Kirchenmusikjahr im Zeichen der Jubiläen – Interview mit dem Greizer Kreiskantor Ralf Stiller

Ralf Stiller
 
Bei der Probe mit dem Kantatenchor.
Greiz: Bonhoefferhaus | .
Seit Juli 2013 ist Ralf Stiller Stadtkantor in Greiz, seit vorigem Jahr ist er als Kreiskantor zudem für vier hauptamtliche Kollegen und zahlreiche ehrenamtliche Kirchenmusiker zuständig. Ich sprach mit dem Kantor über seine Arbeit.

Mit welchen Vorstellungen haben Sie vor knapp zwei Jahren Ihr Amt in Greiz angetreten?
Natürlich wollte ich die erfolgreiche Arbeit meiner Vorgänger fortführen, aber auch eigene Akzente setzen. Dabei hat mich gemäß des Mottos „Greiz hat Reiz“ die Stelle sehr gereizt, weil sie Zukunftsvisionen in sich birgt. Das konnte ich bereits nach sehr kurzer Zeit feststellen. Neben vielen Parallelen zu meiner Geburts- und früheren Heimatstadt Rudolstadt, die ja wie Greiz ebenfalls eine Residenzstadt ist, gibt es doch einige Unterschiede. Die Greizer ticken anders. Immer wieder hört man, hier sei doch nichts los. Doch Greiz bietet eine ganze Menge, vor allem kulturell. Erinnert sei nur an den Theaterherbst, das Jazzwerk, die Konzerte der Vogtland Philharmonie und die Vogtlandhalle. Und das sind nur einige Beispiele. Schön wäre, wenn alle kulturell agierenden Menschen in der Stadt ihre Aktivitäten noch besser untereinander koordinieren würden.

Welche Vorhaben konnten Sie seit Ihrem Antritt als Greizer Kantor verwirklichen?
Ich bin hier mit offenen Armen und Herzen aufgenommen worden und fühle mich richtig wohl in Greiz. Gleich zu Beginn meiner Tätigkeit habe ich festgestellt, dass es im Kirchenmusikbereich viele engagierte Mitstreiter gibt. Allerdings existierte vor zwei Jahren kein Kinderchor. Deshalb erfüllt es mich mit großer Freude, dass es mir gelungen ist einen Jugend- und einen Kinderchor zu gründen. Beide Chöre haben schon mehrere erfolgreiche Auftritte und Konzerte gehabt. Mit der Gründung des Jugendchores an St. Marien, kam es auch gleichzeitig zur Gründung eines kleinen Jugendkammerorchesters, welches auch schon zu den verschiedensten Gelegenheiten zu hören und zu erleben war. Dieses kleine Orchester besteht zum größten Teil aus den gleichen Mitgliedern des Jugendchores. Dieses Jugendensemble hatte seinen ersten Auftritt zum Adventstsingen 2013, der Kinderchor einige Tage später zum Weihnachtsoratorium. Im Jugendchor singen inzwischen etwa 20 junge Leute ab 16 Jahren. Geprobt wird jeden Montag von 19.30 bis 21 Uhr im Bonhoefferhaus, der Kinderchor probt dienstags ab 18 Uhr.

Welche Ziele haben Sie noch?
Als Kreiskantor möchte ich die Zusammenarbeit der haupt- und ehrenamtlichen Kirchenmusiker intensivieren.
Ein sehr großes Vorhaben ist die Restaurierung der Kreutzbach-Jehmlich-Orgel in der Stadtkirche. Derzeit bin ich mit dem Gemeindekirchenrat auf der Suche nach Sponsoren, die das 500.000-Euro-Vorhaben mitfinanzieren. Ich hoffe, dass wir noch in diesem Jahr die Ausschreibung für die Restaurierung auslösen können.
Und natürlich steht auch wieder ein attraktives Kirchenmusikjahr ins Haus, dessen Planung soweit abgeschlossen ist.

Was sind die Höhepunkte des Kirchenmusikjahres 2015?
Das Jahr ist geprägt von Jubiläen und einer Festwoche. So gibt es am 25. April ein großes Konzert unserer Chöre mit der Vogtland Philharmonie – in der Stadtkirche erklingen von Bach das Magnificat und die Kantate 147 „Herz und Mund und Tat und Leben“. Das wird eine großartige Aufführung, passend zum 790. Namenstag der Stadtkirche St. Marien.
Am Pfingstmontag, 25. Mai, um 14 Uhr führen wir mit dem Collegium Musicum Greiz die Bachkantate zum Pfingstfest 172 „Erschallet ihr Lieder“ innerhalb des Gottesdienstes auf.
Anfang Juni nehmen wir mit der Vogtland Philharmonie und Solisten eine CD mit dem „Lobgesang“ von Mendelssohn auf. Die CD-Präsentation erfolgt dann gemeinsam mit einem neuen Imagefilm über Greiz zur Jubiläumswoche „50 Jahre Greizer Kantatenchor“ im November.
Und allein im Dezember stehen sechs Veranstaltungen in der Stadtkirche auf dem Programm: Vom gemeinsamen Konzert mit dem Polizeiorchester am 10. Dezember über das Singen des Jugendchores zur Begleitung von Matthias Grünert (11.12.), dem Adventssingen aller Chöre (13.12.), dem Weihnachtsoratorium (20.12.) und dem Konzert mit dem Collegium Musicum am 27. Dezember bis hin zum Silvesterkonzert „5 vor 12“.

50 Jahre Kantatenchor Greiz – wie wir dieses Jubiläum begangen?
Mit einem Festwochenende vom 6. bis zum 8. November. Geplant sind unter anderem eine Ausstellung, eine Aufführung des „Lobegesanges“, ein Chorfest, ein Ökumenischer Gottesdienst und schließlich die bereits erwähnte festliche CD-Präsentation.

Zur Person:

Ralf Stiller wurde am 28. Mai 1962 in Königsee geboren und wuchs in Rudolstadt auf. Er hat in Halle/Saale Kirchenmusik und in Weimar Orchesterdirigieren und Orgel studiert.
Eine Zeit lang war er in Rudolstadt am Theater als Trompeter und Chor‐Repetitor/Assistent angestellt und ist zusätzlich an der Lutherkirche in Rudolstadt mehrere Jahre nebenamtlich als Kantor eingesprungen.
Danach war er als Chordirektor und Dirigent bei den „Bühnen der Stadt Gera" angestellt. In Altensteig im Schwarzwald unterrichtete er am Chorgymnasium der Christophorusschule und danach an der Christophorusschule in Berchtesgaden als Musiklehrer, Chorleiter und Orchesterleiter.
Außerdem war er mehrere Jahre in Salzburg als Organist, Korrepetitor und Pianist, Chor- und Orchesterdirigent freiberuflich tätig und arbeitete unter anderem mit der Bachgesellschaft Salzburg, der Universität Mozarteum und dem Musikum in Salzburg zusammen.
2009 übernahm er für zwei Jahre die Kantorenstelle (Erziehungsurlaubsvertretung) in Kahla und war danach Kantor in Bad Klosterlausnitz.
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