Landrat auf Handwerks- und Gewerbetour

Geschäftsführer Jürgen Schaller zeigt Landrat Thomas Fügmann sein Unternehmen, (Foto: Willy Slansky)
 
v.l.: Geschäftsführerin Ute Fischer, Landrat Thomas Fügmann, Werkleiter Uwe Köhler, Bürgermeister Jan Schübel, Büroleiter Landrat Christian Herrgott. (Foto: Willy Slansky)
Ebenso wie im vergangenen Jahr besucht Landrat Thomas Fügmann auch in diesem Jahr Unternehmen im Saale-Orla-Kreis um sich vor Ort ein Bild von der Leistungsfähigkeit der jeweiligen Firmen zu machen. Gleichzeitig geht es ihm auch darum, bei anstehenden Problemen im Rahmen seiner Möglichkeiten Hilfe und Unterstützung zu geben.

Als erste Firma auf seiner Besuchsliste stand am vergangenen Dienstag die Turm-Schuh GmbH in Bad Lobenstein

Der langjährige Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter des Unternehmens, Jürgen Schaller, schilderte Landrat Thomas Fügmann und seinen Mitarbeitern sowie dem ihm begleitenden Lobensteiner Bürgermeister, Thomas Weigelt, eindrucksvoll die überaus interessante Unternehmensgeschichte. Diese reicht bis 1946 zurück, als zunächst an zwei Standorten eine Fabrik für Schuhe und eine Fabrik für Ledertaschen die Produktion aufnahmen. Ab 1953 wurde die Ledertaschenfabik und ab 1958 die Schuhfabrik als VEB weiter geführt. 1960 vereinigten sich beide Fabriken zu einem Unternehmen und fertigen seit dem bis heute am gleichen Standort in Bad Lobenstein nur noch Schuhe an. Eine besondere Zäsur, schildert Jürgen Schaller, war die Zeit nach der Wende, als es darum ging das Unternehmen zu erhalten und weiterzuführen. Jürgen Schaller wagte damals den risikoreichen Schritt in die Selbständigkeit und beteiligte sich am Kauf des Unternehmens durch die Treuhand. Zu dieser hatte er persönlich, wie er betonte, ein gutes Verhältnis. Als Geschäftsführer und alleiniger Gesellschafter führt er heute ein Unternehmen mit über 30 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die hochwertige Lederschuhe in Handarbeit herstellen. Die Turm-Schuh GmbH ist im Osten Deutschlands heute übrigens nur noch die letzte Firma, die Straßenschuhe produziert, informierte Jürgen Schaller den Landrat. Die Turm-Schuh GmbH macht im Jahr ca. 2 Mio Euro Umsatz, davon 1 Mio durch Eigenproduktion und 1 Mio durch die Produktion für Birkenstock. Interessant war zu erfahren, dass 80 % Damenschuhe und nur 20 % Herrenschuhe produziert werden. Es gibt sogar eine eigene Kollektion für die Zielgruppe ab 50.
Neben Kunden aus ganz Deutschland, hier besteht ein eigenes Vertriebsnetz, beliefert das kleine Schuhunternehmen auch weltweit z.B. Kunden in Russland, USA, Kanada und Japan die Qualität zu schätzen wissen. „Die Qualität ist aber unser Problem“, fügte Schaller im Gespräch scherzhaft hinzu, „weil die Schuhe dadurch nicht so schnell kaputt gehen“. Beim anschließenden Betriebsrundgang erläuterte Jürgen Schaller dem Landrat in der Produktionshalle alle notwendigen Schritte vom Zuschnitt des Leders bis hin zum fertigen Schuh.
Als langjähriger und zufriedener Kunde ließ es sich der Landrat am Ende seines Besuches nicht nehmen, neben guten Wünschen für die weitere Entwicklung, bei dieser Gelegenheit gleich noch ein Paar bequeme Schuhe einzukaufen.
Wer möchte, kann künftig auch über das Internet Schuhe aus Bad Lobenstein beziehen. Dafür laufen gerade die technischen Vorbereitungen.

Ein weiterer Besuch galt an diesem Tag dem Granitwerk Fischer GmbH & Co KG in Heberndorf

„Die Gründung des ersten Steinbruchunternehmens unter den Namen Fischer geht auf das Jahr 1911 zurück als in Mellenbach der Diabas-Steinbruch erschlossen wurde. Den damals wachsenden Bedarf an Pflastersteinen folgend, eröffneten die Gebrüder Fischer im Jahr 1927 in Heberndorf einen zweiten Steinbruch am Henneberg“ schilderte Geschäftsführerin Ute Fischer, nunmehr schon in 4. Generation, die Anfänge des Unternehmens. Die schnell wachsende Pflastersteinherstellung wurde parallel durch die Erzeugung von gebrochenen Produkten und Massenschüttgütern ergänzt und im Laufe der Jahre die dazu erforderliche Technik, wie Aufbereitungsanlagen angeschafft. So wurden z.B. ab 1936 ca. 1 Mio. Tonnen Granit-Zuschlagsstoffe in drei Jahren zum Bau der Hohenwarte Talsperre geliefert. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Betonwerk, trotz veränderter Eigentumsverhältnisse von Rudolf Fischer und später von seinem Sohn Manfred Fischer weiter geleitet. Nach der Einheit Deutschlands wurde das Werk reprivatisiert. Eine moderne Aufbereitungsanlage wurde angeschafft, die mobile Steinbruchtechnik erneuert. Später kam eine moderne Vorbrecheranlage mit zweistufiger Vorsiebung und nachgeschalteter Zwischenklassierung für die Herstellung von Wasserbausteinen hinzu. Weitere neue Anlagenteile folgten, so dass das Unternehmen heute in der Lage ist, den modernen Qualitätsanforderungen umfassend gerecht zu werden. Durch hohe Automatisation der Produktionsabläufe bedingt, sind heute nur noch ca. 20 Beschäftigten im Steinbruch beschäftigt. Diese fertigen gebrochene und klassierte Gesteinsprodukte aus Granit in hoher Qualität, Schotter, Edelsplitte, farbige Splitte, Splitte zur Straßenaufhellung, Brechsande, Mineralgemische, Gleisschotter, Wasserbausteine, Maurersteine, Garten- und Parksteine bis hin zur bekannten Heberndorfer Gehwegmischung.
Im Handelssortiment sind auch Pflaster und Werksteine.
Im Informationsgespräch wurden durch die Geschäftsführerin auch Probleme angesprochen, wie der ungenügende Straßenzustand in Weitisberga und Umgebung als auch auf Probleme aufmerksam gemacht, die sich z.B. durch den Bau des Bahnüberganges an der B 90 für das Unternehmen ergeben könnten. Auch die Länge von Genehmigungsverfahren durch die Forstbehörde sowie die relativ sehr späten kommunalen Ausschreibungen waren Gegenstand der Diskussion. Landrat Thomas Fügmann versprach hierbei entsprechend seinen Möglichkeiten Unterstützung zu geben.
Bei einer anschließenden Rundfahrt durch den Steinbruch konnten sich die Besucher ein Bild von der Größe und Dimension des Bruches und der Produktion machen. Thomas Fügmann zeigte sich danach sichtlich erstaunt über die Größe der dabei eingesetzten Technik und ihre sichere Beherrschung durch die Mitarbeiter und wünschte dem Unternehmen auch weiterhin eine erfolgreiche Entwicklung
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