Totgesagte leben länger

  Die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Seenplatte feiert in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Bei ihrer Gründung ging sie aus den Gemeinden Chursdorf, Dittersdorf, Dragensdorf, Görkwitz, Göschitz, Kirschkau, Löhma, Moßbach, Neundorf, Oettersdorf, Plothen, Pörmitz und Tegau hervor. Nach einer Erweiterung um die Orte Bucha, Dreba, Knau und Volkmannsdorf zählte die Gemeinschaft 17 selbständige Dörfer mit fünf Ortsteilen.
2010 wurde die Gemeinde Dragensdorf und 2013 die Gemeinde Chursdorf nach Dittersdorf eingegliedert, sodass die VG aktuell aus 16 Gemeinden mit sechs Ortsteilen besteht. Aufgrund des landschaftlichen Bezugs erhielt sie den Namen „Seenplatte“.

Vom ersten bis zum heutigen Tag führte Martina Voll als Vorsitzende den Ortsverbund durch alle Höhen und Tiefen. Im Gespräch mit dem Allgemeinen Anzeiger blickte Vorsitzende zurück und warf einen Blick in die Zukunft.

AA: Trotz aller Unkenrufe, die VG gibt es bis heute!

Martina Voll (m.V.) : „ Sie kennen doch das Sprichwort ´Totgesagte leben länger´, es trifft auf uns haargenau zu. Entgegen vieler anderweitiger Prophezeiungen, gibt es die VG „Seenplatte inzwischen 25 Jahre. In dieser Gemeinschaft wurden über die Jahre hinweg unzählige Projekte und Aufgaben gemeistert, die eine Einzelgemeinde so nicht hätte bewältigen können.

AA: Welche Projekte stehen derzeit in der VG aktuell an?

M.V.: Die Maßnahmen der Dorferneuerung haben in unseren Dörfern in diesen Jahren zu sichtbaren Veränderungen geführt. Diese Chance haben alle Kommunen genutzt und so wurden 17 Millionen Euro allein im Rahmen der Dorferneuerung eingeordnet, davon rund 10,1 Millionen Euro als Fördermittel. In diesem Jahr ist die Gemeinde Pörmitz mit einer Größenordnung von 1,5 Millionen Euro im Programm. Es ist eine Gemeinschaftsmaßnahme zusammen mit dem Landkreis, dem Zweckverband Wasser/Abwasser, der Thüringer Energie und der Telekom. 2015 und 2016 wird also sehr viel Bewegung in Pörmitz sein.
Neben der Dorferneuerung wurden unter anderen auch umfangreiche Förderungen aus ÖPNV, GVFG, ländlichem Wegebau, LEADER, Kitaförderung und Konjunkturpaket akquiriert. Alle unsere 15 Mitgliedsgemeinden und deren Ortsteile sind inzwischen mit DSL versorgt. Mit dem Ausbau eines neuen Glasfasernetzes durch die Thüringer Netcom wurde für die bis dahin sehr schlecht versorgten Kommunen, eine entscheidende Verbesserung erreicht.
In Knau entstand neben der Grundschule über das LEADER-Programm eine neue Kindereinrichtung. In Dittersdorf öffnete vor einem Jahr ein neuer Kindergarten seine Pforten. Hier wurde in Verbindung mit einer Mehrgenerationen-Wohnanlage ein privater Investor einbezogen. Das in diesem Bereich ebenfalls neu entstandene Indoor-Zentrum hat sich zu einem sehr gut angenommenen Freizeitangebot für die Region entwickelt. Der kurz vor der Fertigstellung stehende Kindergarten in Neundorf fiel im Juli 2013 einem Großbrand zum Opfer und konnte nach nur sieben Monaten Bauzeit wieder seiner Bestimmung übergeben werden.

AA: Sicherlich war es in der Vergangenheit nicht einfach, um alle Projekte in die Tat umzusetzen?

M.V.: Oft mussten neue Wege beschritten werden, um die aktuellen Aufgaben zu bewältigen. Dies ist in der Gemeinschaft der Dörfer immer wieder gelungen. Es entstanden neue Gewerbegebiete und Wohngebiete, die nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, Arbeitsplätze und Wohnansiedlung auf dem Lande zu sichern. So könnten noch unzählige Maßnahmen hier aufgeführt werden für jeden einzelnen Ort der Verwaltungsgemeinschaft. Wer es sehen will, kann die Fortschritte in der Verwaltungsgemeinschaft „Seenplatte“ steit ihrem Bestehen erkennen.

AA: Welchen Herausforderungen wird sich die Region in Zukunft stellen müssen?

Die Herausforderungen der Zukunft werden uns allerdings vor ganz andere Aufgaben stellen, denn trotz aller Bemühungen, das Leben im ländlichen Bereich lebenswert zu gestalten, wird der demografische Wandel unsere Region noch weiter verändern. Wie im ganzen Land Thüringen hat der Einwohnerrückgang auch vor der VG „Seenplatte“ nicht halt gemacht. Lebten in Thüringen 1990 noch 2,6 Millionen Einwohner, so sind das bei einem Bevölkerungsverlust von 15 Prozent heute noch rund 2,2 Millionen. Im Saale-Orla-Kreis ist ein Rückgang von 105 000 auf 83 600 Einwohner zu verzeichnen.
Die rund 6000 Einwohner der VG reduzierten sich in diesem Zeitraum um 795 Personen – eine Ursache dafür, dass die Kommunen heute vor finanziellen Problemen stehen.

Die aktuellen Prognosen unserer Landespolitiker: Verwaltungsgemeinschaften wird es in Zukunft nicht mehr geben und der Saale-Orla-Kreis wird in absehbarer Zeit nur noch aus maximal 5 Städten bestehen.
Wie in diesen letzten 25 Jahren muss man sich immer wieder auf Entwicklungen und aktuelle Aufgaben einstellen und man kann nur für den ländlichen Raum wünschen, dass ein fairer und ehrlicher Umgang miteinander im Interesse der ganzen Region als Grundlage erhalten bleibt.

Nur auf solchen Basis, mit Ideen, Mut zur Entscheidung – immer unter dem Motto „Geht nicht, gibt es nicht“ - kann auch die Verwaltungsgemeinschaft „Seenplatte“ heute stolz auf das Erreichte zurückblicken.
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