Wie ist das Leben als Holzbildhauerin, Frau Schlupeck?

Holzbildhauerin Ilona Schlupeck in ihrer Werkstatt. Ihre Arbeiten bewegen sich zwischen Realismus und Abstraktion, sie sind gesägt, gemeiselt, gebrochen, geschliffen und aus gesägten Bohlen verleimt. Sie künden von Leben und Tod zugleich.
  Tegau: Ilona Schlupeck | „Schwierig und schön zugleich“, antwortet Ilona Schlupeck spontan. Schwer sei es deshalb, weil es keine Aufträge gibt. Fast keine. Neben der Kunst am Bau arbeitet sie an kleineren Reliefgestaltungen, die vorwiegend für Ausstellungen gedacht sind. Private Aufträge kommen eher selten zustande.

Und dennoch geht die Holzbildhauerin jeden Tag in die Werkstatt und bewegt sich kreativ im Material nach einem selbst gestellten Thema. Die Ideen hierfür können unterschiedlichen Ursprungs sein: Realistisch, abstrakt, philosophisch oder angeregt durch Literatur. „Wenn ich es für mich selber spannend finde, kann ich es auch umsetzen“. Dann muss die Idee noch eine Weile reifen.

Das Rohmaterial für die Reliefs – Platten in verschiedenen Stärken – lässt sie sich in einer Tischlerei anfertigen. Darauf entsteht die erste Zeichnung. „Dann passiert das Schöne. Es geht los. Mit groben Eisen wird eine grobe Form heraus gearbeitet. Eine neue Zeichnung wird aufgetragen. Nach und nach entsteht mit feinerem Werkzeug das endgültige Resultat. Der Weg dahin ist das Schöne“, beschreibt sie. Dabei stellt sie nicht ein Detail nach dem anderen fertig, sondern arbeitet immer über die gesamte Fläche.

„Ich gehe anders an meine Arbeiten heran. Der gestalterische Prozess steht immer im Vordergrund“. Mit dem anschließenden Beizen arbeitet sie das Thema noch weiter heraus. Durch die Farbe, die für sie schon immer eine große Rolle spielt, rücken die Reliefs in die Nähe von Malerei. Die abschließende Oberflächenbehandlung mit Wachs empfindet sie nochmals als spannenden Prozess.

Bei vollplastischen Arbeiten bezieht die Holzbildhauerin den Sockel in ihre Gedanken mit ein. Der ist in der Regel aus Stein oder Metall. „Damit die Arbeit im Ganzen stimmt. Schließlich ist der Sockel auch Teil des Objekts“, fügt sie an.

Etwas aus einem Holzklotz herauszuarbeiten, macht für sie den Reiz aus. So entstehen ausschließlich Unikate. Die Arbeit ist keinesfalls mit den Schnitzern, wie man sie aus dem Erzgebirge kennt, zu vergleichen, die eher in Serienfertigung beispielsweise Nussknacker herstellen. Auch mit den Kettensäge-„Künstlern“ ist dies keinesfalls gleichzusetzen.

Holzbildhauen ist ein einsamer Job. Nicht umsonst hat Ilona Schlupeck auf ihrem kleinen Hof in Burkersdorf bei Tegau (Saale-Orla-Kreis) mehrere Haustiere. Oft trällert beim Arbeiten nebenbei der Fernseher. Auch wenn die Ruhe durchaus die Konzentration auf die Arbeit fördert, macht ihr das Alleinsein doch zu schaffen. Turbulenter geht es zu, wenn sie Bildhauerkurse gibt. Dann hat sie Menschen um sich, die ebenfalls Freude am Umgang mit Holz haben. Krönende Abwechslung zur handwerklichen Arbeit sind ihre Tangokurse. Dann ist sie Regisseurin des ganzen Spiels und Mutter Theresa zugleich.

Hintergrund:

In Deutschland erfolgt die dreijährige Berufsausbildung unter anderem an der Staatlichen Berufsfachschule für Holzbildhauer in Bischofsheim a. d. Rhön. Die Ausbildung zum Holzbildhauer erfolgt primär in fachpraktischen Lernfeldern, wie Skulpturen erarbeiten, Freihandzeichnen, Kopien anfertigen, Abformen, Entwerfen und modellieren, Schrift und Kunstgeschichte. In der ersten Klassenstufe kommen die Fächer Schreinern und Längsholz drechseln hinzu. In der dritten Klassenstufe werden zusätzlich die Fächer Fassen und Vergolden gelehrt. In dem Unterrichtsfach Künstlerische Vertiefung lernen Schülerinnen und Schüler den Umgang mit der Digitalkamera, um Skulpturen und plastische Vorlagen mappengerecht und öffentlich präsentieren zu können.

Voraussetzungen:

Mindestens erfolgreicher Hauptschulabschluss oder Abschluss weiterführender Schulen, Begabung im handwerklichen Sinn, räumlich-plastisches Sehen, körperliche Belastbarkeit, kunstgeschichtliche Neugierde, Bereitschaft zum intensiven Zeichnen.

Studium:

Weiter führende Studiengänge bieten die Kunsthochschulen und Fachhochschulen an.

Vita Ilona Schlupeck:

- Abitur
- Holzbildhauerlehre in Zeulenroda
- Studium an der Fachhochschule für Angewandte Kunst in Schneeberg, Fachrichtung Holzgestaltung bei Prof. Hans Brockhage
- Gaststudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee an der Steinbildhauerklasse von Prof. Schamahl
- Künstlerische Mitarbeiterin an der FAK Schneeberg, Fachrichtung Holzgestaltung, Assistentin bei Prof. Brockhage
- Freiberufliche Tätigkeit als Holzgestalterin seit 1984, jährlich mehrere Personalausstellungen
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3 Kommentare
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Johannes Leichsenring aus Hermsdorf | 15.02.2015 | 10:19  
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Renate Jung aus Erfurt | 15.02.2015 | 18:55  
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Hannelore Grünler aus Artern | 17.02.2015 | 20:46  
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