VG-Vorsitzende nach 25 Jahren in den Ruhestand verabschiedet

Martina Voll an ihrem letzten Arbeitstag in ihrem Büro. Danach ging es zur Festveranstaltung "25 Jahre VG Seenplatte" in die Plothenbachhalle, wo die VG-Vorsitzende offiziell verabschiedet wurde.
  Oettersdorf: VG Seenplatte |

Im Rahmen der Festveranstaltung „25 Jahre Verwaltungsgemeinschaft Seenplatte“ wurde die langjährige VG-Vorsitzende Martina Voll am Freitagabend aus dem aktiven Kommunaldienst verabschiedet.

„Das schönste ist, mit den Menschen zu arbeiten und etwas für die Menschen zu bewirken. Schlimm dabei ist nur der Bürokratismus, der immer mehr wird und diese Arbeit behindert“, so Martina Voll am 16. Oktober, dem letzten Arbeitstag ihrer Wahlperiode als VG-Vorsitzende. Die 63-Jährige führte von Anfang an die Amtsgeschäfte der VG Seenplatte und war schon zuvor Bürgermeisterin von Oettersdorf. „Mit 29 wurde ich als Bürgermeisterin gewählt“, so die studierte Veterinärmedizinerin.

Mit der Wende kamen völlig neue Herausvorderungen auf die hiesige Kommunalpolitik zu. „Wir haben damals versucht, den bestehenden Gemeindeverband zu erhalten und informierten uns in der Bundesrepublik, welche Möglichkeiten es dazu gab“, erinnert sich Martina Voll. Schnell sei damals klar gewesen, dass die Gründung einer Verwaltungsgemeinschaft der einzige Weg sei, die Eigenständigkeit der Gemeinden zu erhalten. Den Grundstein dazu legte ein gemeinsamer Vertrag auf der Basis von Einzelbeschlüssen, den die 13 Gründungsgemeinden am 7. Dezember 1990 unterzeichneten. Das war die Geburtsstunde der VG „Seenplatte“, der dritten Verwaltungsgemeinschaft in Thüringen überhaupt.

Die Orte Schöndorf, Möschlitz, Lössau und Crispendorf waren zwar bei den Vorbereitungsgesprächen dabei, traten aber letztendlich nicht der VG bei. Dafür fanden vier Jahre später Bucha, Dreba, Knau und Volkmannsdorf aus dem damaligen Kreis Pößneck den Weg in die VG „Seenplatte“, die seit dem 1. März 1991 ihre Verwaltungstätigkeit in einem ehemaligen Gebäude der LPG in Oettersdorf ausübt.

Offiziell anerkannt – und das auch nur zähneknirschend und mit einigen Auflagen verbunden – wurde die Verwaltungsgemeinschaft erst am 29. Oktober 1992 als „Körperschaft des öffentlichen Rechts“. Denn mit der Gebietsreform in Thüringen hatten die Kommunalplaner in Erfurt damals eigentlich etwas anderes mit den Gemeinden im „Land der Tausend Seen“ vor. „Es gab viele Spekulationen und Gebietspoker, dazu auch unschöne Auseinandersetzung“, erinnert sich die scheidende VG-Vorsitzende. Die Karten seien schon längst „von höchster Stelle“ gemischt gewesen, doch „man hatte wohl nicht mit so einer so starken und verschworenen Gemeinschaft wie die unserer Mitgliedsgemeinden gerechnet“.

25 Jahre hat Martina Voll die VG „Seenplatte“ durch zahlreiche Höhen, aber auch Tiefen geleitet und dabei immer das Herz auf der Zunge und einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn gehabt – was sie auch manchmal in prekäre Situationen brachte. Doch in der Bilanz überwiegt die Habenseite. Die Maßnahmen der Dorferneuerung haben in allen Mitgliedsgemeinden zu sichtbaren Veränderungen geführt. Insgesamt wurden 17 Millionen Euro allein im Rahmen der Dorferneuerung eingeordnet, davon rund 10,1 Millionen Euro als Fördermittel. Dieses Jahr ist die Gemeinde Pörmitz mit einer Größenordnung von 1,5 Millionen Euro im Programm. Es ist eine Gemeinschaftsmaßnahme zusammen mit dem Landkreis, dem Zweckverband Wasser/Abwasser, der Thüringer Energie und der Telekom. Auch 2016 wird noch sehr viel Bewegung in Pörmitz sein.

Neben der Dorferneuerung wurden unter anderen auch umfangreiche Förderungen aus ÖPNV, GVFG, ländlichem Wegebau, LEADER, Kitaförderung und Konjunkturpaket akquiriert. Alle Gemeinden der VG und deren Ortsteile sind inzwischen mit DSL versorgt. Mit dem Ausbau eines neuen Glasfasernetzes durch die Thüringer Netcom wurde für die bis dahin sehr schlecht versorgten Kommunen eine entscheidende Verbesserung erreicht.

In Knau entstand neben der Grundschule eine neue Kindereinrichtung. In Dittersdorf öffnete vor einem Jahr ein neuer Kindergarten seine Pforten. Hier wurde in Verbindung mit einer Mehrgenerationen-Wohnanlage ein privater Investor einbezogen. Das in diesem Bereich ebenfalls neu entstandene Indoor-Zentrum hat sich zu einem sehr gut angenommenen Freizeitangebot für die Region entwickelt. Der kurz vor der Fertigstellung stehende Kindergarten in Neundorf fiel im Juli 2013 einem Großbrand zum Opfer und konnte nach nur sieben Monaten Bauzeit wieder seiner Bestimmung übergeben werden.

Alle Maßnahmen hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen.

Dass in ihrer Zeit als Bürgermeisterin und VG-Vorsotzende ihre Familie manchmal zu kurz kam, weiß Martina Voll. „Um so froher bin ich, dass aus meinen beiden Kindern etwas ordentliches geworden ist“, freut sich die dreifache Oma, die nun mehr Zeit mit ihren Enkeln verbringen möchte. Fest steht für sie aber auch, dass sie ihre ehrenamtliche Arbeit weiter betreiben und ausbauen will. Vor allem ihr Engagement für Kinder und Ältere will Martina Voll verstärken.

Mit Blumen und vielen guten Wünschen wurde sie am Freitag in der Plothenbachhalle verabschiedet. Ihre gewählte Nachfolgerin Kathleen Mertz erhielt zu der Festveranstaltung in Plothen die Berufungsurkunde als VG-Vorsitzende und wird ihr Amt in Oettersdorf am 1. November antreten.
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