50 Jahre gelebte Freundschaft

Stephan Büttner und Petra Kießling zeigen die Erneuerungsurkunde vom 15. Mai 1992 über die Verschwisterung von Berga und Gauchy.
 
Bergas Bürgermeister Helmut Grimm (r.). und Gauchys Stadtoberhaupt Georges Herbin unterzeichnen 1962 den Freundschaftsvertrag für ihre Städte. (Foto: Archiv Stadt Berga)
Berga/Elster: Rathaus | Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Berga an der Elster und dem französischen Gauchy

In einer Zeit, als im Osten Deutschlands die internationale Freundschaft fast nur zur Sowjetunion propagiert wurde, bestenfalls noch zu anderen sozialistischen Ländern, unterzeichnete Berga im Jahre 1962 einen Partnerschaftsvertrag mit der französischen Stadt Gauchy. Das kleine Städtchen im damaligen Bezirk Gera war die wohl erste Kommune Thüringens, die partnerschaftliche Beziehungen zu einer Stadt in Frankreich vertraglich vereinbarte. Und gehörte damit sogar deutschlandweit zu den Vorreitern. Denn erst ein Jahr später, 1963, unterzeichneten Bundeskanzler Adenauer und General de Gaulle den deutsch-französische Vertrag, der die Aussöhnung zwischen den beiden Völkern besiegelte.

Dass ein Jahr zuvor Bergas Bürgermeister Helmut Grimm und Gauchys Stadtoberhaupt Georges Herbin einen Freundschaftsvertrag für ihre Städte unterzeichnen konnten, war sicher auch deshalb möglich, weil Herbin Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs war. "Beziehungen zu kommunistisch geführten Städten in Frankreich oder Italien wurden damals durchaus gefördert", weiß Bergas heutiger Rathauschef Stephan Büttner: "Selbstverständlich alles unter dem Aspekt der Völkerfreundschaft und des Kampfes um den Frieden." Doch, anders als in anderen Städten - selbst als in Gauchy ab 1964 kein kommunistischer Bürgermeister mehr regierte und in der sich anschließenden politischen Eiszeit pflegten die beiden Städte ihre Freundschaft weiter. Berga und seine 100 Kilometer nördlich von Paris gelegene Partnerstadt erfüllten den 1962 geschlossenen und 1963 erneuerten Vertrag mit Leben. Natürlich war der Besucheraustausch bis 1989 größtenteils eine Einbahnstraße. Alljährlich besuchten kleine Feriengäste aus Frankreich die Ferienlager in Berga, Delegationen beispielsweise mit Sportlern und Textilarbeitern aus Gauchy kamen jedes Jahr in das Städtchen an der Weißen Elster. Im Gegenzug durften nur zweimal Bergaer nach Gauchy reisen.

Das änderte sich natürlich mit der Wendezeit. "Aus den offiziellen Kontakten entwickelte sich ganz schnell ein reger gegenseitiger Austausch zwischen unseren beiden Städten", freut sich Bürgermeister Büttner. Bergaer Schülergruppen reisen immer wieder in ihre Partnerstadt genauso wie Senioren, die Fußballer oder die Berg'schen Karnevalisten. "Aus diesen Begegnungen sind viele persönliche Beziehungen bis hin zu Freundschaften entstanden", weiß Petra Kießling. Sie ist Vorsitzende des Vereins für europäische Städtepartnerschaften in Berga - die Elsterstadt unterhält auch Beziehungen zu den Städten Sobotka in Polen, Myto in der Tschechei und Aarbergen in Hessen - und weilte erst im Mai dieses Jahres mit 160 weiteren Bergaern zum Jubiläumsbesuch in Gauchy. Von dort kommt vom 6. bis 9. September der Gegenbesuch. Petra Kießling freut sich dabei besonders auf Therese Dufour: "Da alte Dame ist heute über 80 Jahre alt. Sie hat wesentlichen Anteil daran, dass die Städtepartnerschaft über 50 Jahre mit Leben erfüllt wurde!"

Die Franzosen sind die Ehrengäste beim Kirmeswochenende 2012 in Berga, dessen Einwohner dazu ein besonders tolles Festprogramm auf die Beine gestellt haben. "Ohne die Solidarität unserer Bürger, die sich mit Geld, Sachspenden und viel persönlichem Engagement in die Vorbereitung des Festwochenendes eingebracht haben, wäre eine solch großartige Feier gar nicht möglich", dankt Stephan Büttner den Bergaern.

Im Rahmen des Festwochenendes werden am 7. September Schüler der hiesigen Regelschule die Besucher durch ihre Stadt führen - und die Erläuterungen dazu selbstverständlich auf Französisch geben! Im Rathaus wird eine Ausstellung die Geschichte der Städtepartnerschaft anhand zahlreicher historischer Dokumente Revue passieren lassen. Diese Exposition wird am Kirmessonntag in das Bergaer Klubhaus umverlagert, wo am 9. September mit einer großen Festveranstaltung das 50-jährige Bestehen der Freundschaft zwischen Berga und Gauchy begangen wird. Dazu haben sich auch nochrangige Vertreter der Französischen Botschaft in Berlin und der Thüringer Landesregierung angesagt.

Hier finden Sie das Programm zum Kirmeswochenende: http://www.meinanzeiger.de/zeulenroda-triebes/prof...
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