Greiz ehrt Winfried Arenhövel und Rudolf Kuhl mit Bürgermedaillen der Stadt

Rudolf Kuhl (l.) und Winfried Arenhövel zeigen ihre silbernen Bürgermedaillen.
Die Biografien von Winfried Arenhövel und Rudolf Kuhl könnten unterschiedlicher kaum sein. Dennoch weisen sie erstaunliche Gemeinsamkeiten auf. Während der eine, Winfried Arenhövel, 1949 in Weimar geboren wurde und seit 1974 in Greiz lebt, ist der andere, ein Ur-Greizer. Beider Lebenswege wurde durch die DDR beschnitten. Beide sind Musiker mit stark ausgeprägten gesellschaftlichem Engagement.

Rudolf Kuhl – den alle, die ihn kennen, nur „Ruby“ nennen – kam 1947 in Greiz zur Welt. Er gehört zu den Gründern der noch heute aktiven Jazz-Formation „media nox“. Der Band wurde in den 60er und 70er Jahren immer wieder die Spielerlaubnis entzogen, weil sich ihre Mitglieder beispielsweise 1968 durch das Tragen tschechischer Flaggen mit dem Prager Frühling solidarisierten. Wegen seiner „antisozialistischen Haltung“ wurde dem gelernten Maschinenbauer auch ein Ingenieurstudium verweigert. Kuhl, der im VEB Plasttechnik arbeitete, wurde in der Wendezeit Sprecher des Neuen Forums in Greiz und organisierte am 28. Oktober 1989 die erste genehmigte Montagsdemonstration in der Ostthüringer Kreisstadt. Von 1990 bis 1999 war der „Querdenker“, wie er sich selbst bezeichnet, Greizer Stadtrat ("vom Staatsfeind zum Satdtrat ", Kuhl über Kuhl) und ab 1994 gar ehrenamtlicher beigeordneter Bürgermeister. Von 1999 bis 2007 war Kuhl Projektmanager des Greizer Theaterherbstes und bis voriges Jahr Vorstand des Greizer JazzWerkes, einem kulturellen Kleinod, das weit über Ostthüringen hinaus strahlt.

Winfried Arenhövel durfte als Jugendweiheverweigerer und Wehrersatzdienstleistender nicht Musik studieren. Nach dem kirchlichem Abitur arbeitete der Katholik ein Jahr als Bühnenarbeiter in Erfurt, danach lernte er Buchdrucker und wurde Lektor des Kiepenheuer Verlages. 1974 schließlich kam er nach Greiz, weil am hiesigen Sinfonieorchester eine Stelle frei war. In der heutigen Vogtland Philharmonie ist er nun seit 38 Jahren Geiger. Doch Winfried Ahrenhövel ist in vielen Künsten zu Hause. Er schreibt Kinderbücher und Krimis, er leitet des katholischen Chor in Greiz und ist ein begnadeter Festredner. Erinnert sei nur an seine denkwürdige Ansprache am 3. Oktober 1990 als Mahnung an die Gesellschaft. Seit einigen Jahren organisiert Winfried Ahrenhövel auf der Waldbühne Legefeld bei Weimar Familientheater und Weihnachtsmärchen.

Musikalische Schnittstellen gab es zwischen dem klassischen Geiger und dem Jazzmusiker bisher noch nicht. „Auf künstlerischer Ebene sind wir uns bisher noch nicht begegnet, aber auf menschlicher“, sagt Winfried Arenhövel über Rudolph Kuhl. Diese Begegnungen waren von gegenseitiger Achtung geprägt. Am 17. März 2012 verlieh Greiz Winfried Arenhövel und Rudolf Kuhl für ihr kulturelles und gesellschaftliches Engagement die Bürgermedaillen in Silber.
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Petra Seidel aus Weimar | 20.03.2012 | 14:18  
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