Über die Wirren der Wendejahre

Ehrenfried Schobert hat jetzt mit „Greiz im Wirrwarr der Wendejahre“ Teil 4 seiner Memoiren veröffentlicht.
 
Teil I der Memoiren
Mit 83 Jahren begann Ehrenfried Schobert, seine Lebenserinnerungen niederschreiben und als Buch zu veröffentlichen. "Nicht für mich, sondern für die folgenden Generationen", wie er betont. Inzwischen sind es vier Bücher, die er geschrieben hat. Denn der heute 87-Jährige hat in drei völlig verschiedenen Gesellschafts- und Wirtschaftssystemen viel erlebt. Ehrenfried Schobert erlebte den Krieg, führte als Tischlermeister jahrzehntelang ein mittelständisches Unternehmen und war stets auch ehrenamtlich engagiert. Nach der politischen Wende gehörte er vier Jahre als parteiloser Kommunalpolitiker der CDU-Stadtratsfraktion an. Und genau um diese Zeit geht es im vierten Teil der seiner Erinnerungen.

Während er die ersten beiden Bücher hauptsächlich für seine Familie schrieb und darin unter anderem die Flucht seiner Frau Eva - mit der er in diesen Tagen die Eiserne Hochzeit feiert - aus dem damaligen Ostpreußen nach Greiz schildert, die Hungerjahre 1944 bis 1950 beschreibt sowie das Auf und Ab in 40 Jahren DDR aus ganz persönlichem Erleben wiedergibt, widmet sich Schobert im dritten Band seinen Ehrenämtern, die er über die Jahrzehnte begleitete. Schon zu DDR-Zeiten zeichnete er als Vorsitzender der Meisterprüfungskommission des damaligen Bezirks Gera für die Meisterausbildung der Holzberufe verantwortlich. Weil die Handwerkskammer Ostthüringen diese Erinnerungen für ihre Chronik verwenden wollte, hat sie 2012 auch die Gestaltung des dritten Teils der Schobertschen Memoiren übernommen.

Im vierten Band nun beschäftigt sich Ehrenfried Schobert unter dem Titel "Greiz im Wirrwarr der Wendejahre" mit der Zeit von 1989 bis 1994. Die Periode der Wende und des Umbruchs hat der Autor nicht nur als Teilnehmer und Redner der ersten Montagsdemos in Greiz hautnah miterlebt, sondern als Mitglied des ersten Stadtparlaments nach 1990 auch mitgestaltet. Bei seinen Recherchen für den jetzt erschienenen Teil stützte er sich auf die Sitzungsprotokolle jener Zeit, seine Tagebücher und Erinnerungen damaliger Mitstreiter. Dass er mit der aktuellen Veröffentlichung, die mit zahlreichen Fotos jener Jahre illustriert ist, auch einigen Staub aufwirbelt, ist sich der Gommlaer durchaus bewusst. Schließlich sind einige der politischen Entscheidungsträger, die damals einige seiner Meinung nach nicht ganz so glückliche Entscheidungen trafen, auch heute noch im öffentlichen Leben von Greiz präsent.

Der Leser erfährt - wenn er es nicht schon wusste oder bereits wieder vergessen hat - beispielsweise, warum der erste frei gewählte Greizer Landrat und sein Stellvertreter recht schnell wieder ihre Ämter räumen mussten, weshalb der Bürgermeister der Kreisstadt Anfang der 90er Jahre öfters wechselte, warum die vor 19 Jahren gebaute Schlossbrücke eine fast rechtwinklige Kurve in ihrem Bauwerk hat und weshalb die "Elstertrasse" nie realisiert wurde. Natürlich geht Schobert auch auf den Niedergang der Textilindustrie in Greiz ein sowie auf weitere wirtschaftliche, gewerbliche und kulturelle Entwicklungen. Alles in allem ist sein Buch eine interessante Lektüre für Greizer und Interessenten der Stadt, die sich an die dramatischen Umbrüche der Wendejahre erinnern wollen.

TIPP: „Greiz im Wirrwarr der Wendejahre“ von Ehrenfried Schobert gibt es bei Express-Design in der Greizer Altstadtgalerie und direkt beim Autor (Telefon 03661-3847).
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