Thüringer Wurzeln: Die Vorfahren des US-Finanzministers kommen aus Zeulenroda

Stadtarchivar Christian Sobeck (r.) zeigt zeigt dem Washington Post-Korrespondenten Michael Birnbaum und dessen Kollegin Petra Krischok historische Zeulenrodaer Unterlagen mit Einträgen über die Familie Geithner.
 
Bürgermeister Dieter Weinlich (M.) zeigt Michael Birnbaum und Petra Krischok historische Unterlagen der Stadt Zeulenroda.
Der Finanzminister der USA, Timothy F. Geithner, hat seine Wurzeln in Ostthüringen: Sein Großvater Paul Hermann Geithner wurde 1902 in Zeulenroda geboren. Die Familie wanderte 1908 in die USA aus und wurde 1913 in Pennsylvania eingebürgert. Den Ursprüngen dieser Geschichte gingen der Berliner Korrespondent der "Washington Post", Michael Birnbaum, und seine Kollegin Petra Krischok jetzt auf den Grund. Die Journalisten recherchierten in Zeulenroda-Triebes vor Ort, dabei erfuhren sie von Bürgermeister Dieter Weinlich und Stadtarchivar Christian Sobeck Interessantes über die Vorfahren des US-Finanzministers.

Der Historiker Christian Sobeck hat akribisch das Stadtarchiv nach Geithner-Spuren durchsucht und dabei spannende Fakten zutage gefördert: "Die Geithners waren eine Aufsteigerfamilie des 20. Jahrhunderts", so seine Einschätzung. Dabei bezieht sich Sobecks Wertung sowohl auf die Zeulenrodaer Zeit als auch auf die ersten Jahre in den Vereinigten Staaten. Der Stadtarchivar legte den "Washington Post"-Korrespondenten alle historischen Dokumente auf den Tisch, die er über die Geithners finden konnte: Alte Adressbücher, das Zeulenrodaer Bürgerbuch 1891 - 1901 und historische Bauakten zeugen von der Betriebsamkeit der Familie. So hat Hermann Franz Geithner im Jahre 1888 in der Brunnenstraße 8 für seine Familie ein Haus gebaut, in dem sein Sohn Paul Hermann Geithner am 2. Mai 1902 das Licht der Welt erblickt hat. Im gleichen Jahr, am 14. August, meldete Hermann Franz einen Tischlereibetrieb an. Bereits 1900 hatte er das volle Bürgerrecht der Stadt Zeulenroda erworben. "Das erhielten damals nur zehn Prozent der Einwohner. Die waren dann berechtigt, zu wählen und ein Gewerbe anzumelden", so Christian Sobeck.

Aufbruchstimmung oder Sehnsucht nach der "Neuen Welt" mögen es gewesen sein, die Hermann Franz Geithner 1907 veranlassten, in die USA überzusiedeln. Im Jahr darauf folgte Ehefrau Anna und mit den Kindern auf dem Schiff "Kaiserin Auguste Victoria" über den "Großen Teich". Am 20. Februar 1913 erhielten die Geithners die Einbürgerungsurkunde in Pennsylvania. Da war Sohnemann Paul Hermann noch keine zwölf Jahre alt. Dessen Spur lässt sich aus hiesiger Sicht noch bis 1930 verfolgen, als der Großvater des US-Finanzministers in Philadelphia lebte.

Timothy F. Geithner kam am 18. August 1961 in Brooklyn, New York, zur Welt und ist einer der jüngsten Finanzminister in der amerikanischen Geschichte. Seine Familie ist offenbar recht traditionsbewusst und steht zu ihren deutschen Wurzeln: Das "F." im Vornamen des Finanzministers steht für "Franz" - wie bei seinem Zeulenrodaer Urgroßvater Hermann Franz Geithner.

Michael Birnbaum von der "Washington Post" wird die Geschichte in diesen Tagen in der größten Tageszeitung der US-amerikanischen Hauptstadt veröffentlichen. Aber auch die allgemeine Entwicklung Zeulenrodas und "die Dinge, die hier passiert sind", interessieren ihn. Bürgermeister Dieter Weinlich gibt ihn mit auf den Weg: "Wir laden ihren Finanzminister gerne in die Stadt seiner Vorfahren ein, da kann er gleich mal bei uns nach den Finanzen sehen!"
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1 Kommentar
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matthias geithner aus Mühlhausen | 18.08.2012 | 14:01  
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