Erfolgsgeschichte mit ungewissem Ausgang – Aktuelles aus der VG "Seenplatte"

Kathleen Mertz vor dem Verwaltungssitz der VG „Seenplatte“, deren Vorsitzende sie seit einem halben Jahr ist.
 
Sind die Tage der Verwaltungsgemeinschaft gezählt?
 
Das Pfahlhaus im Hausteich bei Plothen genießt überregionalen Bekanntheitsgrad.
 
Blick von der B 94 bei Schleiz zur Windkraftanlage Oettersdorf mit den drei Windrädern.

Seit dem 1. November 2015 ist Kathleen Mertz Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft "Seenplatte". Ein halbes Jahr nach ihrem Amtsantritt stellt sich die VG-Chefin im Interview meinen Fragen.

Was hat sie voriges Jahr bewogen, für das Amt der VG-Vorsitzenden zu kandidieren und das gewiss nicht leichte Erbe ihrer Vorgängerin Martina Voll anzutreten?

Mir liegt meine Heimat sehr am Herzen. Ich wurde in Schleiz geboren und bin in Schöndorf aufgewachsen. Mein Verwaltungsstudium habe ich in Erfurt, Meißen und Dresden absolviert. Anschließend war ich bei der Thüringer Landesfinanzdirektion in Erfurt in verschiedenen Bereichen tätig.
Im Jahr 2010 entschied ich mich, beruflich in meine Heimat zurückzukehren. Seit Februar 2011 arbeitete ich bei der Stadtverwaltung Gefell als Verwaltungsleiterin. In dieser Zeit sammelte ich Erfahrungen auf kommunaler Ebene in den verschiedenen Bereichen.
Da ich gerne Verantwortung übernehme und mich noch stärker für mein unmittelbares Umfeld engagieren möchte, habe ich mich in vergangenen Jahr entschieden, für die Stelle der Vorsitzenden der Verwaltungsgemeinschaft „Seenplatte“ zu kandidieren. In der Gemeinschaftsvertreterversammlung wurde ich am 25. Juni 2015 mehrheitlich gewählt und trat das Amt am 1. November an.

Wie sieht die Bilanz der ersten sechs Monate ihrer Amtszeit aus?

Ich komme in meiner neuen Funktion jeden Tag mehr an. In der Verwaltung bin ich sehr gut aufgenommen worden und freue mich über die Unterstützung. Mittlerweile habe ich mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gesprochen und sie kennengelernt.
Nach wenigen Wochen habe ich eine Bürgermeisterberatung einberufen, um alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister persönlich kennenzulernen und mich über die gegenwärtigen anstehenden Probleme in den Gemeinden zu informieren.
Meine beiden Stellvertreter, Frau Gisela Krösel, Bürgermeisterin von Moßbach und, Herr Rolf-Ulrich Topel, Bürgermeister von Pörmitz stehen mir mit Rat und Tat zur Seite.

Die von der aktuellen Landesregierung geplante Gebietsreform schwebt wie ein Damoklesschwert über den Orten der VG Seenplatte. Hat die VG eine Zukunft?

Die Verwaltungsgemeinschaft „Seenplatte“ besteht nunmehr seit über 25 Jahren. Sie hat sich über diesen langen Zeitraum bewährt. Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister haben für ihre Bürgerinnen und Bürger sehr viel erreicht und können stolz darauf sein. Sie waren immer gewillt und sind es auch weiterhin auf die anstehenden Herausforderungen zu reagieren und das Beste für das Wohl ihrer Gemeinde zu erreichen.
Die Thüringer Landesregierung gibt den Verwaltungsgemeinschaften keine Zukunft. Nach ihren Vorstellungen sollen die Verwaltungsgemeinschaften zu Einheits- und Landgemeinden fortentwickelt werden. Sie bescheinigt den kleinteiligen Strukturen, dass sie die abzeichnenden Herausforderungen nicht bewältigen können und ist der Auffassung, dass Verwaltungen mit geringeren Einwohnerzahlen weniger leistungsfähig als Kommunen mit höheren Einwohnerzahlen sind. Diese Behauptung nutzt sie als Begründung für die Gebietsreform und verweist auf vergleichbare Regelungen in anderen Bundesländern wie Reinland-Pfalz oder Baden-Württemberg.
Thüringen ist ein kleinstrukturiertes Bundesland. Der Vergleich mit Bundesländern, die in den Siedlungsstrukturen, in der Wirtschaftskraft und in der historischen Entwicklung anders aufgestellt sind, ist nicht nachvollziehbar. Er bescheinigt den Verantwortungsträgern mangelnde Kenntnis von den Belangen der Thüringer Gegebenheiten.Viele ehrenamtliche Verantwortungsträger sollen nun durch einige wenige hauptamtliche Mandatsträger ersetzt werden, denen der Bezug zu den Bürgern ihrer Orte aufgrund der Größe der Gemeinde fehlt.
Nach den Landesvorgaben reicht die Einwohnerzahl unserer Verwaltungsgemeinschaft nicht aus, um eine eigenständige Einheits- oder Landgemeinde zu bilden, auch wenn sie zehn Prozent der Fläche des Saale-Orla-Kreises umfasst. In unseren Mitgliedsgemeinden leben aktuell rund 5 200 Einwohner. Für das Jahr 2025 werden 4 100 Einwohner prognostiziert. Die geforderten 6 000 Einwohner werden bei Weitem nicht erreicht.
Appelle an die Landesregierung wurden im Rahmen der Anhörung zum Vorschaltgesetz nicht gehört. Ich unterstütze die Arbeit der AG-Selbstverwaltung, ein offener Gesprächskreis von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie Verwaltungsfachleuten der kommunalen Ebene in Thüringen, die sich gegen die anstehende Gebietsreform wehren. Hierzu kann ich jeden ermutigen, sich selbst in dieser Gemeinschaft zu engagieren (www.ag-selbstverwaltung.net).
Die Abschaffung der Verwaltungsgemeinschaften wird dazu führen, dass das ehrenamtliche Engagement erheblich zurückgeht, da den einzelnen Gemeinden die kommunale Selbstverwaltungskompetenz entzogen wird.
Unsere Verwaltungsgemeinschaft besteht aus 15 Gemeinden und 22 Ortsteilen. Alle Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind eigenverantwortlich und ehrenamtlich für ihre Gemeinde tätig. Der jeweilige Gemeinderat kann über die Belange seines Ortes entscheiden. Als Ortsteil einer Großgemeinde fühlt sich keiner zuständig, für die Belange des Ortes einzustehen.

Kommen wir zu konkreten kommunalpolitischen Schwerpunkten. Am 5. Juni stehen die Wahlen der ehrenamtlichen Bürgermeister in einigen Gemeinden an. Welche Kandidaten stehen zur Wahl?

Viele Bürgermeisterinnen und Bürgermeister werden ein weiteres Mal kandidieren. Einige Bürgermeister stellen sich nicht erneut auf. Hier die Personen, die sich zur Wahl stellen: Dittersdorf - Schmidt, Andreas (Einzelbewerber, EB), Dreba - Herzog, Petra (EB), Görkwitz - keiner, Göschitz - Schrenner, Ursula (EB) und Alt, Markus (EB), Kirschkau - Köchel, Achim (CDU) und Kerl, André (EB), Neundorf - Heidrich, Lutz (EB), Oettersdorf - Carl, Henry (EB), Plothen - keiner, Pörmitz - Topel, Rolf-Ulrich (EB), Tegau - Löffler, Gottfried (EB) und Volkmannsdorf - Voigt, Mathias (EB). Aufgrund des Rücktritts des Buchaer Gemeinderats im Februar dieses Jahres stehen am 5.6.16 auch Gemeinderatswahlen in dieser Gemeinde an. Hier bewirbt sich Hubert Grau als Einzelbewerber, für den Gemeinderat gibt es keine Wahlvorschläge.

Wie sehen Sie die Perspektiven der Grundschulen Knau, Moßbach und Oettersdorf?

Unsere Grundschulen werden mit viel Engagement von den Lehrerinnen, Lehrern und Kindern mit der Unterstützung ihrer Eltern betrieben. In den vergangenen Jahren wurde sehr viel getan, um den Schulalltag für die Schülerinnen und Schüler und Lehrkräfte angenehmer zu gestalten. Die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister sind sehr engagiert und unterstützen ihre Grundschulen in den verschiedenen Bereichen.
Die Grundschulstandorte beleben das Gemeindeleben in unserer ländlich geprägten Region. Wir sind sehr dankbar, drei Grundschulen in der Verwaltungsgemeinschaft zu haben, die auch von Kindern außerhalb der Verwaltungsgemeinschaft besucht werden. Die Grundschulen prägen das gesamte Ortsbild unserer Gemeinden. Sie sind eine der wenigen öffentlichen Einrichtungen im ländlichen Raum.
Die aktuelle Debatte auf Landesebene sieht allerdings vor, dass Grundschulen im ländlichen Raum künftig mindestens 80 Schüler haben müssen. Diese Regelung würde die Schließung der Grundschulen in Knau (67) und Moßbach (61) bedeuten. Mit der Schließung der Grundschulstandorte verlieren die Gemeinden den Anreiz für junge Familien, in diesen Orten sesshaft zu werden. Den sechs- bis zehnjährigen Kindern darf es ganz nach dem Motto „kurze Beine – kurze Wege“ nicht zugemutet werden, morgens und nachmittags quer durch den Landkreis zur Schule zu fahren.
Gemeinsam mit den Gemeinden Knau und Moßbach werde ich mich für den Erhalt dieser beiden Grundschulen einsetzen.

Ein anderes schwieriges Thema sind die Windkraftanlagen. Neben dem Schwerpunkt Oettersdorf gibt es die Vorranggebiete Löhma/Kirschkau und Volkmannsdorf/Neundorf. Wie sieht die weitere Entwicklung aus?

Die Regionale Planungsgemeinschaft hat zwei Vorranggebiete im Entwurf des Regionalplanes für Ostthüringen ausgewiesen, die sich in unseren Mitgliedsgemeinden in den Bereichen Löhma/Kirschkau und Volkmannsdorf/Neundorf befinden. Beide Vorranggebiete befinden sich ausschließlich in Waldgebieten. Im Höllwald bei Volkmannsdorf können maximal drei Windkraftanlagen und im Löhmaer Wald acht bis zwölf Anlagen errichtet werden, die eine Maximalhöhe von 200 Metern aufweisen.
Der Entwurf liegt vom 9. Mai bis 12. Juli 2016 im Landratsamt des Saale-Orla-Kreises für jedermann zur Einsicht aus. Anregungen können bis zum 12. Juli 2016 bei der Regionalen Planungsstelle Ostthüringen beim Thüringer Landesverwaltungsamt, Puschkinplatz 7, 07545 Gera vorgebracht werden.
In den betreffenden Orten zeichnet sich erheblicher Widerstand ab. In den Orten Volkmannsdorf und Crispendorf hat sich die Bürgerinitiative „Naturpark statt Windpark“ e.V. gegründet. Die Gemeinden Löhma und Kirschkau erheben ebenfalls Protest gegen die Errichtung von Windkraftanlagen, die für den 29. Mai 2016 eine Protestveranstaltung im Löhmaer Wald organisieren werden.
Bei diesem sehr emotionalen Thema ist es neben den Protestaktionen besonders wichtig, sich zum Planentwurf auch verbal innerhalb der Auslegungsfrist zu äußern.

Seit vorigem Jahr wird Pörmitz vom Straßenbau geprägt. Wird der dieses Jahr abgeschlossen?

Der Ausbau der Straße in der Ortslage Pörmitz wird in diesem Jahr fertig gestellt. Begonnen haben die Bauarbeiten im vergangenen Jahr. Vor zwei Wochen wurden die Bauarbeiten wieder aufgenommen. Hierbei handelt es sich um eine Maßnahme der Gemeinde Pörmitz, des Zweckverbands Wasser/Abwasser „Obere Saale“, der Thüringer Energienetze und der Deutschen Telekom. Im vergangenen Jahr war der Saale-Orla-Kreis einbezogen, da die Kreisstraße ausgebaut wurde.

Vom 13. bis 15. Mai feiert Volkmannsdorf sein 650-jähriges Ortsjubiläum. Können Sie etwas über das Programm verraten?

Die Gemeinde Volkmannsdorf feiert an diesem Wochenende ihre Ersterwähnung vor 650 Jahren und begrüßt alle Gäste zu verschiedenen Veranstaltungen. Das Jubiläum beginnt am Freitagabend mit einer Festveranstaltung im Kulturhaus. Am Sonnabend feiert die Kirchgemeinde Volkmannsdorf um 18:00 Uhr einen Festgottesdienst mit Sologesang sowie einem kleinen Bläser -und Orgelkonzert in der Kirche. Viele Höfe stehen am Sonntag im ganzen Ort mit vielen Ausstellungen und Programmen für die Besucher offen. Mit selbst hergestellten Speisen wie Kuchen, Detscher, Torte, Brot und vielem mehr können sich die Gäste bewirten und verwöhnen lassen. Mit Thüringer Roster, Rostbrätel, Burgern und anderen Speisen und Getränken wird das gesamte Wochenende für das leibliche Wohl der Besucher bestens gesorgt sein.
Musikalisch wird das Fest von der Schalmeienkapelle aus Kleinreisdorf am Sonntag ab 17 Uhr unterstützt. Neben der Verlosung der großen Tombola, viel Musik und Tanz wird der Abend seinen Höhepunkt in einem riesigen Höhenfeuerwerk finden.
Ich wünsche den Organisatoren ein gutes Gelingen ihres Festes und den Gästen ein unvergessliches Wochenende in Volkmannsdorf.

Wie schätzen Sie die Entwicklung des Tourismus im Plothener Teichgebiet ein?

Unsere Verwaltungsgemeinschaft ist vom Tourismus geprägt. Die Region ist für auswärtige Gäste sehr attraktiv. In allen Gemeinden engagieren sich Bürgerinnen und Bürger, um den Gästen ein vielseitiges Angebot zu unterbreiten. Zahlreiche Übernachtungsmöglichkeiten stehen in den Orten zur Verfügung.
Ein erster Anlaufpunkt für Gäste kann die Touristinformationsstelle in Plothen sein, um sich über Sehens- und Erlebenswertes in der Region zu informieren. Sie wurde durch die Kommunale Arbeitsgemeinschaft „Land der Tausend Teiche“ ermöglicht. Die umliegenden Gemeinden haben im Jahr 2007 mit Hilfe von Fördermitteln das ehemalige Plothener Wiegehaus umgebaut. Die Tourismusstelle ist von April bis Oktober dienstags, freitags, samstags, sonntags und feiertags von 13 bis 16 Uhr geöffnet.

Welche weiteren Gründe gibt es für Auswärtige, einmal die VG Seenplatte zu besuchen?

In unserer Verwaltungsgemeinschaft gibt es sehr viele attraktive Freizeit- und Tourismusangebote, dass ich hier nur einige stichpunktartig nennen kann. Beispielsweise den Campingplatz Plothen-Dreba im Land der Tausend Teiche, wo Dauercamper und auch kurzfristige Camper willkommen sind. Der Hausteich mit seinem Pfahlhaus ist ein überregionaler Anziehungspunkt.
Die Thüringer Oberlandbahn lädt auf der ehemaligen Bahnstrecke Triptis-Marxgrün mit beeindruckenden technischen Bauten und zahlreichen Tunneln ein.
Die gute Küche mit Thüringer Hausmannskost präsentiert sich zu den Fisch- und Wildwochen. Käse, Wurst, Fleisch und Kuchen aus eigener Herstellung laden ganzjährig zum Schlemmen und geführte Wanderungen sowie Draisine- und Kremserfahrten zum Entdecken ein.
Besuche lohnen sich im Rittergut Knau mit dem Schlosspark, in der alten Wassermühle mit Bauernmuseum und Theaterscheune in Knau und im Kinderland Dittersdorf mit dem Indoorspielplatz. Für zahlreiche kulturelle Angebote sorgt die Kulturstiftung Dreba.

Zur Person

Kathleen Mertz (CDU) ist 31 Jahre alt und war bis zu ihrem Amtsantritt als VG-Chefin Verwaltungsleiterin der Einheitsgemeinde Gefell. Die Diplom-Verwaltungswirtin (FH) wohnt in Schöndorf. In ihrem Heimatort engagiert sie sich ehrenamtlich im Gemeinderat, in der Freiwilligen Feuerwehr und der Kirchgemeinde und im Heimatverein. Darüber hinaus wirkt sie im Kantatenchor der evangelischen Kirchgemeinde in Schleiz mit.
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