Stolpersteine als Mahnung und Erinnerung

vl. Jeanette Procksch und Stefanie Scholz von der Seminargruppe 5 der Staatlichen Berufsschule mit den Stopersteinen, die im Gartenweg, Kugelacker und in der Südstraße im Straßenasphalt eingebracht wurden
 
Bürgermeister G. Grüner spricht Worte zum Gedenken
Die ersten Stolpersteine zum Gedenken an vier jüdische Familien, die von den Nationalsozialisten vor 1945 deportiert und in Konzentrationslagern ermordet wurden, sind am 18. Oktober in der Südstraße 6, am Kugelacker 27 und im Gartenweg 7 vor dem letzten selbst gewählten Wohnort gesetzt worden. Hier fand auch unter der Anwesenheit von ehemaligen Familienmitgliedern die Gedenkfeier statt.
Bürgermeister Gerd Grüner sprach von den tragischen Schicksalen dieser mit jüdischer Abstammung in Greiz lebenden Bürgern und sagte hierzu; „die Stolpersteine sollen für zukünftige Generationen Mahnung sein, damit soll auch ein Zeichen gesetzt werden, damit sich solche Menschen verachteten Taten nie wiederholen dürfen“.
Unterstützung bei der Aufarbeitung der Vergangenheit hatten Jeanette Procksch, Stefanie Scholz und Anja Schönfeld von der Staatlichen Berufsbildenden Schule Greiz bei Willi Brüssel-Mautner und dem Pfarrer i. R. Hartmut Flach. Zudem konnten sich die Schülerinnen in der Ausstellung „Arivisierung in Thüringen“ in der Vogtlandhalle über jüdische Familien in Greiz informieren.
Der Künstler Gunter Demnig hatte diese Aktion ins Leben gerufen und bereits in 500 Orten Deutschlands und in mehreren Ländern Europas Stopersteine gesetzt.. Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten.
Am Gartenweg 7 erinnern nun zwei Steine an Hans Kramer, er wurde am 15. September 1893 als Sohn jüdischer Eltern in Greiz geboren.
Er wurde später Miteigentümer der Weberei „Müller & Kramer" in der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße, bei den rund 400 Beschäftigten spielte es in der Firma keine Rolle, dass die Familie jüdischen Glaubens war.
Er war begeisterter Reiter und teilte seine Leidenschaft für den Reitsport mit vielen Freunden. Im Betrieb selbst war Hans Kramer bei den Beschäftigten beliebt, es gab eine Werkskapelle, Tanz- und Laienspielgruppe und regelmäßige Modenschauen bei der Konfektion mit Stoffen der eigenen Produktion vorgeführt wurden. Gemeinsam mit der Belegschaft gab es nicht nur einmal die „Fahrt ins Blaue“ und unterwegs wurde an der eingerichteten “Tankstelle“ Halt gemacht um sich zu stärken.
Hans führte eine glückliche Ehe mit der am 29. Januar 190O geborenen Hilde.
Doch in den dreißiger Jahren wurde der Druck auf jüdische Bürger in ganz Deutschland immer größer. Von dieser Entwicklung blieb auch die Familie Kramer nicht unberührt und so verließen Hans und Hilde mit ihren beiden Kindem 1938 ihr Zuhause in der Elsterstraße 7. Die Familie floh über die Schweiz nach Nizza in den Süden Frankreichs. Am 03. November 1942 wurden Hans und Hilde in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert, in dem sie ums Leben kamen.
Als ich am Kugelacker vor dem Haus Nr. 27 stand, um ein Foto vom Stolperstein der Familie Popper anzufertigen, sprach mich eine ältere Frau an und sagte mir, die Familie habe sie gekannt, war damals erst 8 Jahre alt und fuhr 1942 nach Erfurt, dort hatte sie eine Begegnung auf dem Hauptbahnhof mit einem Transport in denen Frauen und Kindern eingepfercht waren. Fast wäre ihr eine humane Aktion zum Verhängnis geworden, denn sie wollte den Kindern eine Rolle Kekse reichen, doch im letzten Moment erkannte ihre Mutter die Gefahr und hielt sie am Arm zurück. Das Bild, ein Trauma, habe sie bis heute nicht vergessen können.
Die Familie Popper wurde verschleppt, auseinander gerissen, Julie Popper kam nach Theresienstadt, dort starb sie am 27.Februar 1943.
Auch bewegend war das Leben von Dora Weigel, geborene Flom, zum Gedenken wurde vor dem Haus Nr. 6 in der Südstraße ein Stolperstein gesetzt. Vermutlich von 1942 bis 1945 war sie in Vernichtungslagern, dort konnte sie der Gaskammer entkommen, als 1945 die Rote Armee Theresienstadt befreite, lief sie nackt den Soldaten entgegen. Mit gesundheitlichen Schäden lebte sie noch einige Jahre in Greiz.
Gestiftet wurden die Stolpersteine, einer kostet 100 Euro, von der Sozialministerin Thüringens, Heike Taubert, dem Staatlichen Berufsbildungszentrum Greiz-Zeulenroda, der Freien Schule Reudnitz und von Mitgliedern des Kulturausschusses gestiftet.
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8 Kommentare
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Renate Jung aus Erfurt | 30.10.2011 | 11:23  
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Petra Seidel aus Weimar | 30.10.2011 | 11:49  
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Dieter Eckold aus Zeulenroda-Triebes | 30.10.2011 | 12:18  
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Gunter Linke aus Saalfeld | 30.10.2011 | 23:11  
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Dieter Eckold aus Zeulenroda-Triebes | 30.10.2011 | 23:27  
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Hannelore Grünler aus Artern | 31.10.2011 | 03:43  
6
Roman FURBERG aus Gera | 14.12.2014 | 22:11  
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Dieter Eckold aus Zeulenroda-Triebes | 17.12.2014 | 16:17  
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