Mein Dorf. Mein Leben. Vorgestellt: Antje Dunse aus Wellsdorf

Antje Dunse beschäftigt sich mit der Ortsgeschichte von Wellsdorf.
 
Wellsdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Langenwetzendorf und hat etwa 160 Einwohner.

In der Serie „Mein Dorf, Mein Leben.“ portraitiert der Allgemeine Anzeiger Menschen, die sich mit ihrem Engagement in das dörfliche Leben ihres Heimatortes einbringen. Heute: Antje Dunse (49) in Wellsdorf, einem Ortsteil von Langenwetzendorf.

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Frau Dunse, seit wann leben Sie in Wellsdorf?
Seit meiner Geburt! Na gut, geboren wurde ich im Kreiskrankenhaus Greiz und studiert habe ich in Jena, aber gelebt habe ich immer in Wellsdorf.

Hatten Sie nie den Wunsch, in eine Stadt zu ziehen?
Niemals! So habe ich beispielsweise in Jena-Lobeda das Neubauviertel kennen gelernt und mich dort wie ein Kaktus gefühlt! Ich fand es ungewöhnlich, aus dem Fenster zu gucken und nur Beton zu sehen. Ich bin es gewohnt, rundherum auf Felder und Wälder zu blicken. Weshalb ich während meines Studiums auch jedes Wochenende nach Hause gefahren bin. Es stand für mich von vornherein fest, dass ich mein Dorf nie verlassen werde. Zumal ich als Einzelkind das Erbe meiner Großeltern und Eltern – ich bin mit dem Klappern von Webstühlen aufgewachsen – erhalten wollte.

Wie lebt es sich im Dorf?
Super! Ich möchte nirgendwo anders wohnen.

Weshalb? Können Sie das näher beschreiben?
Es ist beispielsweise immer ein sehr beruhigendes Gefühl, wenn ich in einer großen Stadt war oder selbst, wenn ich in Greiz einkaufen war, wieder im Dorf anzukommen. Das schöne ist, hier jeden zu kennen. Wenn ich durch Wellsdorf laufe, kann man mit jedem, den man trifft, ein Gespräch anfangen. Auch über völlig belanglose Dinge. Ich finde es auch stets faszinierend, mir vorzustellen, wie war das früher im Ort, wer hat wohl in diesem oder jenem Haus gelebt.

Was zeichnet das dörfliche Leben aus?
Die Natur um sich zu haben und die dörfliche Gemeinschaft. Der Zusammenhalt im Dorf ist für mich ganz wichtig. Gut nachbarschaftliche Beziehungen zu pflegen, das dörfliche Leben mitzugestalten und hier einige Akzente zu setzen, halte ich für unschätzbare Werte. Das Schöne ist, gemeinsam etwas zu schaffen und sich für die anderen zu interessieren.

Wie bringen Sie sich in das Dorfleben ein?
Das Zusammenleben funktioniert in Wellsdorf sehr gut. Vor allem auch durch den Feuerwehrverein, der für die Höhepunkte im Dorfleben sorgt. Die sind bei uns das Sommerfest, das jedes Jahr mit großem Erfolg stattfindet und zu dem auch die Frauen immer entscheidend beitragen. Wir hören von den Gästen immer wieder, dass sie vor allem wegen der Kaffeestube und unseres tollen Kuchens kommen! Da sind wir Frauen natürlich immer ganz stolz. Auch zum Gelingen des erst vor wenigen Jahren ins Leben gerufenen Wellsdorfer Fischfestes tragen die Frauen unseres Dorfes wesentlich bei. Kurz vor Weihnachten gibt es dann noch in unserem engsten Bekanntenkreis den so genannten „Advents-Hock“. Der Begriff kommt aus dem Schwäbischen, wo mein Mann her stammt, und bedeutet nichts anderes, als dass wir in gemütlicher Runde zusammensitzen und plauschen. Eine kleine Tradition ist auch das Hofmostfest in jedem Mai bei Dunses.

Sie selbst bringen sich also im Rahmen der Feuerwehrvereinsmitgliedschaft Ihres Mannes in das Wellsdorfer Dorfleben ein. Wie sehen Ihre ganz persönlichen Beiträge aus?
Seit frühester Jugend bis zu meiner Zeit vor 20 Jahren im Greizer Museum habe ich mich intensiv mit der Geschichte unserer Region beschäftigt. Das musste dann aber berufsbedingt für zirka 15 Jahre etwas hinten anstehen. Doch im Vorfeld der Bundesgartenschau 2007 durfte ich die Buga-Mitarbeiter mit einem Kurs in Ostthüringer Geschichte schulen. Da habe ich gespürt, dass mir die Beschäftigung mit der Historie sehr gefehlt hat und ich begann, mich wieder der Regionalgeschichte mehr zu widmen. Hauptsächlich kümmere ich mich um die Geschichte der ehemaligen reußischen Fürstentümer und die Wellsdorfer Ortsgeschichte. Darüber schreibe ich ab und zu in der Ortszeitschrift „Das bunte Wellsdorf“, die meine Tochter ein- bis zweimal im Jahr herausbringt. Vor zwei Jahren habe ich dann meinen ersten Vortrag über die Geschichte von Wellsdorf im Ort gehalten. Die Resonanz war überwältigend. Weshalb es weitere Vorträge gab und ich einmal ein Buch über die Geschichte unseres Dorfes schreiben möchte. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, habe ich für 2012 erstmals einen historischen Kalender für Wellsdorf veröffentlicht. Der zweite Kalender für 2013 ist auch schon in Arbeit. Unter dem Titel „Wenn Häuser erzählen könnten“ wird er zwölf Kalenderblätter mit historischen Wellsdorfer Häusern und Anwesen beinhalten. Dazu gibt es natürlich die Geschichten und Anekdoten. Ein Teil des Erlöses aus dem Kalenderverkauf soll wieder für die Erweiterung des Gedenksteines in der Ortsmitte verwendet werden. Das Mahnmal erinnert an die Gefallenen des I. Weltkrieges aus Wellsdorf. Hier möchten wir künftig mit einer Tafel, eventuell auf einem zweiten Stein, auch an die zehn Wellsdorfer erinnern, die im II. Weltkrieg gefallen sind.

Welches sind Ihre Lieblingsflecken in Wellsdorf?
Im Ort selbst ist das die Dorfmitte mit dem Gedenkstein. Außerhalb des Ortes ist es das Lichtholz. Das ist ein kleines Wäldchen, in dem sich der Sage nach das „Pferdenest“ befindet. Darüber habe ich voriges Jahr ein kleines Kinderbuch verfasst, das die Wellsdorferin Heidrun Bothur liebevoll illustriert hat.

Wie würden Sie den Begriff Heimat definieren?
Heimat ist da, wo meine Wurzeln sind. Da wo meine Vorfahren gelebt haben und wo die sich etwas geschaffen haben. Das ist ja auch das, was mich verpflichtet und was ich auch meiner Tochter weitergebe – sich damit zu beschäftigen, wo unsere Wurzeln sind. Mit diesem Wissen hat auch meine 15-jährige Laura ein starkes Fundament, um in die Welt hinaus zu gehen.
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