Projekt für Schulen zur Aufklärung der Ursachen und Wirkungen des Rechtsextremismus in Deutschland.

Stephan Krawczyk in der Regelschule Pohlitz
 
Mimik und Ausstrahlung bei seinen Vorträgen
Greiz Regelschule Pohlitz
Die am Ende des letzten Schuljahres in der Regelschule Pohlitz ins Leben gerufene Arbeitsgruppe „Bunte Schule“ hat ein Projekt mit der Intention von Nachhaltigkeit erarbeitet. Das Ziel der Aktivitäten ist Aufklärung zur Stärkung des Selbstbewusstseins nach dem Motto „Wissen schafft Mut“. Bei allen vorgesehenen Projekten geht es um Aufklärung und Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Zum Projekt gehörte auch die Buchvorlesung „Mensch Nazi“. Am vergangenen Mittwoch in der Aula der Regelschule Pohlitz, dort suchte der Komponist, Schriftsteller und Sänger Stephan Krawczyk gemeinsam mit Schülern am Beispiel des Protagonisten Klemens, während der Buchlesung nach Antworten auf die Fragen: „ Sind Neo-Nazis Monster oder Menschen? Welche Pfade führen in den Sumpf der rechten Szene? Und was muss auf den Wegweisern stehen, die aus dem Dickicht Deutschtums dumpfen , tragischer Heldenträume und Versagerängsten wieder herausführen? Mit Liedern die im Zusammenhang zum Thema standen, hatte der Liedermacher nicht nur für eine angemessene Stimmung gesorgt, sondern zum Schmunzeln, nachdenken, besonders bei einem seiner Liedtexte „„Bist du erst in der Pubertät ist es meistens schon zu spät,und wenn dann noch der Falsche kummt, dich auf seine Art verdummt. Der kriecht dir in dein Köpfchen rein. Plötzlich schwörst du Stein und Bein, dass seine Sache richtig ist. Dabei ist sie der größte Mist“ und zum mitsingen angeregt. Stephan Krawczyk, der aus Weida stammende Bürgerrechtler , entwickelt aus einer Szene, die Geschichte eines jungen Mannes aus Ost-Berlin. In der Eckkneipe von nebenan treffen Menschen aufeinander und es kommt fast zur Schlägerei. Weil Klemens, der junge Neonazi, dessen Mutter früh starb und der bis zu seinem zwölften Lebensjahr im Kinderheim aufwächst, das Wort „Deutschmann“ aus der Unterhaltung zweier Freunde am Nachbartisch missversteht und weil einer der beiden Freunde, dem gewaltbereiten Blick eines angetrunkenen Deutschtümlers nicht ausweicht. Klemens hat kein geregeltes Elternhaus, nach dem Tod der Mutter lebt er beim Vater, der seit der Wende arbeitslos ist, einen Job als Wachschutzmann bekommt und nach Mecklenburg- Vorpommern zieht. Klemens beginnt auch hier wieder die Schule zu schwänzen, was niemanden und schon garnicht den Vater kümmert. Auf der Suche nach Anerkennung und Autorität trifft er auf eine Wehrsportgruppe und findet wie er glaubt, endlich ein Zuhause bei den Glatzen. Denn auch er hatte sich zuvor den Kopf rasiert, eine Glatze macht noch keinen Nazi, wird aber für einen gehalten. Die Bekanntschaft mit den „Zecken“ im Viertel endet mit einer blutigen Abreibung, weil Clemens während einer Konfrontation Zivilcourage zeigte. Der Vater schmiss ihn nach einem Gelddiebstahl mit den Worten „Du bist Nazi, dich nimmt keiner“ aus der Wohnung. Schulabbruch, Lehrbeginn als Maurer, denn ein Deutscher braucht Ausbildung, sagen die Glatzenkumpels. Schwule aufkloppen, Kriegsspiele im Suff bei einem seiner Artgenossen sorgen für ein tiefes Loch im Lebenswandel aus dem er sich dann doch noch befreien kann. Die späte Einsicht „Ich bin das nicht“ den Gutschein für ein besseres Leben, den lös ich am besten bei mir selber ein“. „Die Suche nach dem eigenen Klang muss jeder selbst herausfinden“, sagte Krawczyk, zog eine Maultrommel an die Lippen, eigenes Tun, nach Möglichkeiten auch mal originell zu sein, die Aufmerksamkeit anderer auf sich ziehen und damit der Einsamkeit entfliehen, statt sich von blendenden Ideologien verführen zu lassen. Klemens sei in vielen Punkten seines Lebens das Gespräch verweigert worden, so dass es zum Super-Gau in dessen Hirn kommen konnte. Die Vorlesung war eine passende Ergänzung zu unserem breit angelegten Projekt „Bunte Schule“ sagte dankend Schulleiterin Silke Zacher zu Stephan Krawczyk, der für seinen Vortrag spontanen Applaus erhielt. So offen über das eigene Leben sprechen, mit Bespitzelung durch die Stasi, Mordandrohung, Berufsverbot, Inhaftierung, Abschiebung in die damalige BRD, neues Leben beginnen, neue Projekte suchen, das fand das Interesse der Schüler, die im Anschluss viele Fragen zum Thema und zum Leben in der DDR hatten. Sebastian Schulz von der 10a sagte, mich begeisterte die Offenheit, wie Krawczyk über seine Vergangenheit zu uns sprach, ich glaube nicht, dass ich das so könnte. Laura Krah von der 9b gefiel der Vortrag der zum Nachdenken aufgerüttelte und Jessica Böhm von der 10a war begeistert, einen Einblick in das Leben des Stephan Krawczyk in der DDR zu erhalten. Das Projekt „Mensch Nazi“ wird von der Bundeszentrale für politische Bildung sowie dem Anne Frank Fonds finanziert. Träger des Projekts ist die Projektgruppe „Zwangsarbeit“ e. V.
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Hannelore Grünler aus Artern | 01.03.2015 | 12:47  
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