Nostalgische Ernte mit Seltenheitswert - Ernte wie zu Großmutters Zeiten – mit Rekordweizenernte

  Greiz: Leiningen | „Ich brauche kein Rezept vom Arzt. Ich bin ein Naturmensch und Selbstversorger“. Wenn man Helmut Zaumseil vor sich hat, glaubt man ihm das aufs Wort. Dem rüstigen Rentner aus Leiningen sieht man nicht an, dass er in zwei Monaten bereits 90 Jahre alt wird. Sein bewährtes Rezept: „Viel bewegen und Arbeiten an der frischen Luft“.
Sein 3000 m² großer Garten will bewirtschaftet sein, Schwein und Ziegen mit eigenem Futter versorgt werden. Außer der Getreideaussaat, dem Pflügen des Feldes und Kartoffeln legen, wo er die Hilfe eines Bauern in Anspruch nimmt, bewältigt er alle weiteren anfallenden Arbeiten allein ohne große Technik, so wie er es von seinen Eltern von frühester Jugend an gelernt hat. So mähte er in diesen Tagen den Weizen mit der Sense ab, bündelte die Halme zu Garben und stellte die Garben mit den Ähren nach oben zu Puppen zum Trocknen auf. „In diesem Jahr lag die Saat lange in der Erde. Ich dachte gar nicht, dass was aufgeht. Aber dann ging es doch los. Nur die Halme sind etwas kürzer, sodass ich sie nicht zum Binden der Garben verwenden kann. Bisher hatte ich immer 16 Puppen, jetzt sind es 19. Das wird eine Rekordernte“, freut sich Zaumseil. Ist der Weizen getrocknet, fährt er ihn mit der Schubkarre ein und setzt seine hauseigene Dreschmaschine von 1962 in Gang. Acht Puppen hat er schon gedroschen. Aber nun ist die Maschine defekt, und er hofft, sie wieder funktionsfähig zu machen.
Neben seinem großen Weizenfeld hat Helmut Zaumseil auf ebenso großer Fläche verschiedene Sorten Kartoffeln angebaut. Jede einzelne Knolle scharrt er mit einer Hacke aus den Furchen. „Das ist anstrengend. Da braucht man Kraft in den Armen“, berichtet er aus Erfahrung. Denn schon 44 Wassereimer voll konnte er ernten, ein Bruchteil von dem, was ihm noch von der reichen Ernte bevorsteht. Die großen Kartoffeln stehen auf seinem Speiseplan, die kleinen zum Verfüttern an die Tiere. Sorgen bereiten ihn gegenwärtig allerdings die Kartoffelkäfer. Schon über 300 dieser Blattschädlinge hat er von den Pflanzen abgelesen, die, wenn man nicht eingreift, die Pflanzen kahlfressen.
Neben vielen Obstbäumen, Rüben, Tomaten und Möhren pflegt Zaumseil auch einen Blumengarten mit Rosen, Löwenmaul, Dahlien und Ringelblumen, die er zum Teil selbst gezogen hat. Und Helmut Zaumseil hält nichts vom Einsatz von Kunstdüngern. Er setzt voll auf Bio. Alles Geerntete ist für seinen Eigenbedarf und die Tiere. Mit Freude und einem festen Glauben, aber auch Kraft und Disziplin, meistert er jeden Tag seines Alltags.
„Ich brauche keinen Urlaub“, meint er. Und auch das glaubt man diesem Mann aufs Wort, strahlt er doch Zufriedenheit in seinem idyllisch gelegenen Grundstück mit toller Weitsicht ins thüringische und sächsische Land aus.

Foto 1+2: Helmut Zaumseil mit seinen noch 11 verbliebenen Weizenpuppen, die zurzeit in der Sonne trocknen, bevor sie gedroschen werden können.
Fotos 2+3: Mit einer einfachen Hacke erntet er die Kartoffeln aus dem Boden. Pausen sind da angesagt, denn die Arbeit ist kräftezehrend.
Fotos 4,5,6: Ihm will Helmut Zaumseil den Garaus machen: dem Kartoffelkäfer, der seine Pflanzen bedroht.
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Cornelia Simon aus Zeulenroda-Triebes | 08.08.2017 | 15:34  
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