Auf den Spuren der Geschichte: Mittelalterliche Hinterlassenschaften in Saalburg

Marco Grosch erläutert Interessenten an der freigelegten Stadtmauer den Stand der Grabungen.
 
Trotz nasskaltem Wetters begrüßte Dr. Ines Spazier gutgelaunt zahlreiche Interessenten zur Führung.
Saalburg-Ebersdorf: Saalburg |

Nasskalte Regenschauer hielten Ende April zahlreiche Interessenten nicht davon ab, an einer Führung zur Burg- und Stadtgeschichte Saalburg teilzunehmen. Schließlich gab es dazu auch Informationen exklusiv aus erster Hand.

Seit dem vorigen Jahr sind in der Saalburger Tummelgasse Straßenbauarbeiten zugange. Diese haben Reste der alten Stadtmauer und allerlei weitere mittelalterliche Hinterlassenschaften zutage gefördert. Über den Stand der Ausgrabungen informierte Dr. Ines Spazier vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Weimar vor Ort. Trotz nasskaltem Regenwetters waren über 50 Interessenten zu der Führung gekommen, um zunächst an der Burg einiges über die dortigen Ausgrabungen der Jahre 2007 und 2008 zu erfahren. Die Gebietsreferentin und ihre Mitarbeiter Marco Grosch und Matthias Rippin hatten einige Funde vorbereitet, die hautnah begutachtet werden konnten. "Mittlerweile haben wir alle Burgfunde aufgearbeitet", informierte Spazier und zeigte Geschossspitzen, einen einst vesilberten Rädchensporn, Steigbügel, Hufeisen, eine Sattelgurtschnalle und Spinnwirtel. Aber auch kleinste Stücke wie Stecknadeln aus Bronze sowie ein großes Türschloss aus der Zeit um 1350 zählen zu den Exponaten genauso wie ein Axtstück, Messer und Teile einer Madonnenfigur vom Hausaltar. "Alle Funde datieren aus dem 13. und 14. Jahrhundert", so die Archäologin. Sie legt sich auf diesen Zeitraum fest, da auch ein kleines Ledersäckchen mit Münzen vom Nürnberger Schlag aus jener Zeit gefunden wurde.

Das älteste Fundstück der Grabungen von vor acht Jahren ist ein sekundär verbauter Holzbalken im Grunde der Burg aus dem Jahre 1218. Deshalb nimmt Ines Spazier nimmt, dass die Burggründung aus dem 12. Jahrhundert datiert. Die Burg der Lobdeburger gehörte einst zu den mächtigsten Bauwerken an der Saale. Das gehe auch aus dem spektakulärsten Fund hervor: 2007/08 fanden die Archäologen Grundmauern und Teile eines Bauensembles von einem Wohnhaus, dessen Grundriss stattliche 11 mal 30 Meter groß war. "Das Haus war zu jener Zeit größer als das Stammhaus Lobdeburg und in Thüringen das zweitmächtigste Gebäude nach dem Pallas auf der Wartburg", ist Spazier begeistert und schlussfolgert: "Saalburg war ein bedeutender Herrschaftsstützpunkt an der Saale". Davon zeugt heute noch der Bergfried, der wohl Ende des 13. Jahrhunderts gebaut wurde und einst 37 Meter hoch war, bei einem Durchmesser von elf Metern. 1806 wurde der Turm von französischer Artillerie beschossen, wodurch er etwa fünf Meter seiner Höhe einbüßte. 107 Jahre später stürzte er ein. Vor 20 Jahre wurde der Turmstumpf saniert und in seinen heutigen Zustand versetzt.

Nach dem Rundgang an der Burg ging es 300 Meter nordöstlich zur Tummelgasse, in der zurzeit Ausgrabungen durch das Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie stattfinden. Ines Spazier und ihre Mitarbeiter führten die Interessenten an freigelegte Stücke der Stadtmauer und erläuterten an den Mauerresten anhand von Grabungsplänen und Schautafeln den aktuellen Stand der Arbeiten. "Wir sind versucht, die Gründung der Stadtmauer in das 14. Jahrhundert zu datieren", so die Gebietsleiterin. Das wäre sicher auch schlüssig, wurde Saalburg doch 1216 erstmals als Ort und 1313 als Stadt erwähnt. Bei den Grabungen in der Tummelgasse wurden zahlreiche Scherben und Ofenkachelfragmente aus dem Mittelalter gefunden. Das älteste Fundstück hier ist eine eher unscheinbare Keramikscherbe, sie stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert.

Die Bauarbeiten in der Tummelgasse sollen dieses Jahr abgeschlossen werden. Dann wird eine grundhaft sanierte Straße die 700 Jahre alte Stadtmauer wieder bedecken.
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