3.000 Kilometer in Sachen Hilfe auf Tour – Greizer Hilfstransport nach Brest für "Tschernobyl-Kinder" in Zahlen

Ulrich Jetschke (l.) und Dr. Christian Wonitzki, der erstmals an einem Hilfstransport teilnahm, bei der Auswertung der Mai-Mission nach der Rückkehr in Greiz.
 
Kirill Kleschtschitz aus Brest leidet an Leukämie und lebt allein mit seinem Vater. Sein Wunsch: Ein Fahrrad! (Foto: Dr. Christian Wonitzki)
GREIZ. Nach der Atom-Reaktor-Katastrophe am 26. April 1986 in Tschernobyl war besonders das Territorium Weißrusslands von der sich ausbreitenden radioaktiven Wolke betroffen. Zirka 400.000 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen und umgesiedelt werden. Seit über zwei Jahrzehnten organisieren Greizer, Elsterberger und Beiersdorfer Bürger Hilfstransporte nach Weißrussland und führen diese, in der Regel zweimal jährlich, in die Region Brest durch. Dabei bringen sie alles, was benötigt wird, direkt zu den betroffenen Familien, um die Not und das Elend der "Tschernobyl-Kinder" etwas zu lindern. Im vorigen Monat fand der zweite Transport dieses Jahres nach Weißrussland statt. Das Hilfsteam ist wohlbehalten zurück und möchte sich bei allen bedanken, die im Vorfeld der Mai-Mission halfen. Elf Zahlen über den Hilfskonvoi:

3.000 Straßenkilometer legte der Hilfstransport innerhalb einer Woche zurück.

3 Fahrzeuge gehörten zu dem Hilfstransport - zwei Lkw-Züge und ein Kleinbus als Begleitfahrzeug.

12 Kilometer lang war bei der Einreise der zweispurige Rückstau des Transit-Lkw-Verkehrs an der polnisch-weißrussischen Grenze, als der Greizer Hilfstransport gegen 3 Uhr nachts dort ankam. "Undenkbar die Vorstellung, hier warten zu müssen", so das Hilfsteam. Behutsam, aber konsequent arbeitete sich der als "Humanitäre Hilfe" beschilderter Konvoi an der Schlange vorbei bis zum Beginn der Grenzkontrollen.

12 Stunden dauerten die Grenzkontrollen dieses Mal "nur", am Ende waren Ärger, Müdigkeit, das Hin und Her der bürokratischen Hürden vergessen, als den Transport in Brest Vertreter des Partnervereins willkommen hießen.

200 Kubikmeter Hilfsgüter, darunter viele persönliche Patengeschenke für weißrussische Familien mit krebskranken Kindern, konnten direkt vor Ort übergeben werden.

5 weißrussische Städte – Brest, Pruschani, Berjosa, Kobrin und Malarita – besuchten die Greizer, überreichten Hilfsgüter und konnten Eindrücke von der Situation der Betroffenen sammeln.

1 zu 10.000 ist der aktuelle Kurs von Euro zu weißrussischen Rubeln lassen erahnen, welche wirtschaftliche Not herrscht. Viele Gespräche der Ostthüringer dienten dazu, zu erfahren, wie konkret und gezielt weiter geholfen werden kann. Viele Wünsche betreffen Fahrräder in allen Größen, auch Möbel, Waschmaschinen und anderer Hausrat sind hochwillkommen. Auch Ausstattungen für den Ausbau von Wohnungen wie Lampen, Waschbecken, Badewannen und Gebrauchtfenster helfen.

159 krebskranke Kinder, die nach 2000 geboren wurden und zur so genannten "zweiten Welle" der nach Tschernobyl Erkrankten gehören, betreut der Brester Partnerverein der Greizer.

2 Gruppen behinderter Kinder lernte das Hilfsteam in einem Kindergarten kennen, für die dringend Lauflernhilfen benötigt werden. Bei einem Familienbesuch in Brest gab es ein Treffen mit Kirill Kleschtschitz. Der Junge leidet an Leukämie und hat eine Zyste im Kopf, ein Jahr lang wurde er in der Minsker Kinderklinik behandelt. Er lebt mit seinem Vater allein, die Mutter ist verstorben. Ab September hofft Kirill, wieder die Schule besuchen zu können. Sein größter Wunsch: Ein Fahrrad!

31 Mitglieder sind derzeit im Verein "Hilfstransport Greiz-Brest e.V." organisiert. Ehrenpräsidentin ist Walentina Gruschwitz, die vor über 20 Jahren die ersten Hilfstransporte nach Weißrussland organisierte. Erster Vorstand ist Ulrich Jetschke, der seit zwei Jahrzehnten Koordinator, Organisator und Vertrauter der Hilfstransporte von Greiz ins weißrussische Brest ist.

Beim Abschlusstreffen der letzten Mai-Hilfsmission mit Brester Kindern, Eltern und dem Elternkomitee des weißrussisch-republikanischen Vereins "Kinder in Not" wurden bereits Pläne für den nächsten Hilfstransport geschmiedet. Dieser wird traditionell am 2. Januar 2013 starten. Spenden dafür werden ab Oktober entgegengenommen.

"Bedanken möchten wir uns bei allen, die im Vorfeld des Mai-Transportes halfen. Ein besonderer Dank geht an Pfarrer Dietmar Brosig von der Greizer Herz-Jesu-Gemeinde, an unsere Vereinsmitglieder und Patenfamilien sowie die Geldgeber, Wirtschaft und Politik der Region" so Ulrich Jetschke: "Bitte helfen Sie uns mit Spenden: Konto-Nr. 7735780, Commerzbank Greiz, BLZ 83040000, Verwendung ‚Hilfstransport Brest'".

KONTAKT: www.hilfstransport-greiz-brest.de
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2 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 02.06.2012 | 11:16  
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Petra Seidel aus Weimar | 03.06.2012 | 14:36  
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