Befreiung und Neuanfang nach dem II. Weltkrieg in Greiz und Thüringen

Wann? 15.11.2015 10:00 Uhr bis 15.11.2015 17:00 Uhr

Wo? Unteres Schloss, Burgplatz 12, 07973 Greiz DE
Greiz: Unteres Schloss |

Mit der aktuellen Sonderausstellung "Besetzung – Befreiung – Integration: Das Ende des II. Weltkrieges in Greiz" dokumentiert das Museum im Unteren Schloss zu Greiz die Ereignisse der letzten Kriegstage in der Ostthüringer Kreisstadt bis zum Einmarsch der amerikanischen Truppen und deren Ablösung durch die Sowjetarmee und beschreibt den Neuanfang in Greiz sowie Thüringen.

"Was wäre, wenn die Amis in Greiz geblieben wären ...?" Diese Frage beschäftigte jahrzehntelang zahlreiche hier Geborene. Doch diese Frage ist nicht das Thema der Ausstellung. Vielmehr dokumentiert die Schau akribisch die Zeit vor 70 Jahren und zieht Parallelen zur Situation heute. "Als die Amerikaner im April 1945 in Greiz einmarschierten, war die Angst das entscheidende Thema", weiß Museumsleiter Rainer Koch aus Gesprächen mit Zeitzeugen. Der anfänglichen Scheu vor den Fremden sei Offenheit gewichen. Dazu beigetragen habe auch der US-Soldat, den sie Greiz nur "Herkules" nannten – er war für viele Einheimische der erste Farbige, den sie zu Gesicht bekamen.

Die Zeit des Neubeginns in Greiz änderte sich ab dem 1. Juli 1945, als die Sowjetarmee die Stadt von den Amerikanern übernahm. Maßgeblich geprägt wurde der Neuaufbau nun auch durch den Strom der Vertriebenen, die aus Schlesien, dem Sudetenland und den weiteren ehemaligen Ostgebieten nach Deutschland strömten. Insgesamt zwölf Millionen Umsiedler musste das Land aufnehmen. Daraus resultierend hatten 1950 allein in Thüringen "ein viertel aller Einwohner einen Migrationshintergrund", weiß Rainer Koch. Natürlich waren diesen Menschen zunächst Ablehnung und Engherzigkeit entgegen geschlagen. Das resultierte aus den nachvollziehbaren Existenzängsten Alteingesessenen. Doch die Umsiedler brachten auch ein unglaubliches Wirtschaftspotential mit, aus denen ein ungeahnter Neubeginn erwuchs.

Seit dem Ende des 2. Weltkrieges herrscht in Mitteleuropa Frieden. Woanders sind Kriege an der Tagesordnung. Das Ziel der Menschen, die aus diesen Kriegsgebieten fliehen – allein aus Syrien sind das vier Millionen –, ist das friedliche Europa. Und hier herrschen Emotionen in einer unglücklichen Verquickung wie vor 70 Jahren vor: Angst vor den Fremden und Mitgefühl. "Es ist schwer, den ersten Schritt auf die Fremden zuzugehen", weiß auch Museumsleiter Koch, doch er wünscht allen, diesen ersten Schritt zu tun, denn "eigentlich hat auch jeder von uns einen Migrationshintergrund!"

Die Ausstellung ist bis zum 15. November 2015 im Museum im Unteren Schloss Greiz zu sehen.

Öffnungszeiten: Di – So: 10.00 – 17.00 Uhr
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