Viel Wind um die Windkraft in Bernsgrün - Aufruf zur Gründung einer Bürgerinitiative

 
Severin Künast von ThEGA
Zeulenroda-Triebes: Bernsgrün | Ortsteilbürgermeister appelliert: „Bitte stört den Dorffrieden nicht!“

Das Thema Windkraft bewegt und beschäftigt die Bernsgrüner und nicht nur sie. Auch aus den angrenzenden mitbetroffenen sächsischen Gemeinden Mehltheuer, Ober- und Unterpirk waren Bürger zur Einwohnerversammlung am Montagabend in den Kultursaal des Bürgerhauses „Zum Roß“ Bernsgrün angereist, obwohl sie als Nichteinwohner kein Rederecht erhielten.
Seitdem bekannt ist, das Bernsgrün als Vorranggebiet für die Errichtung von Windenergieanlagen (WEA) durch die Regionale Planungsgemeinschaft Ostthüringen vorgesehen ist, erhitzen sich die Gemüter von Gegnern und Befürwortern dieser Anlagen. Für mehr Klarheit und Antwort auf die bestehenden Fragen wurde folgerichtig diese Einwohnerversammlung einberufen, wo neben den über 120 anwesenden Bürgern Bürgermeister Dieter Weinlich und Verwaltungsangestellte Heidrun Winkler, Stadt Zeulenroda-Triebes, Ortsteilbürgermeister Andreas Rosenbaum auch Severin Künast von der ThEGA (Thüringer Energie- und GrünTech-Agentur) aus Erfurt anwesend waren. Letzterer informierte in Wort und Bild über die ThEGA, deren Unterstützungsangebote, die Leitlinien für faire Windenergie und den mit 739 bestehenden WEA aktuellen Status in Thüringen.
Ca. 0,3 % von angestrebten 1 % der Landesfläche sind derzeit zur Nutzung von Windenergie ausgewiesen. Künast erläuterte, wie die Regionalplanung und Ausweisung der Vorranggebiete Windenergie funktioniert, wo über 65 verschiedene Prüfkriterien festgelegt wurden. Dazu zählen u. a. der 5 km-Abstand zwischen den Windparks, der 1000m-Abstand zu den Siedlungen, keine Einkreisung eine Gemeinde mit WEA, Lärm, Infraschall und Natur- und Landschaftsschutz. Er empfahl den Flächeneigentümern die Bündelung ihrer Interessen und Gründung einer Eigentümergemeinschaft, machte auf die Vorteile eines Flächenpoolmodells und einer gerechten Pachtzahlung aufmerksam und zeigte anhand von Beispielen, wie Bürger und Gemeinde von den WEA profitieren können. In der anschließenden zu jeder Zeit sachlich geführten Diskussion ging es um die Nichteinhaltung des Abstandes von den geplanten Bernsgrüner zu den bestehenden Ebersgrüner Windrädern. Warum wurde Pöllwitz aus der Planung genommen und ist nur noch Prüfgebiet, obwohl der Abstand zu den Ebersgrüner WEA identisch ist mit denen von Bernsgrün. „Das ist nicht nachvollziehbar“, meinte Steffen Kanis. Da die Bernsgrüner WEA unmittelbar an die Ländergrenze zu Sachsen grenzen, hinterfragte Andreas Rosenbaum, ob es diesbezüglich eine länderübergreifende Zusammenarbeit gäbe oder diese Anlagen einfach „denen vor die Nase gesetzt werden“. Severin Künast sieht hier eine besondere Situation, wo der Bernsgrüner stückweise mit dem Ebersgrüner Windpark zu einem zusammenwachsen soll und als ein Windpark konzipiert wurde. Und Bürgermeister Dieter Weinlich weist darauf hin, dass die überregionalen Belange mit einbezogen werden und der Planungsverband Sachsen in Chemnitz verständigt und seine Stellungnahme abgeben muss. „Wir befinden uns in der Planungsphase, die wir begleiten müssen. Die Diskussionsrunde ist eröffnet. Wir werden keine Verhinderungstaktik fahren, sondern wollen eine einvernehmliche Lösung für die Bürger finden“, so der Bürgermeister. Die Bürgerin Pia Hein sieht in den WEA für die Mehrzahl der Bürger Nachteile in Form von Wertminderung des Wohneigentums, Lärmbelästigung, negative Auswirkungen auf die Lebensräume von Wild und Vogelwelt und insbesondere um starke gesundheitliche Beeinträchtigungen. Sie ist für die Gründung einer Bürgerinitiative. Dem schließt sich Silvia Hänold-Hering an, die bereits vor der Versammlung Flyer mit Bedenken bezüglich der Windräder an die Bürger verteilt hat. „Wir sind besorgt um das große Ganze. Bevor man Verträge unterschreibt, sollte man überlegen, was es für Auswirkungen hat. Es ist fast gefährlich, dabei nur über Geld zu reden“. Wer sich an der Bürgerinitiative beteiligen möchte, kann sich an sie wenden. Severin Künast ermutigte zu Aktivismus, da WEA immer emotional und mit Konflikten behaftet sind. Für ihn war es an diesem Abend wichtig, Kernbotschaften als Einstig zu geben. Für Peter Singer ist die Lärmbelästigung aufgrund der Höhe der Windräder und der vorwiegenden Westwinde nicht zumutbar. Christiane Kanis gibt zu bedenken, dass keiner mehr nach Bernsgrün ziehen will, wenn die Windkraftanlagen gebaut werden. Und Karin Jung fühlt sich „verarscht“ und hinterfragt, ob schon alles in Sack und Tüten ist. Manfred Morgner, betroffener Grundstückseigentümer, bestätigt, dass die potentiellen Betreiber schon weiter sind und detaillierte Angebote unterbreiten. „Mein Telefon steht nicht still. Jeden Tag ein anderer Betreiber dran. Geld hat schon immer die Welt verdorben“. Morgner machte auch auf die hohen Rückbaukosten der WEA aufmerksam. Er bat die Stadt, „sich mit ins Zeug zu legen und Ordnung reinzubringen“. Und Thomas Schönfelder als Verpächter und „normaler“ Bernsgrüner Bürger möchte, dass durch den Bau der WEA so viel wie möglich für die Bürger und Kommune herauskommt.
Der Bürgermeister ermunterte alle Beteiligten, die sich beeinträchtigt fühlen, von ihren Rechten Gebrauch zu machen. Einwände können schriftlich geltend gemacht werden. Die Auslegung für die Bernsgrüner WEA erfolgt im Bauamt der Stadtverwaltung. Die Auslegungsfrist ist vom 9. Mai bis 12. Juli 2016.
Nach über zwei Stunden Diskussion hofft und bat der Ortsteilbürgermeister abschließend die Bürger, trotz der anstehenden Windenergieproblematik den Dorffrieden zu bewahren und nicht zu stören.

Foto 1: W 13 ist das Vorranggebiet Bernsgrün. „Es zieht sich wie ein Halbmond an der Grenze zu Sachsen von Bernsgrün über Mehltheuer, Oberpirk, Pausa nach Ebersgrün“, informierte Andreas Rosenbaum zu Beginn der Einwohnerversammlung.
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Renate Jung aus Erfurt | 13.04.2016 | 23:16  
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