Hochkonzentriert und entspannt. Meditieren durch Bogenschießen und Malerei mit Shunyam in der Oshostadt Zschachenmühle

Meditation durch Bogenschießen: Künstler Shunyam, seit 2005 Bewohner der Oshostadt Zschachenmühle, findet durch Kyudo zur inneren Ruhe.
 
Shunyam musizierend inmitten seines Ateliers. Das Gitarre spielen ist für ihn nicht nur Meditation, sondern schafft auch Verbindung zur Welt außerhalb der Kommune.
Remptendorf: Zschachenmühle | Shunyam stellt sich an der Honza, der Vorbereitungslinie, auf. Die Füße stehen parallel. Die Haltung ist aufrecht, das Kinn etwas angezogen. Der Blick geht schräg nach unten. Shunyams linke Hand hält den Bogen mit nach außen gerichteter Sehne. Dabei befindet sich die Bogenspitze vor der Körpermitte, etwa zehn Zentimeter über dem Boden.

Bis zum Abschuss des Pfeiles folgen über ein Dutzend weitere klar definierte Bewegungsstufen, der Fachmann spricht von Hassetsu. Man muss Shunyam keine fünf Minuten zuschauen, um festzustellen, dass es sich hier nicht um gewöhnliches Bogenschießen handelt, bei dem es einzig gilt, das Ziel zu treffen. Vielmehr steht Meditation im Vordergrund. Um die durch Bogenschießen erreichen zu können, hat sich Shunyam dem Kyudo verschrieben.

Kyudo gilt als eine der klassischen japanischen Kampfkünste, die sich aus den Waffentechniken der Samurai entwickelt hat. Mit der Einführung von Feuerwaffen im 16. Jahrhundert verlor das Bogenschießen an militärischer Bedeutung. Gelehrt wurde es den Samurai weiterhin, wobei die geistigen Aspekte in den Vordergrund traten.

Bekannt ist Kyudo für seine langsamen Bewegungen, die dennoch kontinuierlich ohne Stillstand verlaufen. Achtsamkeit, Gelassenheit und Konzentration geben sich die Hand mit Langsamkeit, Kontinuität und Lockerheit. Shunyam ist während des Bogenschießens hochkonzentriert und gleichzeitig total entspannt.

Peter Schaden – so Shunyams bürgerlicher Name – ist Künstler. Bildhauerei und Malerei hat er an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart studiert. Nach freiberuflichem Schaffen zog er erneut in das vertraute Haus ein, diesmal als Lehrer für künstlerische Druckgrafik.

Erste Impulse mit der ostasiatischen Kultur erfuhr Peter Schaden Ende der 1960er Jahre. Was ist dran an Buddha, Meditation und den ganzen Figuren? In den frühen 70er Jahren wurden vor allem Meditation und Yoga von der westlichen Welt importiert. „Damit hat alles angefangen“, so Schaden. In der riesigen Zahl von Gurus tauchte ein junger Inder auf, der es ihm angetan hat. Baghwan Shree Rajneesh hieß er damals, ab 1988 bis zu seinem Tod 1990 Osho. Noch zu seinen Lebzeiten wurden viele Kommunen gegründet. Die Begegnung mit dem indischen Mystiker 1981 änderte Schadens Leben von Grund auf. „Seither verändern sich die einfachsten Dinge der Existenz in Freude und Schönheit und eröffnen eine neue Lebensdimension. Seit diesen Tagen wird Kunst zu Meditation“, erklärt Shunyam.

Mitte der 1990er Jahre gründete der Konzeptkünstler Siddhartha Y Fongi eine Künstlerkommune in der bei Wurzbach gelegenen Zschachenmühle, einem ehemaligen NVA-Objekt. Shunyam war erstmals 1997 zu Gast in der sogenannten Oshostadt, offiziell mit Verein für ganzheitliche Lebensweise und Kulturpflege e.V. bezeichnet. „Für mich stand sofort fest, dass ich hier meinen Ruhestand verbringen möchte, erinnert sich der inzwischen 72-jährige. Seit 2005 ist Shunyam fester Bestandteil der 16-köpfigen Künstlerkommune. Aber Ruhe trifft wohl eher auf seinen seelischen Zustand zu. Seine Schaffenskraft ist nach wie vor ungebremst. Shunyam versteht es nicht nur, seine Bildhauerei, Malerei, die Grafikarbeiten und den Bogensport mit Meditation zu verbinden. Er versteht es auch, sein Wissen und seine Erfahrungen an andere weiterzugeben. Vornehmlich in der warmen Jahreszeit lädt er zu Kursen in sein Atelier und zum Kyudo ein. Auch ohne offizielle Kurstermine können Interessenten die Schwelle der stets offen stehenden Tür der Oshostadt jederzeit übertreten.

Weitere Informationen über die Oshostadt sind im Internet auf www.zschachenmuehle.de zu finden, Telefon 036652/28028.
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3 Kommentare
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Eberhard :Dürselen aus Weimar | 22.10.2013 | 18:13  
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Steffen Weiß aus Gera | 22.10.2013 | 18:44  
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Hannelore Grünler aus Artern | 23.10.2013 | 11:10  
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