Abschied von der Basteltante – Greizer Kita geht neue Wege

Professor Dr. Malte Mienert zeigt den Erzieherinnen, links die Leiterin Mandy Winter, die grünen und roten Karten.
 
Im Kies nach versteckten Schätzen suchen oder einfach nur spielen? Auch Gesang, Sport oder Gruppenspiele stehen zur Wahl - die Kinder in der Greizer Kita "Käte Duncker" können frei wählen.
„Schreiben Sie auf den grünen Zettel, wann Sie in ihrer früheste Kindheit am besten etwas gelernt haben und auf den roten, wann ihnen das Lernen besonders schwer fiel“, fordert Professor Malte Mienert die Erzieherinnen und den Erzieher der Kindertagesstätte „Käte Duncker“ in Greiz auf. Nachdem die Probanten das erledigt haben – auf grünem Untergrund stehen Schlagworte wie „In der Gruppe“, „Beim Spielen“ oder „Wenn mich etwas besonders interessiert hat“, auf rotem Papier die gegenteiligen Empfindungen –, fordert der Professor sie auf, ihre Zettel den Kategorien „Selbstbestimmt“ und „Fremdbestimmt“ zuzuordnen. Das Ergebnis überrascht nicht wirklich, höchstens in seiner Eindeutigkeit: Alle grünen Zettel liegen unter „Selbstbestimmt“, während unter „Fremdbestimmt“ nur rote Zettel liegen.

„Dies ist ein eindeutiges Bild für die Arbeit mit Kindern“, schätzt Mienert ein: „Selbstbestimmtes Lernen führt zu den nachhaltigsten Ergebnissen, fördert die eigenständige Persönlichkeitsentwicklung mehr als der ‚Nürnberger Trichter’ oder andere überholte pädagogische Methoden.“ Und gibt damit den neuen Wegen Recht, die die Kita „Käte Duncker“ in der Betreuung ihrer Schützlinge beschreitet. Denn seit etwa einem Jahr hält in der Greizer Einrichtung die offene Arbeit mit den Kindern Einzug. „Es gibt bei uns keine fest gefügten Gruppen mehr, sondern die Drei- bis Sechsjährigen können je nach ihren Interessen in verschiedenen Funktionsräumen ihre Bezugsgruppen wählen“, beschreibt Kita-Leiterin Mandy Winter die Herangehensweise. Zur Auswahl stehen beispielsweise Sport, Naturbeobachtungen, Rollenspiele und Musik. Die Angebote sind für die über Dreijährigen altersübergreifend frei wählbar. Es gibt keine „Basteltante“ mehr als zentrale Erziehungsperson.

„Die Zeiten haben sich geändert“, so Malte Mienert, der 2004 im Alter von 29 Jahren als damals jüngster Professor Deutschlands an die Universität Bremen berufen wurde und seit Oktober 2011 als Dekan die Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften an der European New University im niederländischen Kerkrade leitet. Hierzulande begleitet der Professor für Entwicklungs- und Pädagogische Psychologie den Öffnungsprozess von Kindereinrichtungen hin zu modernen Erziehungsmethoden und führte unlängst eine Inhouse-Weiterbildung in der Kita „Käte Duncker“ durch.

In dem Greizer Kindergarten werden entsprechend des Thüringer Bildungsplanes neue Wege gegangen, die auf neuen Erkenntnissen der Erziehung basieren. Was natürlich auch mit neuen Herausforderungen für die zwölf pädagogischen Fachkräfte verbunden ist. Auch Diskussionen bei den Eltern gab es. „Doch im späteren Leben sagt uns auch niemand, wo es lang geht und wir müssen alles selbst entscheiden. Deshalb ist es wichtig und richtig, so früh wie möglich die Selbstständigkeit der Kinder zu fördern“, ist Mienert überzeugt. Auch, weil am meisten „hängen bleibt“, wenn Kinder das tun, was ihnen Spaß macht. Die grünen und roten Karten unter den entsprechenden Kategorien scheinen ihn und die offene Arbeit in der Greizer Kita offenbar zu bestätigen.

INFO: Die Greizer Kindertagesstätte "Käte Duncker" ist eine Einrichtung in Trägerschaft der Stadt. 12 pädagogische Fachkräfte betreuen hier derzeit 81 Kinder im Alter von 1 bis 6 Jahren. Davon sind 60 Mädchen und Jungen über 3 Jahre alt. Mehr dazu im Internet unter http://www.greiz.de. Informationen zum „Malte-Mienert-Prinzip“ unter www.mamie.de.
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