Von einer, die jährlich das Fürchten lehrt: Landwirtin Petra Hirsch macht ihr Maisfeld wieder gruselfähig

Mit Rind und Kuh auf du und du ist Landwirtin Petra Hirsch aus Oettersdorf. Im Winterhalbjahr werden die Tiere im Stall versorgt.
 
Weihnachtsgans Auguste hat sich reproduziert und bereitet sich auf die nächste Saison vor.
Schleiz: ... |

Eben noch bei Bratwurst und Prosecco die Dorfidylle genossen, als plötzlich Schreie aus dem nahen Maisfeld gellen. "Jemand muss den Käpt'n in seinem Sarg gefunden haben", murmelt Petra Hirsch und eilt in das dichte Labyrinth.

Bratwurstduft steigt in die von Gelächter erfüllte Luft. Am Bierstand fachsimpeln Männer über Gott und die Welt, die Frauen gönnen sich ein Glas Prosecco. Kinder toben umher, streicheln die Pferde oder spielen mit dem Kätzchen. Dorfidylle mit ausgelassener Stimmung. In dem kleinen Ort Oettersdorf bei Schleiz gibt es jedes Jahr im September etwas zu feiern. Dann beendet Petra Hirsch, angestellt im elterlichen und größten landwirtschaftlichen Privatbetrieb im Ort, ihre Maislabyrinth-Saison mit einer Geisternacht. Wie soll man sich beim Anblick dieses satten Grüns und dieses überwältigenden Wolkenspiels am Abendhimmel gruseln? Doch schon ertönen aus dem Maisfeld Schreckensschreie...

Am Ende kommt der Sarg


"Jemand muss den Käpt'n in seinem Sarg gefunden haben", mutmaßt Petra Hirsch. Die attraktive Blonde hat sich in ein schauriges Wesen verwandelt. Eben ist sie auf dem Weg ins Labyrinth, um die Leute zu erschrecken. Ein toter Käptn zwischen Maiskolben? Klingt interessant. Nichts wie hinterher.
Im Labyrinth ist es beinahe dunkel, nur Spots erleuchten die Szene gespenstig. Ohne Plan ist man auf dem Wegenetz hoffnungslos verloren. Gott sei Dank sind noch mehr Umherirrende unterwegs, denen man sich - in der Hoffnung, dass sie den Weg kennen - flugs anschließen kann. Plötzlich gibt der Boden nach, die Füße sacken ein. Hilfe! Eine kunstvoll eingebaute Schikane, wird Petra Hirsch später erklären. Doch zum Nachdenken ist jetzt keine Zeit. Zwischen den Maispflanzen schauen bleiche Gesichter hervor, deren Besitzer im nächsten Moment durchs Gebüsch brechen und die Arme nach der Gruppe ausstrecken. Natürlich nicht ohne zu schreien, dass einem die Sinne vergehen. Nur schnell den Rückzug antreten. Irgendwann checkt jemand, dass man sich die ganze Zeit im Kreis bewegt hat. Einige werden jetzt langsam von Panik ergriffen. Dieses Maisfeld ist der reinste Alptraum.

Hauptsache, ihr gruselt euch


Für derlei Feedback ist Petra Hirsch dankbar. Dann weiß sie, dass sich die Mühe gelohnt hat. Das Maisfeld ist ihr Baby, für das sie - neben der Arbeit im landwirtschaftlichen Betrieb - verantwortlich ist. Unterstützung bekommt sie von ihrem Bruder.
"Im April wird der Mais gelegt. Wir legen ihn etwas dicker - etwa achtzehn Körner je Quadratmeter, statt wie üblich zehn bis zwölf. Nachdem ich das Bild vom Labyrinth gezeichnet habe und der Mais aufgegangen ist, messe ich das Feld aus und male Quadrate auf das Feld, die ich dann auf das Bild übertrage. Ist alles komplett, hacken mein Bruder und ich die Zeichnung per Hand ins Feld“, erklärt die Landwirtschaftsmeisterin.
Leider gibt es Bösewichte wie den Maiszünsler, die Petra Hirsch die Freude am Labyrinth missgönnen. "Die Falter legen Eier an die Blattunterseite des Maises. Die daraus schlüpfenden Raupen fressen sich durch die Maisstängel und schädigen die Pflanze. Um dem entgegenzuwirken, bringen wir um den Flughöhepunkt des Maiszünslers Eier von Schlupfwespen aus. Diese Generation legt ihre Eier in die Brut des Falters. In der Landwirtschaft nennt man das parasitieren."

Geerntet wird zum Schluss


Geerntet wird nach dem Ende des Maislabyrinthes, witterungsabhängig etwa Anfang bis Mitte Oktober. „Die komplette Pflanze inklusive Kolben wird gehäckselt und dann siliert“, erläutert die Landwirtin. Doch vorher gibt es in Oettersdorf erst einmal jede Menge Spaß. Wenige Tage vor der Gruselnacht bauen Hirsch und ihre Mitstreiter Schikanen ein und drapieren gruseliges Accessoire an den Wegen. Mit der Aktion Maislabyrinth ist jede Menge Papierkram verbunden, den sich die Geschwister ebenfalls teilen: „Um die Drucksachen, Plakate, Wegepläne, Eintrittskarten und Flyer kümmert sich unsere große Schwester von Niedersachsen aus.“

Hintergrund:
Der Landwirtschaftsbetrieb Hirsch in Oettersdorf ist einer von 13 Betrieben im Saale-Orla-Kreis, die Kindergärten und Schulen die Möglichkeit bieten, den Betrieb zu besichtigen und Landwirtschaft zu erleben. Außerdem ist er Mitglied in einem Leader-Programm für gesundes Schulessen im Landkreis.
Hirschs halten Schweine, Kühe, Gänse, Pferde und Bienen.
Landwirtschaft im Winter: Arbeit in der Kälte, Kühe im Stall füttern, Weihnachtsgänse schlachten, Instandsetzungsarbeiten, Büro, Winterdienst, Waldarbeit, Fortbildungen.
Frühling/Sommer: Weidebau, Grasmahd, Maislabyrinth, düngen, Erntegut abfahren, pflügen.
Außerdem: Feld bestellen, Tiere versorgen, aussähen, Technik, Pflanzen und Pflanzenschutz, Grünland und Weide, Wald und Wild.

Termin Maislabyrinth Oettersdorf:
6. August bis 18. September 2016, Geisternacht 17. September.
Informationen: facebook - www.hirschsmaislabyrinth.deHirschsMaislabyrinth
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2 Kommentare
13.091
Eberhard :Dürselen aus Weimar | 03.05.2016 | 16:42  
12.762
Renate Jung aus Erfurt | 03.05.2016 | 21:51  
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