5 vor 12 für einen Thüringer: Der Edelkrebs

Der Edelkrebs kommt nur noch in zwei Fließgewässern in Thüringen vor, eines ist der Mehlabach im Landkreis Greiz. (Foto: Foto: Frank Leo)
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Fast jeder kennt ihn aus seiner Kindheit; er steht unter dem höchsten gesetzlichen Schutz und trotzdem steht er kurz vor dem Erlöschen in Thüringen – der Edelkrebs. Leise und unbemerkt verschwindet diese Charakterart der Gewässer. Das ergab eine aktuelle Bestandsaufnahme über 3 Jahre, welche im Auftrag der Thüringer Landesanstalt für Umwelt durchgeführt wurde.

Von 127 ehemals gemeldeten Vorkommen konnten nur noch 30 bestätigt werden und die letzte größere Arche stellt unser Landkreis dar. Hier ist es hauptsächlich die Region Zeulenroda-Triebes und Greiz. Nur 2 Fließgewässer in Thüringen haben noch Edelkrebse, eines ist der Mehlabach. Noch vor wenigen Jahren hatte der Juteteich in Triebes den Spitzenplatz unter den Edelkrebsgewässern im Landkreis, ja in Thüringen. Doch der Hauptfeind ist auch schon angekommen und das meist durch menschliche Hilfe: der amerikanische Kamberkrebs.

Gedankenlos, und das nicht nur mit Krebsen und Fischen, setzen „Naturliebhaber“ Tiere um und bedenken nicht die oft verheerenden Folgen. Der „Amerikaner“ überträgt die sogenannte Krebspest, einen Pilz den alle amerikanischen Krebse, welche selbst dagegen resistent sind, mitbringen. Der Kamberkrebs ist daran zu erkennen, dass er auf dem Hinterleib rotbraune Querstreifen trägt und an den Scherenunterseiten keine rote Färbung aufweist. Auch hat der Kamberkrebs eine seitliche Bedornung im Kopfbereich. Das zweite große Problem ist die Strukturarmut vieler Gewässer.

Edelkrebse können gut 15 Jahre alt werden, aber ihre Anzahl wird vor allem durch das vorherrschende Angebot an Verstecken bestimmt. Ausreichend Totholz, Wurzeln, Steine und Uferhöhlungen sind die Grundvoraussetzung für stabile Bestände. Vor allem während der Häutung (Butterkrebs) müssen sie Schutz vor Feinden haben. Hierzu zählen vor allem Barsch, Hecht, Zander und Aal. Zu hohe Besatzdichten mit diesen Fischen, aber vor allem die fehlenden Schutzhöhlen bedeuten das Aus für viele Bestände.

Hier ist die Initiative und Kreativität jedes Teichbesitzers gefragt der seine Krebse erhalten will. Dachziegel, kleine Tonrohre, Baumstubben und selbst der alte Stiefel wie im Anglerspiel werden dankbar besiedelt. Wichtig ist auch Erlenlaub (Apotheke des Krebses), welches von den Krebsen gefressen wird und durch die Inhaltstoffe heilende Wirkung hat. Edelkrebse sind Allesfresser, welche auch schnell tote Fische vertilgen und so die Ausbreitung von Krankheiten verhindern.

Da nicht annähernd alle Gewässer kartiert werden konnten, bestehen im Verbreitungsbild des Landkreises sicherlich noch Lücken. Die untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Greiz ist über gesicherte Hinweise aktueller Vorkommen der Art dankbar.

Man darf gespannt sein, vielleicht ist es noch nicht zu spät. Anrufe oder E-mail werden unter 03661/876606 (andreas.martius@landkreis-greiz.de) oder 03661/876604 (frank.leo@landkreis-greiz.de) entgegen genommen.
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