Pöllwitz und Bernsgrün weiter ohne Zughalt

Blick in den Führerstand eines "Desiro" der Vogtlandbahn beim Passieren des Liebschwitzer Viadukts

Pöllwitz/Bernsgrün.

In Pöllwitz und Bernsgrün werden auch zukünftig keine Züge halten, auch nicht bei Bedarf. Dies und viele weitere Details zum neuen Fahrplan hat die NVS jetzt bekanntgegeben. Für die beiden genannten Haltepunkte wird dies mit den „fehlenden zeitlichen Reserven in Fahrplan“ begründet. Die Einführung eines Bedarfshaltes für alle Züge wird mit derselben Begründung abgelehnt. Auch der Wunsch nach einer besseren Umsteigeverbindung von Greiz über Gera nach Saalfeld wird mit der eingleisigen Strecke abgelehnt. Also bleibt es auch in Zukunft so, dass die Vogtlandbahn aus Greiz in Gera Süd den Anschluss Richtung Saalfeld um 2 Minuten verpasst.

Ohne Erfolg und ohne Lobby…


…für die Oberländer waren die Versuche, ihre Zug-Halte wieder zu bekommen. Da hier die Unterstützung der Politik fehlte, bleiben sie weiterhin von der großen weiten Welt des Schienenverkehrs abgeschnitten. MdB Volkmar Vogel (CDU), immerhin stellvertretender Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestages, der sich lt. Internet für eine bessere Anbindung des Vogtländischen Oberlandes an den ÖPNV einsetzen wollte, hat sich hier nie eingebracht. Jedenfalls war für den interessierten Bürger nichts bemerkbar. Aber auch den Landtagsabgeordneten mit Direktmandat Emde und Krauße (beide CDU) scheint die Region völlig egal zu sein. In Ermangelung ernstzunehmender Konkurrenz sind sie sich der meisten Wählerstimmen 2014 ziemlich sicher. Wenn die Landrätin immer betont, sie wäre nur für den Straßenpersonennahverkehr zuständig, so mag das zwar auf dem Papier stimmen. Aber als dienstälteste CDU-Landrätin verhallen ihre Wünsche in Erfurt bei der CDU-Ministerpräsidentin nicht ungehört, sofern sie denn geäußert werden. Besonders verwunderlich ist die Tatsache, dass diese massive Verschlechterung der Lebens- und Standortqualität im Bürgermeister- und Landratswahlkampf keine Rolle spielte. Das gibt schon zu denken, mir jedenfalls!
Viele der von den interessierten Fahrgästen eingereichten Vorschläge musste die Nahverkehrsgesellschaft Thüringen ablehnen, weil die Strecken nicht in der Lage sind, zusätzliche Fahrzeitreserven zur Verfügung zu stellen oder weil schlicht und einfach das Geld fehlt, um in der Ostthüringer „Provinz“ mehr Züge zu bestellen. Zugute halten muss man aber Geschäftsführer Volker M. Heepen und seinem Team, dass sie alles möglich machen, was irgendwie geht. Doch hier rächt sich die jahrelange Ignoranz der Landes- und Bundespolitiker für den Ostthüringer Schienenpersonennahverkehr. Wäre die Strecke zwischen Zeulenroda und Mehltheuer auf 100 km/h ertüchtigt worden, hätte man die notwendigen Fahrzeitreserven, um bei Bedarf in Pöllwitz, Bernsgrün und Pausa zu halten. Wohlgemerkt, bei Bedarf. Keine Fahrgäste würden bedeuten, dass der Zug durchfahren würde. Steht jemand da, hält der Triebwagen und die ÖPNV-Benutzer könnten entweder nach Hof – Nürnberg, Zwickau – Dresden oder Gera – Leipzig/Jena – Erfurt fahren.
Die Bahn und die regionalen Verkehrsverbünde bieten genug regionale Tickets an, um sich preiswert in der Region und überregional bewegen zu können. Erwähnt sei hier das Egronet-Ticket, mit dem man für 15 € pro Person von Zeulenroda bis Bayreuth oder von Greiz bis Cheb und zurück fahren könnte. Ein anderes lukratives Ticket ist das Thüringenticket, welches ebenfalls in Sachsen und Sachsen-Anhalt im Schienenpersonenverkehr gilt. Doch wo kein Zug hält, da steigt keiner ein. Keine Fahrgäste bedeuten aber auch keine Einnahmen. Das wiederum heißt für die Aufgabenträger, dass sie mehr an die Verkehrsunternehmen zahlen müssen für ihre bestellte Leistung. Wie das in Zeiten immer knapper werdender Mittel irgendwann ausgeht, weiß wohl jeder. Jeder Bürger, denn in der kleinen und großen Politik ist das noch nicht angekommen. Hier reagiert man eventuell erst, wenn der letzte Zug schon unterwegs ist. Bei Greiz – Neumark oder Werdau – Wünschendorf war es auch so!
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