. Schätzungweise 200 Leute drängelten sich inzwischen an Bord. Das Schiff, das nur alle 14 Tage fährt, ist für sie die einzigste Verbindung, um nach Iquitos zu gelangen und dort Waren zu verkaufen oder einzukaufen.
Während sich die Zugestiegenen auf 2 Decks zu zweit oder dritt eine Hängematte teilten, hatte ich als einzigste (und zahlungskräftige) Touristin das luxeriöse Privileg, in der Kapitänskabine mit Doppelstockbett allein schlafen zu dürfen. Aber die Stimmung unter den Indianern war trotz der Enge gut, sie sind sehr geduldig, fröhlich und bescheiden.
Das Essen könnte dürftiger nicht sein. Da ich kein Fleisch esse, gab es für mich wahlweise Reis mit Linsen oder Linsen mit Reis, dazu ein Stückchen gekochte oder fritierte Banane, früh und abends eine milchige Brühe mit trockenem Brot. In weiser Voraussicht hatte ich Obst u.a. eingekauft. Der Chefmanager neckte mich gern und hielt mir gekochtes Krokodilfleisch oder gegrillte Maden unter die Nase, die ich aber dankend ablehnte. Er erzählte mir, dass er bereits als Kind den Kopf und die Hände eines Affenbabies zu essen vorgesetzt bekam, und er aß alles: inclusive Knochen, Ohren, Augen... Mir wurde schon von dem Gedanken allein schlecht!!!
Eine deutsche Frau reist allein in dieser Gegend herum, hat keine Wohnung und isst kein Fleisch – für ihn bin ich ein merkwürdiges Rätsel. Genauso ist für mich unverständlich, wie man in diesem schmutzigen Amazonas, in dem alle Abwässer, Fäkalien hineinfließen und Müll hineinfliegt, die Wäsche so weiß bekommt ...
Das Schiff ist bereits proppevoll, aber von den Schiffsjungen werden noch viele Tiere an Bord gehievt und gezerrt: ein Büffel und mehrere Kühe, die massiven Widerstand leisteten, kamen in eine Box auf dem Vorderdeck. Schreiende Schweine wurden gewogen und zu den Bananen gesteckt, Hühner am Hals in die Körbe aufs Dach gebracht. Sie alle kommen auf den Markt in Iquitos und landen irgendwann im Kochtopf.
Ich fragte mich anfangs, was mit den Tierfäkalien passiert, denn 3,5 Tage sind eine lange Zeit und der Gestank in der Hitze kaum zu ertragen. Zumindest auf dem Vorderdeck wurde ab und zu der Schlauch ins Wasser gehalten und das Ganze einfach hinweggespült. Die hygienischen Zustände an Bord kann man nur als "katastrophal" bezeichnen. Wasch- und Duschwasser gab es nur aus dem Rio, in dem alles herumschwimmt, und das Kaffeewasser war vorher schon bräunlich... Ich hab gesehen, dass die Indianer das Flusswasser trinken. Ihnen scheint es nichts auszumachen, aber mein Verdauungssystem würde die Dreckbrühe nie und nimmer vertragen und ich genoss meine 4 l Trinkwasser, die ich mir mitgebracht hatte.
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 09.09.2013 | 00:26  
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Hannelore Grünler aus Artern | 09.09.2013 | 11:38  
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